10.09.2018 / Inland / Seite 5

Angst vor Kürzungswelle

Beschäftigte bei Karstadt und Kaufhof werden vor Fusion im Ungewissen gelassen

Unter den Beschäftigten der vor der Fusion mit dem Konkurrenten Karstadt stehenden Warenhauskette Kaufhof wächst die Angst um die Zukunft ihrer Stellen. Es sei »respektlos«, wie durch Berichte über einen Kahlschlag bei Kaufhof (siehe jW vom 7.9.) mit »der Psyche unserer Kolleginnen und Kollegen umgegangen wird und Verlustängste geschürt werden«, heißt es in einem internen Schreiben des Gesamtbetriebsrats an die Belegschaft, das der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vorlag.

Den Beschäftigtenvertretern lägen bislang keinerlei Informationen über einen Abbau vor. Kaufhof und Karstadt stehen Medienberichten zufolge vor einer Fusion, die in den kommenden Tagen verkündet werden soll. Die Eigner – der nordamerikanische Konzern HBC und die österreichische Signa – hätten sich bereits auf entsprechende Pläne verständigt.

Kürzungen könnten in der Logistik, beim Einkauf und bei den Zen­tralen der Handelsriesen in Essen und Köln bevorstehen. Zwei Hauptsitze seien nach einer Fusion nicht mehr nötig. Demnach könnten 5.000 Stellen bei Kaufhof auf der Kippe stehen. Die Kette beschäftigt Angestellten zufolge noch knapp 17.000 Menschen. Laut Bild am Sonntag will Signa-Boss René Benko Kaufhof zwischen 250 bis 300 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Darin enthalten sei ein dreistelliger Millionenbetrag für Abfindungen.

Übereinkünfte zwischen Kaufhof und den Beschäftigten für einen Sanierungstarifvertrag oder Gespräche über einen Sozialplan gibt es nicht. Die Gewerkschaft Verdi hatte angesichts der Unterredungen zwischen den Eignern über eine Fusion Verhandlungen mit dem Kaufhof-Management über einen Sanierungstarifvertrag auf Eis gelegt. Verdi hatte Signa und HBC bereits aufgefordert, die Mitarbeiter unverzüglich in ihre Fusionsverhandlungen einzubinden. »Wer Geld für solch eine Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben«, hatte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Donnerstag gesagt. Sie hatte eine Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie die Tarifbindung für Karstadt und Kaufhof gefordert. (Reuters/jW)

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