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Aus: Ausgabe vom 20.08.2022, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

Käsespätzle aus der Tiefkühle

Unterzeile
Von Maxi Wunder

Im Moment ist es auf Erden nicht so schön. Zu heiß, zu teuer, zu brutal. Auf den »Kampf gegen den Terror« folgte der »Kampf gegen das Virus«. Vorher entbrannte der Kampf gegen den Klimawandel, der in einer Niederlage endete. Heftige Hochwasser und Feuersbrünste bedrängen uns wie nie. Und auch schon wieder eine Sturmflut: In Paris fahren sie jetzt Wasserski. Da tritt der Kampf gegen den Hunger glatt in den Hintergrund. Habe ich einen vergessen? Ach ja, den Kampf gegen die Armut, die größte Verarsche, und den Kampf gegen »Hass und Hetze im Internet«.

Käme ein Außerirdischer hernieder, weil er unsere Zeitungen gelesen hat, er würde mitleidig seine Hilfe anbieten gegen all die bösen Attacken von … ja, von wem eigentlich? Mühselig müsste man ihm erklären, dass es sehr viel Geld gekostet und auch eingebracht hat, die genannten Feinde aufzubauen. Und dass sich mit dem »Kampf« dagegen wiederum viel Geld verdienen lässt, es sich mithin um Geschäftsideen (vulgo: »Raubzüge«) handelt, die sich für einige sehr lohnen. Und dass großer Reichtum große Macht bedeutet und es geil ist, die Puppen über Leichen tanzen zu lassen. Es sei also alles in Ordnung, er könne wieder abhauen.

»Kann ich nicht«, würde der dann sagen, »es fliegt zu viel Müll in eurer Umlaufbahn, der macht mir das Schiff kaputt.« In der Tat: Geschätzt über eine Million Objekte bewegen sich als Weltraumschrott um die Erde. Da stehen die Zeichen mal wieder auf Kampf! Krieg der Sterne noch nicht, aber »krieg’ den Abfall«, und zwar weg aus der Umlaufbahn. Sonst macht er Ärger. Zum Beispiel, weil ausrangierte Satelliten einander nicht ausweichen können und sich gegenseitig zertrümmern. Schon wenige Zentimeter Weltraumschrott haben beim Aufprall die Kraft einer Handgranate. So musste am 12. März 2019 die Besatzung der ISS in die Notkapsel fliehen: Ein Schrottteil war zu spät entdeckt worden, es bestand Kollisionsgefahr. Nicht mal mehr im Weltall ist gut chillen.

Doch eine alte deutsche Tradition schafft Abhilfe: Die schwäbische Kehrwoche, jetzt auch im All! Am 20. Juli nahm in Baden-Württemberg, östlich von Empfingen, im Nordschwarzwald das Johannes-Kepler-Observatorium seinen Betrieb auf, zwecks Überwachung von Weltraumschrott. Das Observatorium ortet diesen mittels Lasersignalen, die von einem sich drehenden Hightech-Teleskop ausgesandt werden. Die rasenden Schrottteile reflektieren das Lasersignal, das wenige Millisekunden später auf der Erde wieder ankommt. So können Entfernung und Flugbahn des Mülls genau berechnet werden, um im Notfall auszuweichen.

Die Flugbahn des Mülls berechnen ist das eine, seine Entsorgung das Entscheidende. Satelliten könnten in Zukunft mit Netzen oder Greifarmen besonders gefährlichen Müll einsammeln. Weltraumfachleute regen an, dass ausgediente Satelliten zukünftig ihre letzte Lebenskraft für einen Rückflug Richtung Erde nutzen und dann in der Atmosphäre verglühen sollen.

Bis die Million Objekte aufgeräumt sind, kann es noch etwas dauern. Solange kriegt unser außerirdischer Gast Käsespätzle aus der Tiefkühle. Kommt davon, wenn man Arschlöchern helfen will.

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