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Aus: Ausgabe vom 20.10.2007, Seite 16 / Aktion

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Warum der Chefredakteur dieser Zeitung ein guter Grund dafür ist
Noch lange nicht das letzte Wort gesprochen: Arnold Schölzel
Noch lange nicht das letzte Wort gesprochen: Arnold Schölzel
Die junge Welt ist der Aufklärung und dem Marxismus verpflichtet. In ihr finden sich Berichte, Analysen, O-Töne und Hintergründe, von denen man in anderen Medien verschont bleibt. Verständlich, daß so eine Zeitung und deren Macher immer wieder mal angegriffen werden. Trotzkisten schimpfen deren Profil stalinistisch und nicht am »wahren Sozialismus« orientiert, andere wieder beschweren sich über den trotzkistischen Einfluss und finden zudem die Zeitung nicht am »echten Sozialismus« orientiert. Manchen Traditionskommunisten ist die junge Welt zu offen und den meisten Liberalsozialisten zu geschlossen. Mitarbeiter der Birthlerbehörde fordern ein Verbot der Zeitung, weil dort auch ehemalige Mitarbeiter der Staatssicherheit zu Wort kommen. Das Amt für Verfassungsschutz beklagt in seinem Berichten Stärke und Einfluß der jungen Welt, während die taz ihre Konkurrenz als »Fastobdachlosenzeitung« belächelt. Der ehemalige bayrische Innenminister nennt die junge Welt schon mal »Drecksblatt«, passend dazu wird pünktlich zum 60. Geburtstag der jungen Welt enthüllt: Der Chefredakteur dieses Blattes war mal IM.

Seit sieben Jahren ist Arnold Schölzel Chefredakteur der jungen Welt. Er ist nicht nur ein brillanter Schreiber und Analytiker. Seit er Chefredakteur dieser Zeitung ist, wird klarer Kurs gehalten. Er will nicht, wie seine Vorgänger, aus der jungen Welt ein Vereinsblatt machen, weder für »Antideutsche« noch für »traditionsbewußte Ostdeutsche«. Was noch lange nicht heißt, daß er für Deutschland oder gegen selbstbewußte ehemalige DDR-Bürger ist. Er steht für eine bestimmbare Bandbreite, macht aber die Zeitung nicht für alles offen. In der täglichen Redaktionsdiskussion wird viel gestritten, seine Aufgabe ist es, das letzte Wort zu sprechen, weil die Zeitung noch am gleichen Tag in den Druck gehen muß. Niemand ist unfehlbar, seine Entscheidungen werden aber selbst dann akzeptiert, wenn sie für falsch gehalten werden. Das ist nur selten der Fall. Auch der Chefredakteur der jungen Welt hat das Recht, Fehler zu machen.

Mit 16 macht er wohl den ersten: Er tritt in Bremen in die SPD ein. Dann folgen scheinbar die nächsten: Er protestiert mit anderen gegen die Wiederaufführung von Leni-Riefenstahl-Filmen, angebliche Verfassungsschützer informieren die Schule. Dort wird ernsthaft diskutiert, die Beteiligten von der Schule zu weisen. Im November 1966 macht er das Abitur und meldet sich für Januar 1967 freiwillig mit anderen Genossen zur Bundeswehr: Er will den Umgang mit der Waffe lernen. »Wenn Du stark genug bist, Junge, geh« schreibt Franz Josef Degenhardt zu dieser Zeit. Der Militärische Abschirmdienst MAD beäugt den jungen Unteroffiziersanwärter argwöhnisch. Dann putscht das Militär in Griechenland – nicht nur mit Billigung der NATO. Vietnamkrieg, Benno Ohnesorg wird erschossen – in der Kaserne werden Krieg und Tat ausdrücklich begrüßt. Der Sechstagekrieg im Nahen Osten: Die DDR wird in der Springerpresse, aber auch von den höheren Militärdienstgraden als »unsere Araber« bezeichnet. Sein Oberst, Chef einer Militärschule, die nach einem Naziverbrecher benannt wurde, erzählt von seiner »Banditenjagd 1944 in Weißrußland«. Arnold hat genug gesehen und gehört und reist am 13. August 1967 nach Berlin, Hauptstadt der DDR. Ihm ist klar: Gegen den real existierenden deutschen Kapitalismus helfen nur ein anderer Geheimdienst, eine andere Armee, ein anderer Staat.

