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Aus: Ausgabe vom 12.08.2022, Seite 8 / Ansichten

Verschwörungsopfer des Tages: John Bolton

Von Jörg Tiedjen
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Wollten Irans Revolutionsgarden einen Killer auf John Bolton ansetzen?

Auch der Krieg in der Ukraine hat nichts daran geändert: Es herrscht Sommerloch. Da wundert es nicht, dass auf der Suche nach Berichtenswertem auf Altbewährtes zurückgegriffen wird. Zum Beispiel Nessie: Bei dem Seeungeheuer könne es sich sehr wohl um einen überlebenden Dinosaurier handeln, war kürzlich weit und breit zu lesen. Ähnlich steht es um den US-Politiker John Bolton, einen echten »Falken«, der zuletzt als Nationaler Sicherheitsberater unter Präsident Donald Trump sein Gift versprühen durfte.

Am Mittwoch enthüllte das Justizministerium in Washington, dass Bolton angeblich Ziel eines Komplotts sei: Ein gewisser Schahram Poursafi, seines Zeichens Mitglied der Revolutionsgarden im Iran, habe einem ungenannten US-Bürger 300.000 Dollar geboten, um Bolton vom Leben zum Tode zu befördern. Als Grund werde Rache für den Mord am iranischen General Kassem Soleimani vermutet.

Kann das sein? Als Soleimani im Januar 2020 in Bagdad durch einen heimtückischen Drohnenangriff dahingemeuchelt wurde, war Bolton bei Trump längst in Ungnade gefallen und entlassen worden. Außerdem: Ist Bolton wirklich so wichtig, dass sein Tod eine angemessene Vergeltung wäre? Das fragte zum Beispiel im Sender Al-Dschasira der »frühere CIA-Agent« Glenn Carle.

Da ist denn eine Erklärung schon naheliegender: die wiederangelaufenen Verhandlungen mit dem Iran über dessen Atomprogramm, die Bolton für einen Fehler hält, wie er selbst am Mittwoch per Twitter verkündete. »Ein Wiedereintritt Amerikas in das gescheiterte Iran-Abkommen von 2015 wäre ein beispielloses Eigentor (…). Ich werde mich dafür einsetzen, dass dies nicht geschieht.« Und das erfordert selbstverständlich »harte Arbeit«, wie Bolton jüngst in einer Anhörung zum berüchtigten »Sturm aufs Capitol« seine subversive Tätigkeit als rechter Umstürzler beschrieb.

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