07.09.2018 / Ansichten / Seite 8

Hitler-Vergleicher des Tages: Andrij Parubij

Reinhard Lauterbach

Bekanntlich ist der Faschismus, der deutsche insbesondere, schon zum Ausbund von weiß Gott wovon allem erklärt worden. Insofern muss eine aktuelle Äußerung von Andrij Parubij, Vorsitzender des ukrainischen Parlaments, nicht weiter wundern. Dieser Mann, der 1991 im heimischen Ternopil eine »Sozialnationalistische Partei« aufmachte, äußerte sich diese Woche im Fernsehsender ICTV wie folgt: Wenn man über direkte Demokratie spreche, komme man nicht umhin, auch des »Adolf Aloisowitsch« – gemeint ist Hitler – zu gedenken, der »einer der größten Vorkämpfer der Demokratie« im 20. Jahrhundert gewesen sei.

Wohlmeinende Interpreten meinten, es hier mit einem hypothetischen Argument zu tun zu haben. Mag im konkreten Kontext sogar stimmen. Der bestand nämlich darin, dass Parubij sich gegen mehr Referenden aussprach. Der Unterschied zwischen Parubij und Adolf Aloisowitsch besteht darin, dass letzterer die paar Plebiszite, die er organisierte – zur »Heimkehr der Saar«, zur Wiedereinführung der Wehrpflicht und zur Annexion Österreichs –, erstens im nachhinein veranstaltete, als von ihnen nichts mehr abhing, und zweitens sie so zu organisieren verstand, dass die gewünschte Mehrheit dabei herauskam. Wessen man bei der heutigen Ukraine nicht sicher sein kann, daher auch Parubijs Warnungen.

Dass Parubij mit seinem Hitler-Vergleich aufklärend über den (Un-)Sinn von Referenden im bürgerlichen Staat wirken wollte, kann man ausschließen. Seine »Sozialnationalistische Partei« führte als Parteisymbol die Wolfsangel, das gespiegelte Emblem der SS-Panzerdivision »Das Reich«. Heute zieht das Faschistenbataillon »Asow« unter demselben Krakel ins Feld. Und einer der wichtigsten Funktionäre der Ukraine verharmlost Hitler. Nur Angela Merkel merkt nichts. Aber das kennen wir ja.

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