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Aus: Ausgabe vom 10.11.2022, Seite 6 / Ausland
Geschäfte mit Russland

Vorteilhaft für Neu-Delhi

Indischer Außenminister in Moskau: Handelsbeziehungen sollen ausgebaut und weiter russisches Öl gekauft werden
Von Satyajeet Malik
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Handschlag unter Handelspartnern: Jaishankar (l.) und Lawrow am Dienstag in Moskau

Die Botschaft des indischen Außenministers Subrahmanyam Jaishankar war eindeutig: »Wenn es zu meinem Vorteil ist, würde ich das gerne weiterführen«, sagte er über die wachsenden Handelsbeziehungen seines Landes mit Russland am Dienstag während seines ersten Besuchs in Moskau seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine. In der russischen Hauptstadt traf Jaishankar mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow zusammen – bereits zum fünften Mal in diesem Jahr. Indien werde weiter russisches Rohöl kaufen, das trage dazu bei, in Zeiten weltweit angespannter Energiemärkte Zugang zu den »günstigsten Bedingungen« zu bekommen.

Der Russland-Besuch, bei dem er von einer Delegation hochrangiger Vertreter aus sieben Ministerien begleitet wurde, hatte das Ziel, den künftigen Kurs der Regierung in Neu-Delhi festzulegen. Neben dem Treffen mit Lawrow leitete Jaishankar gemeinsam mit dem stellvertretenden russischen Premierminister Denis Manturow eine Sitzung der zwischenstaatlichen Kommission für Handel, wirtschaftliche, wissenschaftliche, technische und kulturelle Zusammenarbeit.

Obwohl der indische Außenminister die Notwendigkeit einer Beendigung des Ukraine-Krieges angesichts der zunehmenden globalen Energie- und Ernährungsunsicherheit hervorhob, vereinbarten Moskau und Neu-Delhi, ihre Wirtschaftsbeziehungen auszubauen. Jaishankar erklärte, das würde nicht »nur unseren nationalen Interessen dienen, sondern wir als wichtige G20-Volkswirtschaften tragen auch zur Stabilisierung der Weltwirtschaft bei«, zitierte die indische Onlinezeitung Hindustan Times den Diplomaten. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern bezeichnete der Minister als »außergewöhnlich stabil und bewährt« – »in einer zunehmend multipolaren und ausgeglichenen Welt«.

Lawrow erklärte, Russland könne seine Energielieferungen an Indien ausbauen. Beide Länder verfügten über »gute Aussichten für eine Zusammenarbeit im Energiebereich«, einschließlich der Entwicklung von Kernenergie und der Förderung von Öl und Gas im arktischen Schelfeis sowie im Fernen Osten Russlands. Der russische Minister wies darauf hin, dass der bilaterale Handel im September dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 130 Prozent gewachsen sei. Angesichts des Handelsvolumens von 17 Milliarden US-Dollar zeigte er sich optimistisch, dass die Schwelle von 30 Milliarden Dollar bald erreicht werden könne, berichtete die indische Onlinezeitung The Wire.

Seit Beginn des Konflikts in der Ukraine hat Indien seine Einfuhren von russischem Rohöl so weit gesteigert, dass Russland Saudi-Arabien als größten Öllieferanten des Landes mittlerweile überholt hat. Den jüngsten Zahlen für Oktober zufolge stieg die Menge von 43.400 Barrel pro Tag (BPD) auf 935.556 BPD, was etwa 22 Prozent der Gesamteinfuhren in diesem Jahr entspricht. Die indische und die russische Zentralbank haben in den letzten Monaten zudem Gespräche über die Entwicklung eines Rupien-Rubel-Zahlungsmechanismus geführt, der es ihnen ermöglichen würde, die Sanktionen der USA und der Europäischen Union gegen Moskau zu umgehen, berichtete die indische Onlinezeitung The Hindu.

Doch obwohl Indien vom billigeren Öl aus Russland profitiert, bereitet Neu-Delhi das steigende Handelsdefizit mit Russland Sorgen. Laut den jüngsten Daten des indischen Handelsministeriums ist der bilaterale Handel des Landes mit Moskau in nur fünf Monaten (April bis August) dieses Finanzjahres (2022–2023) auf ein Allzeithoch von 18,22 Milliarden US-Dollar angestiegen, berichtete The Indian Express. Weiter heißt es, dass die indischen Importe aus Russland 17,23 Mrd. Dollar ausmachten. Die Exporte Neu-Delhis betrugen somit nur 992,73 Mio. Dollar, was einer negativen Handelsbilanz von 16,24 Mrd. entspricht.

Während seines Moskau-Besuchs kommentierte Jaishankar, man sei »natürlich besorgt« angesichts dieses Ungleichgewichts, berichtete India Today. Daher habe er mit der russischen Seite darüber gesprochen, »wie man die Hindernisse beseitigen kann, die einer Steigerung der indischen Exporte im Wege stehen«.

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