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Aus: Ausgabe vom 10.08.2022, Seite 12 / Thema
Alkoholwirtschaft in Afrika

Giftiges Gebräu

Für Bierkonzerne ist Afrika ein vielbeschworener Chancenkontinent. Im Kampf um die Zukunftsmärkte ist dabei jedes Werbemittel recht. Hauptzielgruppe ist die Jugend – mit verheerenden Folgen
Von Christian Selz, Kapstadt
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Bier, Bier, Bier. Afrikas Bierindustrie zielt mit ihren Kampagnen vor allem auf die Jugend (Kind vor einer Bar in Okahandja, Namibia)

Die Nachricht sorgte in Südafrika für Trauer, Entsetzen und Wut: Bei einer Feier in der Enyobeni Tavern in der Hafenstadt East London kamen am 26. Juni 21 Menschen ums Leben. Die Todesursache ist auch nach der Obduktion bisher nicht zweifelsfrei geklärt. Augenzeugen hatten zunächst berichtet, dass Türsteher ein Gas in den überfüllten Raum gesprüht und anschließend die Türen verschlossen hätten. Im Rahmen der rechtsmedizinischen Untersuchung wurde dann bei allen Opfern Methylalkohol nachgewiesen, was ein Hinweis auf verunreinigtes Eigenbraubier sein könnte. Die Behörden konnten aber nicht mit Sicherheit sagen, ob der Giftstoff auch die Todesursache war. Fakt ist jedoch: Nicht eines der Opfer hätte überhaupt in der Kneipe sein dürfen, denn alle waren noch Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren. Der Verkauf alkoholischer Getränke ist in Südafrika nur an Personen ab 18 Jahren gestattet.

Die Schuldigen, die nun zur Besänftigung von Volkes Seele an den Pranger gestellt werden mussten, waren entsprechend schnell ausgemacht. Die Enyobeni Tavern sei dafür bekannt gewesen, dass Jugendliche dort Alkohol bekommen hätten, ließen sich mehrere Nachrichtensender von Anwohnern im Township Scenery Park erzählen – als wäre das nicht nahezu überall der Fall und als wüsste das nicht auch nahezu jeder. Politiker forderten daraufhin reflexartig die Polizei zu schärferen Kontrollen auf, obwohl sie wissen dürften, dass deren Beamte als notorisch korrupt verschrien sind und in vielen Armenvierteln nicht nur Respekt und Rückhalt, sondern auch jegliche Autorität und Kontrolle längst eingebüßt haben. Nun aber demonstrierte die Polizei Entschlossenheit: Der Besitzer der Kneipe und zwei seiner Angestellten wurden verhaftet. Der Kommunalverwaltung fiel schließlich gar auf, dass die gesamte Taverne ohne Genehmigung gebaut worden sein soll. Die klare Botschaft des behördlichen Aktionismus: In East London war eine Tragödie geschehen, ein Ausnahmefall, der auf dem Fehlverhalten einzelner Schuldiger beruhte.

In der Folge setzte sich die politische Führung des Landes an die Spitze der Trauernden. Die Provinzregierung des Eastern Cape organisierte eine zentrale Trauerfeier und ließ sich davon auch durch die Hinterbliebenen der Opfer nicht abbringen. Staatspräsident Cyril Ramaphosa reiste an und hielt eine Rede vor 21 Särgen, von denen allerdings 19 leer blieben, weil die Angehörigen ihre Kinder lieber im Kreis der Familie beerdigen wollten. Unverdrossen präsentierte auch Ramaphosa Schuldige: »Wir rufen Alkoholproduzenten und Alkoholhändler auf, davon abzulassen, ihre Produkte für junge Kinder zu bewerben«, erklärte der Präsident. Dass eine entsprechende Regulierung durchaus in den Verantwortungsbereich seiner Regierung und der Parlamentsfraktion seines African National Congress (ANC) fiele, die im Parlament seit nunmehr 28 Jahren eine absolute Mehrheit hat, kam dem Präsidenten dabei nicht über die Lippen.

