3 Monate jW-digital für 18 Euro
Gegründet 1947 Dienstag, 7. Februar 2023, Nr. 32
Die junge Welt wird von 2701 GenossInnen herausgegeben
3 Monate jW-digital für 18 Euro 3 Monate jW-digital für 18 Euro
3 Monate jW-digital für 18 Euro
Aus: Ausgabe vom 12.11.2022, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

Wer trägt die Fackel weiter?

Der Theatergott, der ein Filmstar wurde: Zum 100. Geburtstag des Ausnahmedarstellers Oskar Werner. Eine Liebeserklärung
Von Marc Hairapetian
imago0061959090h.jpg
Da will man sich glatt dazukuscheln: Oskar Werner mit Jeanne Moreau in Truffauts »Jules et Jim« (1962)

Bis heute ist Oskar Werner der letzte deutschsprachige Akteur, der als »Bester Hauptdarsteller« für den Oscar nominiert wurde. Mit dem Bordarzt in Stanley Kramers Literaturadaption »Das Narrenschiff« schrieb er 1965 Filmgeschichte. Seine Sterbeszene, in der er unter Eigenregie einen Myokardinfarkt mit allen klinischen Symptomen spielte, obwohl im Drehbuch nur die Anweisung »vom Stuhl kippen« stand, veranlasste Spencer Tracy und Marlon Brando, ihn als »besten Schauspieler überhaupt« zu bezeichnen. Doch diese im Wortsinn herzergreifende Performance in dem grandiosen Ensemblefilm, wo er als Primus inter pares an der Seite von Simone Signoret, Vivien Leigh, Lee Marvin, José Ferrer, George Segal, Elizabeth Ashley, Michael Dunn und Heinz Rühmann agierte, macht allein das Faszinosum nicht aus: Es ist der unvergleichliche Klang seiner Stimme, gepaart mit einem geradezu bestrickenden Charme und einem bei aller Sensibilität stets entschlossenem Auftreten.

Doppelter Luxus

Werner hatte im internationalen Film und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, das, was man einst nur Herrschern nachsagte: Charisma. Königlich war sein Spiel, doch auch privat waren ihm der »Adel des Geistes« und die »Qualität des Gefühls« wichtig. Sein Credo »Zwei Luxusartikel habe ich mir immer geleistet: Zeit und Charakter« hatte er so verinnerlicht, dass er unbeirrbar seinen Weg ging – sogar bis in den eigenen Untergang. Kein anderer Schauspieler weltweit lehnte derart viele Rollen mit der Begründung ab, keinen »Verrat am künstlerischen Geschmack« begehen zu wollen. Die Zahl von 300 ist verbürgt, darunter befinden sich allein 80 Hollywoodangebote in seiner Glanzzeit von 1965 bis 1969. Zu den von ihm abgelehnten Filmen gehören Michelangelo Antonionis »Blow Up« (1966), Anatole Litvaks »Die Nacht der Generale« (1967) und Luchino Viscontis »Ludwig II.« (1973), wo er den Komponisten Richard Wagner spielen sollte. Oskar Werner machte sich dabei immer die Mühe, eine Absage zu begründen: »Wenn es ein Genie des Kitsches gibt, ist es Richard Wagner!« Trotz dreifacher Gagenerhöhung wollte er für seinen Freund Stanley Kramer in »Das Geheimnis von Santa Vittoria« (1969) keinen »guten Nazi« spielen, denn: »Wer gut und intelligent ist, kann kein Nazi sein!« Hardy Krüger übernahm …

»Der Unbestechliche«, der am 13. November 1922 in Wien-Gumpendorf als Oskar Josef Bschließmayer in einfachen Verhältnissen geboren wurde, benötigte nur sieben Stunden Schauspielunterricht bei Helmuth Krauss, um mit 18 Jahren zum jüngsten Ensemblemitglied des Burgtheaters zu avancieren. Doch der Theatergott, der wie kein anderer Don Karlos (1955 an der »Burg«) oder Hamlet und den Prinzen von Homburg (beide 1953 an den Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main) zu geben verstand, avancierte schnell zum Filmstar. Wenn man von den drei Auftritten als Teenager-Kleindarsteller in »Geld fällt vom Himmel« (1938), »Hotel Sacher« und »Leinen aus Irland« (beide 1939) absieht, hat er in »nur« 19 Kinofilmen sowie drei Fernsehproduktionen (1958: »Ein gewisser Judas«, wo er als Erasmus Nothnagel sogar Regie führte; 1964: »Torquato Tasso«; 1975: »Columbo: Playback«) mitgewirkt. Fast alle davon haben heute Klassikerstatus.

