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Aus: Ausgabe vom 20.08.2022, Seite 4 / Inland
Sexualisierte Gewalt in der Kirche

Unerwartete Rückendeckung für Woelki

Exbeiratssprecher nimmt Kölner Erzbischof in Schutz. Der verklagt derweil Kritiker und Bild
Von Bernhard Krebs, Köln
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Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki bei einem Besuch in Düsseldorf (9.6.2021)

Hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki Betroffene von sexualisierter Gewalt nach einem »Drehbuch« von PR-Experten instrumentalisiert? Das ist die Frage, die seit einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers von Anfang des Monats hohe Wellen im größte deutschen Bistum schlägt. In einem Interview mit der Kölnischen Rundschau (Freitagausgabe) hat nun der ehemalige Sprecher des Betroffenenbeirats des Erzbistums, Peter Bringmann-Henselder, der Darstellung widersprochen, der Beirat sei von Woelki unter Druck gesetzt worden, um so die Zustimmung für ein neues »Missbrauchsgutachten« zu erhalten.

Rückblende: 2020 hatte Woelki entschieden, ein lange angekündigtes Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen sexueller Gewalt von Priestern an Kindern nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe an und gab ein neues Gutachten in Auftrag – eine Entscheidung, die für viel Kritik sorgte. Woelki konnte zunächst die Zustimmung des Gremiums für das neue Gutachten verbuchen, bis sich die beiden damaligen Beiratssprecher Patrick Bauer und Karl Haucke von der Entscheidung distanzierten. Sie traten von ihren Ämtern zurück und warfen dem Erzbischof einen »erneuten Missbrauch von Missbrauchsopfern« vor. »Wir wurden völlig überrannt«, hatte Bauer im Herbst 2020 gesagt.

Dem widerspricht Bringmann-Henselder, der bis Anfang 2022 Sprecher des Beirats war, nun in dem Interview mit der Kölnischen Rundschau. Der Ausgang der Sitzung sei völlig offen gewesen: »Inszeniert war hier nichts«, sagte er. In der Öffentlichkeit werde ein Szenario geschildert, »das in keiner Weise dem tatsächlichen Ablauf entspricht«. Und weiter: »Wenn also jemand die Betroffenen manipuliert und instrumentalisiert, dann sind es diejenigen, die solche Äußerungen machen.«

Anfang August hatte der Kölner Stadtanzeiger berichtet, dass Woelkis Umgang mit dem Betroffenenbeirat von der auf Krisenkommunikation spezialisierten PR-Agentur »Ewald & Rössing« orchestriert worden sei. Die PR-Strategen sollen dem Erzbischof geraten haben, den Betroffenenbeirat auf seine Seite zu ziehen, weil das seine Position stärke. Ein öffentliches Misstrauensvotum des Gremiums hingegen würde Woelki »in den Mittelpunkt« einer Berichterstattung rücken, die »konkrete Verantwortung für den falschen Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche Bischöfen zuschreiben« wolle, zitierte das Blatt aus dem PR-Strategiepapier. Schlappe 820.000 Euro hatte sich Woelki die Beratung kosten lassen, obwohl das Erzbistum selbst eine große Medienabteilung unterhält.

Am Mittwoch hatte dpa berichtet, dass Woelki juristisch gegen den Kirchenrechtler Thomas Schüller, einen seiner härtesten Kritiker, sowie Bild vorgeht. Hintergrund der Verfahren vor dem Kölner Landgericht sind demnach Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegen den 2019 verstorbenen ehemaligen Präsidenten der katholischen Sternsinger, Winfried Pilz. Woelkis Vorgänger, Kardinal Joachim Meisner, hatte Pilz 2014 Kontakt zu Minderjährigen verboten. Schüller hatte dem Springer-Blatt gesagt, es sei als Dienstpflichtverletzung zu werten, dass Woelki das Bistum Dresden-Meißen, wo Pilz seinen Lebensabend verbracht hatte, nicht eher über die Vorwürfe unterrichtet habe. Der Erzbischof versichere hingegen eidesstattlich, bis Juni 2022 nie mit dem Fall Pilz befasst gewesen zu sein. Daher sei der Vorwurf Schüllers ungerechtfertigt.

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