14.07.2018 / Leserbriefe / Seite 14

Retter im Wartestand

Als Taro Tatura im Frühjahr 2016 im Hamburger Hafen die »Sea-Watch 2« sah, drückte er auf den Auslöser. Später sandte er das entstandene Bild an junge Welt und beteiligte sich damit am Fotowettbewerb »Blende« unter dem Themenkomplex »Flucht«. Taro Tatura konnte damals noch nicht wissen, dass das Schiff zwei Jahre im Einsatz sein sollte und an der Rettung von 25.000 Menschen, die sich über das Mittelmeer auf die gefährliche Überfahrt nach Europa begeben hatten, beteiligt sein würde. Mit der »Sea-Watch 2« wollten die privaten Seenotretter eine Antwort auf das schon zu dieser Zeit offenbare Versagen der EU-Flüchtlingspolitik geben. Zuvor waren sie noch mit einem alten Fischkutter vor der Küste Libyens unterwegs. Nachdem 2017 immer mehr Hilfsorganisationen ihre Arbeit einstellen mussten und kaum noch große Rettungsschiffe unterwegs waren, wurde die »Sea-Watch 2« abgegeben und die größere »Sea-Watch 3« angeschafft. Die Chancen der Flüchtlinge, im Mittelmeer zu überleben, haben sich in den letzten Wochen jedoch dramatisch verschlechtert. Es sind keine Seenotretter mehr vor Libyen im Einsatz – obwohl gerade jetzt besonders viele Boote mit Migranten ablegen. Die Schiffe der deutschen Organisationen »Sea-Watch« und der »Mission Lifeline« wurden in Malta beschlagnahmt und liegen zwangsweise vor Anker. (jW)

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