Drei Rebellen

Bereits »Der Engel mit der Posaune« (1947/48) wurde nicht nur in Österreich zu einem kommerziellen wie künstlerischen Erfolg. Schon sein allererster Auftritt, wenn Günter Anders’ Kamera an jedem einzelnen der großbürgerlichen Wiener Klavierbauerfamilie Alt (in Gestalt von Paula Wessely, Attila Hörbiger, Hans Holt und Co.) vorbeifährt, die andächtig dem Spiel der jungen Maria Schell am Flügel lauscht, hat es in sich: Oskar Werner fläzt sich recht gelangweilt auf seinem Stuhl und hat den Blick in einer unvergleichlichen Mischung aus innerem Protest und zarter Verträumtheit nach oben gerichtet. Dazu passt, was der 2014 verstorbene Oscar-Preisträger Maximilian Schell (1961 für »Das Urteil von Nürnberg«), Marias älterer Bruder, dem Verfasser der folgenden Zeilen erzählte: »In dieser Sequenz sieht man schon die Besonderheit von Oskar Werner. Wir waren damals drei Rebellen: Klaus Kinski, Oskar Werner und ich. Und ich war noch der Harmloseste von uns dreien …«

Nachdem Oskar Werner für das ebenfalls gelungenen Remake »The Angel with the Trumpet« (1949), bei dem der in den Credits nicht genannte Karl Hartl wieder Regie führte, mit Maria Schell nach England gereist war, zog dies die fristlose Kündigung durch das Burgtheater nach sich. Im nachhinein war das für ihn der Beginn einer Weltkarriere im Kino: Als er bei 20th Century Fox einen Siebenjahresvertrag unterzeichnete, schwärmte Studioboss Darryl F. Zanuck von ihm: »Da kommt ein Mann von der Donau, der stellt unsere ganze Garde in den Schatten!«

In der Tat: »Entscheidung vor Morgengrauen« (1951) von Anatole Litvak nach George Locke Howes Roman »Call It Treason« (1949) ist der bis heute einzige neorealistische Hollywoodfilm. Gedreht im zerbombten Nachkriegsdeutschland an Originalschauplätzen, ging Werner physisch wie psychisch an seine Grenzen. An sich sollte der überzeugte Pazifist, der sich in den letzten Kriegsmonaten »fahnenflüchtig« mit seiner ersten Frau, der »Burg«-Aktrice Elisabeth Kallina, und der gemeinsamen Tochter Eleonore im Wienerwald versteckte, bereits als »ehrbarer Verräter« für den Oscar nominiert werden, doch kurz nach dem Krieg sah die erzkonservative Academy davon ab, deutschsprachige Künstler offiziell zu würdigen. Dafür wurde ihm eine andere Anerkennung zuteil: Die Mutter des echten Karl »Happy« Maurer, der, um den Krieg zu verkürzen, als Sanitäter in Kriegsgefangenschaft für die US-Amerikaner ausspionierte, welche deutschen Kommandostellen zur Aufgabe bereit waren, schrieb ihm, dass sie in ihm ihren Sohn wiedererkannt habe. Diesen Brief trug Oskar Werner zeitlebens in seiner Brusttasche – zusammen mit dem bereits oben zitierten, euphorischen Telegramm von Spencer Tracy.

