Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Dienstag, 27. September 2022, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 23.09.2022, Seite 15 / Feminismus
Rund 800 Gegendemonstranten

Fundamentalisten lautstark gestört

Berlin: Feministinnen protestieren gegen abtreibungsfeindlichen »Marsch für das Leben«
Von Gitta Düperthal
AdoraPress_ProtestGgnMarschFuerDasLeben_017.JPG
»Mein Körper, meine Entscheidung«: Protest gegen den »Marsch für das Leben« in Berlin am 17. September

Schwungvoll und entschlossen: Am vergangenen Sonnabend hat das feministische Bündnis »What the Fuck« (WTF) in Berlin gegen den reaktionären »Marsch für das Leben« christlicher Fundamentalisten und Abtreibungsgegner demonstriert. »Der lautstarke Protest unserer queeren Aktiven war teilweise im Marsch selbst hörbar, die Choreographien der Aktionsgruppe ›Pink & Silver‹ an deren Strecke sichtbar«, beschrieb WTF-Sprecherin Ella Nowak die Aktionen der rund 800 Gegendemonstrierenden am Mittwoch gegenüber junge Welt.

Wie gefährlich die Szene der Fundamentalisten ist, die gemeinsam mit Nationalisten aufmarschieren, verdeutlichte WTF in einer Erklärung: In der aus der ganzen Bundesrepublik angereisten Truppe von rund 2.000 Personen seien auch solche aus dem Umfeld um das NPD-Blatt Deutsche Stimme gesichtet worden. Selbsternannte »Lebensschützer« hätten aus dem Zug heraus Plastikföten nach den am Gegenprotest Teilnehmenden geworfen. Wie schon in vergangenen Jahren sei etwa durch das Tragen von T-Shirts mit der Aufschrift »Baby-Holocaust« auf antisemitische Vergleiche zurückgegriffen worden. All dies symbolisiere die in der Melange aus Rechten und Antifeministen verhärtete Ideologie von der Ungleichwertigkeit menschlichen Lebens, so Nowak. Auch wenn sich Alexandra Linder als Rednerin des Marsches bemüht habe, die Teilnehmer des reaktionären Zuges als Teil der sogenannten bürgerlichen Mitte darzustellen.

Trotz Repressionen seitens der Berliner Polizei habe man es geschafft, nah an den Marsch heranzukommen und den Feinden der weiblichen Selbstbestimmung dort die Meinung zu sagen. Die konfrontative Performance der Aktionsgruppe »Pink & Silver« habe die christlichen Fundamentalen sichtlich erbost, so Nowak gegenüber jW. Die Polizei habe Blockadeversuche als Teil des Gegenprotests brutal unter Zuhilfenahme von Schmerzgriffen geräumt, während vermeintliche Lebensschützer in Ruhe gelassen worden seien.

Das vorrangige Ziel des Bündnisses sei gewesen, den Anlass zu nutzen, um die Streichung des Strafrechtsparagraphen 218 zu fordern, erklärte Nowak weiter. WTF erwartet, dass die Bundesregierung gesetzgeberisch initiativ wird: »Schwangerschaftsabbrüche müssen eine reguläre Kassenleistung werden, die medizinische Versorgung muss flächendeckend und barrierearm gewährleistet werden.« Das Bündnis plädiert für eine echte und sicher finanzierte Beratung, »freiwillig und im Sinne der schwangeren Personen«. Ziel müsse eine Gesellschaft sein, »in der jeder Mensch, ob mit oder ohne Behinderung, die Unterstützung bekommt, die er braucht«. Auch Sexarbeit dürfe nicht mehr kriminalisiert werden. Es sei an der Zeit, die Gesellschaft so zu gestalten, dass »alle Geschlechter ihre sexuellen Begehren ohne Angst leben können«.

Einen Grund dafür, dass die Feministinnen nur 800, die Abtreibungsgegner hingegen jedoch rund 2.000 Personen auf die Straße brachten, sieht Nowak darin, dass WTF nur eines von zwei Bündnissen in Berlin sei, die Gegenproteste organisieren. Daneben existiere das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung (BfsS), das sich ebenfalls gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzt, jedoch bürgerlicher aufgestellt sei. Zusammen habe man in diesem Jahr 1.800 Menschen gegen die Reaktionären auf die Straße gebracht. Dass letztere im Vergleich zu vor fünf Jahren, als noch 8.000 Anhänger aufmarschiert seien, noch noch ein Viertel der damaligen Teilnehmerzahl mobilisierten, sei zudem als Erfolg zu werten.

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Ähnliche:

  • Aktivistinnen und Aktivisten blockieren die Abtreibungsgegner vo...
    02.09.2022

    Mit Feminismus gegen Fundis

    Berlin: Bündnis »What the fuck« mobilisiert gegen frauenfeindlichen »Marsch für das Leben«
  • Gegendemonstrantinnen am Sonnabend in Berlin
    20.09.2021

    Rechtes Netzwerk

    Berlin: Proteste gegen reaktionären »Marsch für das Leben«
  • Räumung der Sitzblockade gegen den »Marsch für das Leben« am 21....
    14.05.2021

    Sitzen bleiben gegen Fundis

    Urteil wegen Blockade von »Marsch für das Leben«: Aktivistinnen wollen Kriminalisierung nicht hinnehmen

Regio:

Mehr aus: Feminismus