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Aus: Ausgabe vom 16.08.2006, Seite 15 / Antifa

Opfer zum Täter gestempelt

Magdeburg: Rassistischer Angriff auf einen Migranten vor den Augen der Polizei
In Gegenwart von Polizeibeamten wurde in der Nacht zum Sonntag ein aus Togo stammender Mann in Magdeburg von einem Rechten attackiert und mit einem Fußtritt gegen ein Auto geschleudert. Dies berichtete die örtliche mobile Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt am Montag. Zuvor war der 26jährige demnach von zwei Männern und einer Frau rassistisch beschimpft worden. Nachdem ihm Schläge angedroht worden waren, hatte er sich an die Polizei gewandt. Vor deren Eintreffen rief das Trio jedoch zehn weitere Rechte herbei, die den Betroffenen ebenfalls beleidigten und bedrohten.

Nach dem Notruf trafen zunächst zwei Zivilbeamte vor Ort ein und unterhielten sich freundlich mit den Rechten; einer forderte den Togolesen auf, sich mit erhobenen Händen an die Wand zu stellen. Der fürchtete nun, er habe es gar nicht mit Polizisten zu tun und rief erneut die Zentrale an. Im Beisein der kurz danach eingetroffenen uniformierten Beamten attackierte einer der Rechten den Afrikaner gezielt mit einem Fußtritt, ohne daß ein Polizist eingriff. Das Opfer setzte sich daraufhin mit Pfefferspray zur Wehr.

In einer Pressemitteilung der Polizeidirektion Magdeburg vom Sonntag werden sowohl der Angriff auf den Togolesen als auch das Ausmaß der Beleidigungen verschwiegen: Man ermittele gegen den Afrikaner wegen gefährlicher Körperverletzung und gegen die Rechten wegen Sachbeschädigung und Volksverhetzung, heißt es. Nach Angaben der mobilen Beratung fügt sich der Angriff in eine Reihe von rassistischen Attacken im letzten halben Jahr in Magdeburg ein, bei denen die Polizei trotz mehrfacher Notrufe zu spät oder gar nicht zu Hilfe kam. Dies zeige einmal mehr, daß »Sensibilisierungs- und Informationsprojekte zu Rassismus und Rechtsextremismus« für Polizisten dringend nötig wären.

(jW)

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