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Aus: Ausgabe vom 08.10.2022, Seite 8 / Ansichten

Wirtschaftsvisionär des Tages: Robert Habeck

Von Simon Zeise
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Robert Habecks Wirtschaftsstrategie läuft nicht so wie geplant

Robert Habeck ist ein Mann für große Taten. Fakten sind für ihn zu vernachlässigende Kleinigkeiten. Deutschland wird frei sein von russischem Gas, basta. Dafür wird im Winter gefroren und gefrackt, was das Zeug hält. Nur, mit Bibbern kann sich das gemeine Volk so gar nicht erwärmen. In der 39. Kalenderwoche lag der Gasverbrauch zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt der Jahre 2008 bis 2011 und nicht wie von Habeck gewünscht 20 Prozent unter dem derzeitigen Stand.

Egal, ein kleiner Rückschlag, aber grün ist die Hoffnung. Dann wird eben einfach mehr Gas von Freunden importiert und werden dafür jede Menge LNG-Terminals gebaut. Hamburg wäre prädestiniert, dachte sich Habeck. Viel Wasser und großer Hafen. Bürgermeister Peter Tschentscher hatte sich angeboten, die Unabhängigkeit von russischem Gas sei schließlich im »nationalen Interesse« und Hamburg bereit, dazu einen Beitrag zu leisten. Helden, wohin man schaut.

Doch die Nordlichter erweisen sich als Kleingeister. Gutachten hätten gezeigt, dass die von der Bundesregierung geplante Größe des Terminals nicht kurzfristig mit den Rahmenbedingungen zusammenzubringen sei, teilte ein Sprecher der Umweltbehörde am Freitag mit. Bei Ankunft eines LNG-Tankschiffs müsste die Süderelbe zweimal pro Woche zwischen 24 und 48 Stunden für den Schiffsverkehr gesperrt werden. Am geplanten Standort der Plattform neben dem stillgelegten Kohlekraftwerk Moorburg hätten große Mengen Schlick weggebaggert werden müssen. Hamburg habe darauf gehofft, dass der Bund helfe. Doch Habeck habe abgelehnt. Für solch profane Dinge fehlt einem Visionär wie ihm die Muße.

Zerknirscht hat der Bund das Scheitern eingeräumt. »Eine große Lösung hat sich in der Tat als schwierig erwiesen«, raunte es aus Berlin. Man sei dabei zu schauen, wie eine »kleine« Lösung aussehen könne.

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