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Aus: Ausgabe vom 15.08.2022, Seite 1 / Ausland
Afghanistan

Frauenprotest in Kabul aufgelöst

Taliban rufen ein Jahr nach Machtübernahme Feiertag aus. Faeser macht »Ortskräften« Hoffnung
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Schwerbewaffnete Milizen auf den Straßen Kabuls (6.8.2022)

Ein Jahr nach der Rückkehr der militant-islamistischen Taliban an die Macht hat die Bundesregierung allen einst für deutsche Stellen Arbeitenden versichert, dass sie Afghanistan noch verlassen können. »Wir lassen die afghanischen Ortskräfte nicht zurück«, schrieb Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Sonntag auf Twitter. Noch immer warten mehrere tausend Menschen auf ihre Ausreise aus dem Land, in dem Gewalt und Hunger herrschen und Frauen grundlegende Rechte entzogen sind. Für den Jahrestag der Machtübernahme am Montag riefen die Taliban einen Feiertag aus – für sie symbolisiert er den Sieg über die USA und deren Verbündeten.

Die Taliban konnten vor einem Jahr ohne bedeutende Gegenwehr der afghanischen Streitkräfte das Land nach und nach unter ihre Kontrolle bringen. Vorangegangen war der Abzug der NATO-Truppen nach jahrzehntelangem westlichem »Krieg gegen den Terror«. Nach der Einnahme Kabuls am 15. August 2021 erfolgte ein militärischer Evakuierungseinsatz, an dem sich auch Deutschland beteiligte. Mit Blick auf das Terrornetzwerk Al-Qaida sagte nun der Taliban-Sprecher und stellvertretende Minister für Information und Kultur, Sabiullah Mudschahid, der Welt am Sonntag: »Für sie ist hier kein Platz.« Die Taliban hätten sich »im Doha-Abkommen mit den USA und ihren Verbündeten dazu verpflichtet, nicht zuzulassen, dass irgendeine Gruppe von afghanischem Boden gegen sie operiert. Damit ist es uns ernst«, sagte Mudschahid.

In den vergangenen Tagen gingen in Afghanistan Frauen vermehrt auf die Straße, um für Bildung, Arbeit und Bewegungsfreiheit zu demonstrieren. Mit Warnschüssen lösten die Taliban am Sonnabend einen friedlichen Protest von Dutzenden Frauen in Kabul auf. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF beschreibt die Versorgung in dem Land als katastrophal und beklagt eine drastische Unterfinanzierung der Hilfe für die Bevölkerung. »Über eine Million Kinder sind lebensgefährlich mangelernährt«, schrieb der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, im Kölner Stadtanzeiger am Sonnabend. (dpa/AFP/jW)

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