Brauer zu Besuch

Derselbe Staatschef, der vor den leeren Särgen von Scenery Park nun immerhin eingestand, dass sein Land weltweit pro Kopf der Bevölkerung »mit die höchste Zahl an Problemtrinkern« habe und »zu den Topländern bei schwerem Trinken gezählt« werde, hatte noch keine zwei Monate zuvor die Vorstandsvorsitzenden des weltweit größten Brauereikonzerns AB Inbev und von dessen lokalem Ableger South African Breweries (SAB) zu einem »Höflichkeitsbesuch« in seiner offiziellen Residenz in Kapstadt empfangen. Wie der Pressedienst der Regierung am 12. Mai auf seiner Internetseite mitteilte, folgte das Treffen auf »SABs Investitionsankündigung in Höhe von 4,5 Milliarden Rand (260 Millionen Euro) auf der jüngsten Südafrika-Investitionskonferenz, bei der das Unternehmen seine Unterstützung für Südafrikas wirtschaftliche Erholung und Investitionskurs demonstriert hat«. Die hohe Ehre für den Brauereikonzern hat allerdings auch noch tiefere Wurzeln, man könnte fast von einem Gegenbesuch sprechen. 2018 hatte der Bierriese nämlich selbst zu einer »SAB/AB Inbev Investors Conference« nach Johannesburg gebeten und dazu 150 seiner Geschäftspartner eingeladen. Starredner damals: Präsident Ramaphosa.

Selbstverständlich geht es bei diesen Veranstaltungen auch immer um die Simulation von Verantwortlichkeit. Im Mai wollen Ramaphosa und die Brauereibosse der präsidialen Pressestelle zufolge daher nicht nur über »Südafrikas Wachstumspotential« und Wege zur Verbesserung des »Geschäftsklimas«, sondern auch über »die Reduzierung der negativen Auswirkungen des schädlichen Konsums von Alkohol« gesprochen haben. Nun fragt sich der Laie, wie man diese scheinbar gegensätzlichen Punkte allen Ernstes in einem Satz unterbringen kann – zumal in einem Land, dessen 58 Millionen Einwohner (0,7 Prozent der Weltbevölkerung) für 1,8 Prozent des globalen Bierkonsums verantwortlich sind. Die Südafrikaner trinken also das zweieinhalbfache des globalen Durchschnitts, sollen aber noch mehr trinken können. Die Antwort der Brauereikonzerne auf diesen Widerspruch ist jedoch einfach: Sie wollen den weitgehend informellen Markt für traditionelle Eigenbraugetränke austrocknen und durch ihre Marken ersetzen – nicht nur in Südafrika, sondern auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Das Branchenportal Beverage Daily machte dort bereits 2016 »eine Abkehr von traditionellen Hausgebräuen hin zu Sicherheit und Verlässlichkeit kommerziell gebrauter Biere« aus. Eine Mitarbeiterin des Marktforschungsdienstleisters Canadean zitierte Beverage Daily gar mit der Lobhudelei, dass die Brauereikonzerne sich »wegen der mit Hausgebräuen verbundenen Gesundheitsrisiken« nun »aktiv dafür engagieren, ähnliche Produkte zu produzieren«, die dann dem Markt für »unregulierten Alkohol« den Garaus machen sollen. Um ihre traditionellen Kunden abzuholen, brauen demnach inzwischen mehrere globale Branchenriesen manche ihrer Marken für afrikanische Märkte mit Grundstoffen wie Sorghumhirse oder Maniok.

Rapide wachsendes Geschäft

Eine Nominierung für den Medizinnobelpreis blieb den Brauereikonzernen bisher dennoch verwehrt, sie dürfen sich darüber jedoch mit einem rapide wachsenden Geschäft hinwegtrösten. Der Marktanalysedienstleister Global Risk Insights hatte der Branche in einem – mit dem Titel »Afrikas Biermärkte anzapfen« gar lustig überschriebenen – Beitrag bereits 2015 »gesättigte Märkte« in Europa und Nordamerika attestiert, zugleich aber ein Wettrennen der Brauereien »um Afrikas lukrative, aber riskante Märkte« konstatiert. Heute sind die Podiumsplätze fest vergeben: Die Branchenriesen AB Inbev, Heineken und Diageo kontrollieren zusammen nahezu den gesamten Markt auf dem Kontinent. Zu den Risiken hatte Global Risk Insights neben Übergriffen durch islamistische Gruppen etwa in Kenia und Nigeria vor allem eine wenig ausgebaute Infrastruktur gezählt und das Schreckgespenst Verstaatlichungen an die Wand gemalt. Doch beim Ausbau der Straßennetze hat es in den vergangenen Jahren in vielen afrikanischen Staaten Fortschritte gegeben. Und statt Enteignungen konnte der Risikobewerter schon 2015 das Gegenteil feststellen: Heineken und Diageo übernahmen staatliche Brauereien in Äthiopien. Diageo, bekannt für seine Marke Guinness und Spirituosen wie Johnnie Walker, durfte sich zudem in Kenia lange über eine 100prozentige Steuerbefreiung auf einige lokale Biersorten freuen.