Beinahe Bonaparte

Stanley Kubrick war noch Jahre später voll des Lobes: »Ich beeile mich hinzuzufügen, dass ich ein großer Bewunderer Ihrer Arbeit bin – und dass ›Entscheidung vor Morgengrauen‹ der am meisten unterschätzte Film aller Zeiten sein muss. Ich habe ihn fünfmal gesehen, und die Subtilität, der Geschmack und die Intelligenz Ihrer Darbietung sind bei jeder Sichtung auffälliger.« Er bot ihm dann im Jahr 1968 die Titelrolle in seinem »Napoleon«-Projekt an, dem größten Film, der nie gedreht wurde. Um Werner als Bonaparte herum waren in Nebenrollen ­Audrey Hepburn, Peter O’Toole, Richard Burton, Alec Guinness, Peter Ustinov, Vanessa Redgrave und Jean-Paul Belmondo vorgesehen. Das Drama eines tief fallenden Genies über das »Phänomen der menschlichen Torheit« (Stanley Kubricks Schwager, ausführender Produzent und jetziger Nachlassverwalter Jan Harlan) sollte eine Spielzeit von vier Stunden haben. Diesen Part hätte Oskar Werner, der seinen seit 1946 auch im Pass stehenden Künstlernamen nicht aus Bewunderung für seinen väterlichen Freund Werner Krauß gewählt hatte, sondern weil »Werner« wienerisch ausgesprochen eben wie »Weaner« (also »Wiener«) klingt, gern angenommen. Als Sergei Bondartschuks Historienepos »Waterloo« (1970, mit Rod Steiger als Napoleon) ein selbiges an den Kinokassen erlebte, drehte MGM Stanley Kubrick vorsorglich den Geldhahn zu. Dieser wandte sich verärgert vom Studio ab, das zuvor seinen Geniestreich »2001: Odyssee im Weltraum« (1965–1968) finanziert hatte, wurde mit Warner Bros. einig und drehte dort seinen größten kommerziellen Triumph »Uhrwerk Orange« (1970/71), den Oskar Werner wiederum zwar fabelhaft gemacht fand, der ihm aber zu »gewalttätig« war, weswegen er die Offerte für »Barry Lyndon« (1975) später ablehnte.

Der belesene Blondschopf war schon immer sehr eigen: Nach »Entscheidung vor Morgengrauen« zerriss er seinen Vertrag mit der 20th Century Fox, weil er sich nicht mit Pin-Up-Girls ablichten lassen wollte. Als Otto Premingers »Der Mann, der Hitler hinterging« nicht zustande kam, kehrte Werner Hollywood vorerst den Rücken. »Das andere Deutschland« verkörperte der ewig Wahrheitssuchende erneut eindrucksvoll in G. W. Pabsts beklemmendem Endzeitdrama »Der letzte Akt« (1955): Als Ritterkreuzträger Hauptmann Wüst versucht er, Adolf Hitler (Albin Skoda) davon abzubringen, die mit der schutzsuchenden Zivilbevölkerung überfüllten Berliner U-Bahn-Tunnel wegen der heranrückenden Roten Armee zu fluten. Marlon Brando ließ sich Oskar Werners Sterbeszene mit den gehauchten Worten »Sag nie wieder ›jawohl‹, denn damit hat der ganze Mist angefangen … Seid wachsam!« zur Vorbereitung für seine Rolle des Christian Diestl in Edward Dmytryks Kriegsdrama »Die jungen Löwen« (1957) 24mal hintereinander vorführen! Auch hier war Werner ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehen, er kam aber aus seinem Theatervertrag nicht heraus. Brando nutzte die Chance für eine seiner besten Darstellungen und ließ sich sogar dafür im Farbton von Oskar Werner die Haare blondieren.

Der Womanizer – hinreißend sein »Mozart« (1955) – war in François Truffauts »Jules und Jim« (1962), einer Reflexion über eine »reine Liebe zu dritt« mit den Kopartnern Jeanne Moreau und Henri Serre, eine Art duldsame Jesus-Figur. Vor allem das weibliche europäische Publikum zeigte sich begeistert. Und auch Hollywood erinnerte sich an seinen einst so verheißungsvollen Import: »Das Narrenschiff«, einer der wenigen Filme der »Traumfabrik«, der bis heute auch in den postsozialistischen Staaten hohes Ansehen genießt, wurde zu seinem größten Erfolg. 1966 gewann er für den zwischen Melancholie und Rage schwankenden Dr. Wilhelm Schumann, den er selbst als »das philosophische Auge des Lebens« bezeichnete, den New Yorks ­Critics Circle Award und den französischen Étoile de Cristal, wurde zudem für den Oscar und den Golden Globe nominiert. Diesen errang Werner dann im selben Jahr für seine Darstellung des jüdischen DDR-Abwehrchefs Fiedler in Martin Ritts Anti-James-Bond-Drama »Der Spion, der aus der Kälte kam« (1965).

