08.09.2018 / Abgeschrieben / Seite 8

Kein Baum darf fallen

Die Linke NRW rief am Freitag zu Protesten im und am Hambacher Forst auf. In ihrer Erklärung heißt es:

Seit etwa zwei Wochen hat die Polizei Einsatzkräfte in großer Zahl und schweres Gerät am Hambacher Forst konzentriert. Immer wieder ist sie in den Wald eingefallen, hat Infrastruktur der Waldbesetzer zerstört und willkürlich Gegenstände beschlagnahmt. Nunmehr sind auch schon Bäume gefällt worden. Die Absicht dahinter ist klar erkennbar: Der Wald soll geräumt werden, damit RWE pünktlich zu Beginn der Rodungssaison im Oktober mit der Abholzung des uralten Forstes beginnen kann.

»Die Landesregierung macht sich mit diesem Polizeieinsatz zum Handlanger der Profitinteressen von RWE«, kommentiert Christian Leye, Landessprecher der Partei Die Linke in NRW, die Räumung der Waldbesetzung. Und weiter: »Dieser Konzern, ein Fossil wie der Brennstoff seiner Kraftwerke, behindert seit einem Jahrzehnt aktiv die dringend notwendige Energiewende. Durch sein Beharren darauf, unbedingt in diesem Jahr zu roden, sabotiert er die Arbeit der Kohlekommission und versucht in der historisch letzten Sekunde der Braunkohleverstromung noch Fakten zu schaffen.«

»Die Linke NRW wird dem nicht tatenlos zusehen«, ergänzt Hanno Raußendorf, Sprecher für Umwelt- und Klimaschutz im Landesvorstand der Partei. »Wir rufen unsere Mitglieder auf, sich an den friedlichen Aktionen des zivilen Ungehorsams im Hambacher Forst, an Mahnwachen und an Demonstrationen zu beteiligen. Unsere Bundestagsabgeordneten aus NRW werden die Polizeiaktionen zum Schutz der Waldbesetzerinnen und Waldbesetzer begleiten. Wir hatten es angekündigt: Kein Baum fällt, sonst kommen wir!« so Raußendorf abschließend.

Anlässlich des 30jährigen Bestehens des Berliner Arbeitskreises Wohnungsnot wird vom 17. bis 21. September eine Aktionswoche stattfinden, wie die Initiative am Freitag mitteilte:

In Berlin gibt es geschätzt 30.000 bis 40.000 Wohnungslose, in ganz Deutschland ist die Zahl auf eine halbe Million gestiegen. Selbst Menschen aus der klassischen Mittelschicht haben Probleme, eine Wohnung zu finden. Auch immer mehr Familien fallen in die Wohnungslosigkeit.

Wir wollen herausfinden, wie die soziale Arbeit in Anbetracht von Gentrifizierung, wachsender Stadt und Globalisierung ihren Beitrag leisten kann, um weiterhin auch den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft ein würdiges Leben zu ermöglichen. Der Arbeitskreis Wohnungsnot hat als offenes Vernetzungsgremium in den letzten Jahren viel angestoßen und mitdiskutiert. Es waren 30 sehr interessante und zugleich anstrengende Jahre. Nun ist es Zeit, langjährige Forderungen und Verbesserungen umzusetzen.

In unserer Aktionswoche soll es darum gehen, das Problem einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und Lösungsansätze zu finden. Hierzu findet unter anderem am 19. September eine Zukunftswerkstatt mit ausgewählten Vertreterinnen und Vertretern aus der Berliner Politik, den Bezirksämtern, von freien Trägern und wohnungslosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen statt. Weitere Aktionen in der Woche sind Kino, Konzert, Lesung, Sportevents, Stadtführung durch Obdachlose und vieles mehr.

ak-wohnungsnot.de

https://www.jungewelt.de/artikel/339443.kein-baum-darf-fallen.html