In der DDR begegnet man ihm und mehreren Dutzend anderen Abtrünnigen aus der Bundeswehr durchaus mit Skepsis. Sein West-Abitur wird zunächst nicht anerkannt, er arbeitet als Hilfsarbeiter und macht nebenbei das Ost-Abitur, studiert danach Philosophie in Leipzig. 1974 übernimmt er eine Assistenzstelle an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Staatssicherheit tritt 1972 an ihn heran. Arnold scheint ihr Anliegen völlig plausibel: Die sozialistische DDR muß gegen Angriffe aller Art verteidigt werden. Er unterhält sich mit Mitarbeitern der Staatssicherheit und schätzt dabei die Tätigkeit einer konspirativen Gruppe ein, deren Ziel ein Umsturz in der DDR ist. Die Gruppe fliegt auf, belangt werden einige Mitglieder wegen Zollvergehen (Bücherschmuggel), alle promovieren und erhalten entsprechende Stellen in der DDR. War das aktive Teilnahme am Klassenkampf oder ein Fehler?

Zigtausende Lokführer, Lehrer und Briefträger in der BRD werden überprüft, viele verlieren auch kurz vor der Pensionierung ihre Arbeit und ihre Rentenansprüche – wegen Mitgliedschaft in der DKP und ihrem Verhältnis zur DDR. Grundlage für die Berufsverbote sind »Erkenntnisse«, die von offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern des sogenannten Amtes für Verfassungsschutz gesammelt werden. Hunderttausende Akten über verdächtige Personen mit linker Einstellung werden angelegt, die meisten Betroffenen wissen bis heute nichts von deren Existenz und deren Folgen für ihre berufliche Karriere. Es ist Klassenkampf, und Arnold hat sich entschieden. Nach der Niederlage von 1989/1990 wird er wegen seiner Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit vom Dienst suspendiert und 1994 entlassen.

Seit 1997 arbeitet Arnold Schölzel bei der Tageszeitung junge Welt, zunächst als Feuilletonchef und seit 2000 als Chefredakteur. Ein Chefredakteur, der nicht nur selbst inhaltlich präzise und streitbare Positionen einnimmt, sondern auch dieser Zeitung Profil und Orientierung gibt. Der die Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt, und zwar die im Westen wie die im Osten: Ein Drittel seines bisherigen Lebens verbrachte er in der BRD, ein Drittel in der DDR, ein Drittel im neuen Großdeutschland. Diese Zeitung geht den umgekehrten Weg: Sie kommt aus dem Osten, wird zunehmend im Westen entdeckt und ist mittlerweile eine Zeitung, die von vielen in Rostock wie in Freiburg, in Hamburg wie in Dresden als unverzichtbar angesehen wird. Das ist natürlich die Leistung von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Verlag und Redaktion. Die Rolle, die Arnold Schölzel dabei spielt, ist allerdings gar nicht hoch genug zu bewerten. Am Sonntag wird Arnold 60 Jahre alt. Für seinen Einsatz für Frieden, gegen Krieg und Faschismus, für eine sozialistische Perspektive und für die einzige linke überparteiliche Tageszeitung sind wir ihm zum größten Dank verpflichtet.

Verlag, Redaktion, Genossenschaft

Wer mit Arnold anstoßen möchte: Am Dienstag, den 23. Oktober, um 18.15 Uhr laden Verlag, Redaktion und Genossenschaft zu einem kleinen Umtrunk in die Räume der Redaktion ein. Um 19 Uhr beginnt dann in der jW-Ladengalerie das Konzert mit der kubanischen Liedermacherin Marta Campos.

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