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Aus: Ausgabe vom 09.11.2022, Seite 10 / Feuilleton

Malré, Göhler, Eisbrenner

Von Jegor Jublimov
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Unverhofft erfolgreich: Tino Eisbrenner (M.) mit Band Jessica (1986)

Unter Postkartensammlern ist Ivan Malré noch immer beliebt. Wie charmant er so in die Kamera blickt. Dabei war der 1922 unter dem Namen Ivan Malesevic geborene Serbe vor allem als zwielichtige Gestalt berühmt. Er war mit seinen Eltern schon als Kind nach Deutschland gekommen, nahm Schauspielunterricht, aber Krieg und Kriegsgefangenschaft ließen ihn erst ab 1949 den Beruf ausüben. Seit 1957 liebten ihn nicht nur die ­Leipziger Theaterbesucher, auch bei Film, Fernsehen und Rundfunk war er dabei. Heute sieht man ihn kaum noch auf dem Bildschirm (Ausnahme: das Lustspiel »Vielgeliebtes Sternchen«, 1961 neben Angelica Domröse), weil Fernsehredakteure aus Sorge um die Quote kaum Schwarzweißfilme einsetzen. Denn das war die große Zeit des Ivan Malré, der 1974 schon mit Anfang fünfzig starb und am heutigen Mittwoch 100 geworden wäre.

Der 80. Geburtstag am Dienstag ist für Sigrid Göhler traurig ­ausgefallen – zum ersten Mal ohne ihren Mann Peter Reusse, der im Sommer gestorben ist. Beide hatten sich beim Studium an der Babelsberger Filmhochschule kennengelernt, geheiratet und 1965 Zwillinge bekommen. Schon 1961 spielte das Ehepaar in »Das Rabaukenkabarett« die ersten Filmrollen, die auch nicht die letzten blieben. In verschiedener Gestalt tauchte Reusse im »Polizeiruf 110« beim DFF auf, wo Sigrid Göhler ab 1971 die Rolle ihres Lebens erwischt hatte. Da war sie als Leutnant Vera Arndt die erste ­Kriminalistin in einem deutschen Fernsehsender – sieben Jahre bevor Nicole Heesters für drei Einsätze erste bundesdeutsche »Tatort«-Kommissarin wurde. Nach nahezu 50 Folgen verabschiedete sich Vera Arndt 1983 aus der Reihe, um als Dozentin an der Polizeihochschule zu arbeiten. Sigrid Göhlers Hoffnung, jetzt andere Rollen spielen zu können, erfüllte sich nur zum Teil. Inzwischen lebt sie eher zurückgezogen und freut sich an den Erfolgen ihrer Enkelin Linn Reusse, die auch schon beim »Polizeiruf 110« mitgespielt hat.

Schauspieler wollte auch Tino Eisbrenner werden, aber seinen bereits errungenen Studienplatz ließ er 1983 sausen, weil er inzwischen als Frontmann der Amateurband Jessica mit einem roten Käppi als ­Markenzeichen unverhofften Erfolg hatte. Gemeinsam mit Radio DDR kürte Junge Welt 1984 Jessica zur beliebtesten Nachwuchsband des Landes. Eisbrenner startete 1987 eine Solokarriere mit der Amiga-LP »Tino«. Der damals 25jährige, der am Freitag 60 wird, startete jetzt richtig durch, war Manager in einem Kulturhaus, Quizmaster im ­Fernsehen, machte Musik mit Heinz Rudolf Kunze und Georgi Gogow, half dem Magazin Melodie und Rhythmus wieder auf die Beine, trat mit literarischen Programmen von Brecht und Tucholsky auf und engagierte sich für amerikanische Ureinwohner, mit denen er zeitweise zusammenlebte. Da verwundert es nicht, dass er auch eine Platte mit Defa-»Chefindianer« Gojko Mitic produziert hat.

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