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Aus: Ausgabe vom 19.11.2022, Seite 8 / Ansichten

Denkmalstürmer des Tages: Schäuble und Bild

Von Klaus Fischer
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Verbitterter alter Mann beschwert sich über seine einstige Gönnerin: Wolfgang Schäuble

Bild ruft zum Denkmalsturz. Ziel der neuesten Salve aus Springers Propagandakanone ist – man glaubt es kaum – Angela Merkel. Und wer hat die Munition herangekarrt: Wolfgang Schäuble.

Ausgerechnet Schäuble. Der eifrige Protagonist des tiefen BRD-Staates, des CDU-Filzes und nach Helmut Kohls Abgang Steigbügelhalter bei Merkels Machtübernahme, kann die Spielchen nicht lassen. Jetzt wirft er seiner damaligen Retterin (bitte »Parteispendenaffäre« googeln) im Handelsblatt »die falsche Russland-Politik« vor, und Bild bastelt daraus eine »Knallhart-Abrechnung« mit Deutschlands ausgedienter Langzeitkanzlerin.

Wer die Mainstreammedien verfolgt, weiß, was Bild mit falscher Russland-Politik Merkels meint: Einmal das »Vorantreiben von Nord Stream 2«. Und schlimmer, »dass sie auch jetzt in bezug auf Russland nicht sagen kann, dass wir Fehler gemacht haben«, wie Schäuble dem Handelsblatt in gewohnter Treuherzigkeit erzählte.

Interessant an den Anwürfen gegen Merkel ist weniger, wer die Munition liefert. Berufspolitiker sind jederzeit bereit, Mit- oder Exkonkurrenten ein Bein zu stellen, wenn sie sich einen Vorteil davon versprechen. Spannender ist eher, dass Verlegerin Friede Springer anscheinend ihre schützende Hand nicht länger über ihre »Freundin« Angela hält. Oder halten darf. Inzwischen haben die US-Hauptaktionäre von KKR dort das Sagen, und der Redaktionstross folgt dem mit sprichwörtlichem Feuereifer.

»Putin feuert Raketen auf Polen« titelte Bild diese Woche. Hätte es in der BRD eine Rangliste der größten Kriegstreiber gegen Russland, gebührte der Spitzenplatz wohl dem Axel-Springer-Verlag. »Journalisten« dieser Truppe bedankten sich in dieser Woche gerührt für »Verdienstorden dritter Klasse« des Selenskij-Regimes, vielleicht ist das Bestätigung genug.

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (21. November 2022 um 20:16 Uhr)
    Wie geistig verarmt und moralisch verkommen muss ein Land sein, das sich solche asozialen Kreaturen leistet?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (19. November 2022 um 09:30 Uhr)
    »Stürmer«-Erbe BILD ist schon immer Hort eines Abortjournalismus, direkt aus der Kloake. Das Problem dabei ist, dieses Schmierblatt hat eine enorme Reichweite und der deutsche Michel samt seiner Angetrauten konsumiert tagtäglich den Dreck aus der Schmuddelküche. Das Resultat ist schlussendlich am Ergebnis von Meinungsumfragen und Wahlen zu sehen. Schlimmer geht bekanntlich immer und ein Herr Schäuble weiß als altgedienter Kriegstreiber dieses Medium zu nutzen, um seiner Exchefin durch heftiges Nachtreten ein Bein zu stellen. Man kann über Merkel viel schreiben und sicher auch viel kritisieren. Aber, um den ungarischen Ministerpräsidenten Orban zu zitieren, »mit Merkel hätte es keinen Ukraine-Krieg gegeben«.

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