Was dann noch an Risiko bleibt, lassen sich die Konzerne gut bezahlen: Laut dem Journalisten Olivier van Beemen, 2020 für einen Beitrag des SWR-Magazins »Odysso« interviewt, liegt der Profit für ein in Afrika verkauftes Bier 50 Prozent höher als im Rest der Welt. Zudem verspricht die demographische Entwicklung ein rasantes Wachstum des Absatzmarkts. Fast die Hälfte der Bevölkerung des Kontinents – nach Daten des Statistikportals Statista für das vergangene Jahr 46,7 Prozent aller Menschen in Afrika – sind jünger als 18 Jahre. Für die Brauereikonzerne ist das in der offiziellen Sprachregelung ein Zukunftspotential. Intern dürfte man sich zudem bewusst sein, dass insbesondere in Ermangelung funktionierender Jugendschutzkontrollen, ein großer Teil dieser Altersgruppe schon jetzt zur Kundschaft zählt. Spätestens wenn es um Bier geht, wird die Mär von Afrika als »Chancenkontinent« wirklich wahr, zumindest für die großen Brauereikonzerne.

»Odysso« bemüht als Erklärung gestiegener Absätze auch »aufsteigende Mittelschichten und immer mehr Menschen, die sich als solche betrachten«, wobei diese Kategorisierungen in der Tat im Auge des Betrachters liegen dürften. Doch auch ohne realen Aufschwung kommt die Alkoholbranche bestens zurecht, wie jüngste Zahlen aus Südafrika zeigen. Trotz immer neuer Rekordwerte bei den Arbeitslosenzahlen, verschärfter Armut durch Pandemie und Lockdowns sowie einer Volkswirtschaft am Rande der Rezession, verzeichnete der Alkoholproduzent Distell im Land am Kap der Guten Hoffnung im zweiten Halbjahr 2021 ein Umsatzplus von 22,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bereits im November vergangenen Jahres hatte Heineken die Übernahme des südafrikanischen Konzerns verkündet, vollständig abgeschlossen ist der Prozess aber noch nicht. Die Alkoholsparten der großen Supermarktketten Pick n Pay und Shoprite vermeldeten im selben Zeitraum Zuwächse von 17,2 beziehungsweise 44,5 Prozent. Das Nachrichtenportal Daily Maverick titelte dazu prägnant: »Händler sahnen ab, während Konsumenten ihre Finanzsorgen in Alkohol ertränken.«