Während der erneuten Zusammenarbeit mit François Truffaut bei der Dystopie »Fahrenheit 451« (1966) kam es zum Bruch zwischen den »Blutsbrüdern«. Oskar Werner, der den deutschen Faschismus selbst hautnah erlitten hatte, fand die Bücherverbrennungsszenen zu »kunstgewerblich« inszeniert. Der Regisseur denunzierte ihn daraufhin in seinem Drehtagebuch für die Cahiers du cinéma. Dennoch kam es zu einer Versöhnung in den 1970er Jahren in Paris, wie Oskar Werners große Liebe, die Schauspielerkollegin Antje Weisgerber (1922–2004), berichten konnte. Es war noch ein dritter gemeinsamer Film geplant. Der frühe Tod der beiden verhinderte dies. François Truffaut starb am 21. Oktober 1984, Oskar Werner nur zwei Tage darauf in Marburg an der Lahn – kurz vor Beginn einer Rezitationstournee.

Nach »Fahrenheit 451« wurden Werner weitere Science-Fiction-Filme angeboten. Er sollte mehrfach mit Alain Delon drehen und war für einen Western als Revolverheld »Blue« vorgesehen, was man sich bei dem Feingeist schwerlich vorstellen kann, aber durchaus reizvoll scheint. Lieber drehte er dann jedoch die visionäre Vatikan-Geschichte »In den Schuhen des Fischers« (1968) mit den drei größten Hamlets des letzten Jahrhunderts – John Gielgud, Laurence Olivier und Oskar Werner – in einem Film plus Anthony Quinn als erstem russischen Papst. In dem von Gerry Fisher wundervoll fotografiertem Melodram »Zwischenspiel« (1968) konnte sich der Musikliebhaber mit dem absoluten Gehör als verheirateter Dirigent Stefan Zelter, der sich in eine junge Journalistin (Barbara Ferris) verliebt, so richtig austoben. Im New York des Jahres 1968 war in der Startwoche nur »Planet der Affen« erfolgreicher. Fast alle Größen der Filmbranche wollten mit ihm zusammenarbeiten, darunter Alfred Hitchcock, Federico Fellini, Luchino Visconti, Michelangelo Antonioni, Sydney Pollack oder Rainer Werner Fassbinder, doch die meisten Drehbücher behagten ihm nicht. Da eigene Projekte wie »Kaspar Hauser«, »Der Liebe Wiederkehr« (»So Love Returns«) oder »Der andere Narr«, für die er selbst die Skripte verfasste, nicht finanziert werden konnten, filmte der alkoholkranke Ausnahmedarsteller nur noch einmal fürs Kino: Für Stuart Rosenbergs bewegendes All-Star-Movie »Reise der Verdammten« (1976) über die historisch verbürgte Irrfahrt von 937 Juden auf der St. Louis im Jahr 1939 erhielt er als resignierter Professor Egon Kreisler seine dritte Golden-Globe-Nominierung.

Charisma des Blicks

Zu Recht wird die nuancenreiche Sprachmelodik Werners gerühmt. »Heimat«-Regisseur Edgar Reitz schwärmt aber davon, dass er ein »Augen«-Schauspieler sei, der durch seine intensiven Blicke fasziniere. Oskar Werners ihm wie aus dem Gesicht geschnittener und in Kalifornien lebender Sohn Felix Florian Werner sagt über das schauspielerische Charisma seines Vaters: »Ich denke, viele der weltbesten Schauspieler können eine komplette Geschichte nur mit ihren Augen vermitteln. Was mich jedoch wahrscheinlich am meisten an der Arbeit meines Vaters beeindruckt, besonders an einigen seiner frühen Filme, ist, wie er sich vollständig in die Charaktere verwandelt hat. Hier geht es nicht um Make-up, Kostüm oder Dialekte. Man vergisst, dass es Oskar Werner ist, und ich vergesse, dass es mein Vater auf der Leinwand ist.« Dazu passt, dass Theaterkritiker schrieben: »Er spielt Hamlet nicht, er ist Hamlet!« Wer kann Werner nach dem Ableben Brandos und Peter O’Tooles heutzutage das Wasser reichen? »Wer trägt die Fackel weiter?«, wie es in einem von Klausjürgen Wussow (1929–2007), der mit Werner 1953 als Horatio im »Hamlet« in Frankfurt am Main auf der Bühne gestanden hatte, zu seinem Tod verfassten Gedicht heißt: Matthias Schweighöfer? Der ist zu albern. Lars Eidinger? Ihm fehlt die Souveränität. Oscar Isaac? Sehr talentiert, aber ein gänzlich anderer Typ. Anthony Hopkins? Vielleicht, aber schon sehr alt.

Oskar Werner war ein Popstar, als es diesen Begriff noch nicht gab: »Er war ein ungemein intelligenter Schauspieler«, so Klausjürgen Wussow: »Er übersetzte Shakespeare aus dem Englischen ins Deutsche und deutete das letzte Wort bei Hamlets allerletzten Satz ›Der Rest ist Schweigen‹ nur an. Das Publikum riss er zu Begeisterungsstürmen hin. Bei weiblichen Besuchern löste er immer wieder hysterische Reaktionen und sogar Ohnmachtsanfälle aus.« Antje Weisgerber sagte über den Kinder- und Hundefreund: »Er war kein Egoist, sondern der größte Egozentriker, den ich kannte. Denn er bezog das ganze Leid der Welt auf sich.« Er habe »wirklich ein goldenes Herz« gehabt.

Felix Florian Werner war 18, als er seinen Vater verlor. Im Interview erinnert er sich: »Ich war jung, und es war ein Schock. Er war eine überlebensgroße Figur für seine Familie, aber auch für alle, die ihm begegneten. Am Ende war er so selbstzerstörerisch, und es war offensichtlich, dass er nicht lange durchhalten würde. Aber es war trotzdem ein sehr schmerzhafter Schock. Ich wünschte, er hätte meine Kinder treffen können. Mein Sohn Andreas sieht ihm ähnlich, und meine Tochter Alexandra ist eine talentierte Schauspielerin, die ihn stolz gemacht hätte. Die von uns unterstützen beziehungsweise konzipierten Ausstellungen sind jetzt eine wunderbare Möglichkeit für meine Kinder und die Enkelkinder meiner Schwester Eleonore, mehr über ihn zu erfahren. Das macht mich glücklich.«

Außerdem arbeitet Felix Florian Werner mit seiner Modern Media Company gerade fieberhaft an einer neuen Oskar-Werner-Filmdokumentation: »Es ist das erste Mal, dass meine Schwester und ich bereit waren, in die Tiefe zu gehen und sehr persönlich darüber zu sprechen, wie es war, mit unserem Vater aufzuwachsen. Kurz gesagt, er war ein wunderbarer Vater, der uns von ganzem Herzen liebte. Sein Alkoholismus hat jedoch viele Trümmer aufgehäuft. Wir sind aber beide sehr dankbar für die vielen Lektionen, die er uns gelehrt hat. Darüber hinaus spürte er als Schauspieler immer eine große Verantwortung für sein Publikum.«

Zu seinem 100. Geburtstag würdigt man Oskar Werner, der mit seiner zeitlosen Kunst von jüngeren Größen wie Jack Nicholson, Clint Eastwood, Steven Spielberg, Quentin Tarantino, Christoph Waltz und Iris Berben leidenschaftlich verehrt wird, nicht nur in Wien, wo seit März eine große Ausstellung im Metro-Kulturhaus läuft. Auch in Deutschland, seiner Wahlheimat Liechtenstein, Frankreich und den USA finden Gedenkveranstaltungen statt. »Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze«: Im Fall von Oskar Werner Superstar macht sie eine Ausnahme.

Marc Hairapetian, geboren am 6. Februar 1968 in Frankfurt am Main, ist Herausgeber des von ihm begründeten Kulturmagazins Spirit – Ein Lächeln im Sturm spirit-fanzine.de, dessen Untertitel eine Hommage an den gleichnamigen verschollenen Film mit Oskar Werner ist. Der freie Journalist und Mitautor von »Oskar Werner. Das Filmbuch« (Wien 2002) zeigt am 13. November ab 10 Uhr in der Berliner Astor-Filmlounge »Das Narrenschiff« und hält dazu eine Einführung.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

Ähnliche:

  • Der Hügel über dem Leichenhaus, wo die Toten von ihrem Schicksal...
    23.07.2022

    Verwirrt im Kino

    Alptraum Hollywood: Alan Moores und Kevin O'Neills düsterer Aufklärungscomic »Cinema Purgatorio«
  • Wird er durch sie mehr zu »einem von uns« und wessen Blick wird ...
    15.04.2019

    Der Blick auf den Fremden

    Meisterhafte Konzentration: Michael Thalheimers Inszenierung von Shakespeares »Othello« am Berliner Ensemble

Mehr aus: Wochenendbeilage

Startseite Probeabo