Bier trinken ist cool

Für die Wettbewerber steht im Kampf um die afrikanischen Zukunftsmärkte also einiges auf dem Spiel, entsprechend wenig zimperlich verhalten sie sich beim Anpreisen ihrer Ware. Viele der Kampagnen zielen offenkundig auf Jugendliche ab, in den Werbespots werden gutaussehende junge Menschen beim ausgelassenen Feiern gezeigt. Die Botschaft: Wer unser Bier trinkt, ist cool, gehört dazu. Doch die Methoden reichen noch deutlich weiter. Weil in etlichen Regionen der Mythos verbreitet ist, Schwarzbier würde die männliche Potenz steigern, hat beispielsweise Heineken, das neben dem gleichnamigen Lagerbier noch etliche weitere Marken vertreibt, in Nigeria für eine Produkteinführungskampagne mehr als 2.000 Prostituierte engagiert und in 500 als »Hotspots« deklarierten Bars eingesetzt. Im »Odysso«-Film verwahrte sich der ehemalige Finanzvorstand von Heineken Nigeria, Tunde Salau, zwar gegen den Begriff »Prostituierte«, erklärte dann aber, wie die Kunden zunächst zum Kauf der Schwarzbiermarke »Legend Extra Stout« animiert wurden, ehe sie sich »eine der angestellten Damen aussuchen und ein Zimmer für eine Stunde mieten« konnten. Anschließend konnten die Männer weitertrinken und dann die nächste Frau auswählen – wobei sich der Begriff »Damen« noch während des Interviews zu »Mädchen« verschob, welche »für die Dienste bezahlt« worden seien, »die sie sowieso anbieten«. Die Kampagne habe zudem »ihr Geschäft belebt«, es sei also »eine Win-Win-Situation« gewesen, erklärte Salau, der sich aber dann »die Moralfrage« gestellt haben will und zu dem Schluss gekommen sei, dass er »so etwas nicht befürworten« könne. Inzwischen hat Heineken sein Konzept in Nigeria übrigens modernisiert. Nicht mehr Prostituierte, sondern »Promotionfrauen« sind die neuen Werbebotschafterinnen, doch auch die berichten im Film, dass sie in den hautengen Heineken-Kleidern wie Prostituierte behandelt, regelmäßig belästigt und begrapscht werden. Auch Missbrauchsversuche kämen vor. »Wenn du an das Geld denkst«, sagt eine der Frauen im Interview, »dann musst du wegschauen, jemanden haben, der deine Tränen abwischt, wieder rausgehen und weiter deinen Job machen«.

Für die Konzerne sind derartige Werbestrategien offenbar zielführend. Neben der Konkurrenz und dem stets öffentlichkeitswirksam verteufelten traditionellen Eigenbraubier gilt es für sie, noch eine weitere Hürde zu nehmen: In den meisten Ländern Afrikas sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung Abstinenzler. Südafrika ist mit seinem exorbitanten Alkoholkonsum eine Ausnahme. Betrachtet man den gesamten Kontinent, dann trinken die Afrikaner eher wenig: 18 Prozent der Weltbevölkerung waren dort 2018 für nur fünf Prozent des globalen Konsums alkoholischer Getränke verantwortlich. Wer wachsen will, muss hier die junge Generation ansprechen und zur Abkehr von traditionellen Werten bewegen. Aus Sicht der Alkohollobby läuft das bereits erfolgreich, der Trend spricht für sich: Zwischen 2010 und 2019 ist der Bierkonsum auf dem afrikanischen Kontinent einer Studie des Brauereiunternehmens Kirin zufolge um 33 Prozent gestiegen. Die Branche geht für die kommenden Jahre von einem fortgeführten Wachstum von etwa vier Prozent per annum aus.

Gesundheitliche Folgen

Die Folgen sind selbstverständlich bei weitem nicht so rosig, wie die PR-Maschinerie es mit Formulierungen von »Sicherheit« und »Verlässlichkeit« suggerieren will. Der stärkere Konsum auch »regulierter« alkoholischer Getränke trägt nicht wie behauptet zur Verringerung von Risiken bei, sondern schafft verschärfte gesundheitliche und gesellschaftliche Probleme – zumal es bei der Regulierung in vielen Staaten hapert. In etlichen Ländern Afrikas, so auch in den meisten Bundesstaaten des bevölkerungsreichsten Staats Nigeria, gibt es nicht einmal ein festgelegtes Mindestalter für den Alkoholkonsum. Und selbst da, wo solche Regularien geschaffen wurden, wird ihre Einhaltung selten bis nie kontrolliert. Auch bei der Werbung werden der Alkoholbranche kaum Hürden in den Weg gestellt, teils stehen die Plakate gar an Schulen.

In der Folge ist Alkohol heute die Droge, die auf dem afrikanischen Kontinent den größten sozialen und volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet. In Kenia galten nach den Ergebnissen einer 2018 im Fachjournal BMC Public Health veröffentlichten Studie 12,6 Prozent der Bevölkerung als Problemtrinker, in der Altersgruppe der 18- bis 29jährigen waren es demnach gar 35,5 Prozent. 2019 erklärten die Behörden, dass der Alkoholkonsum im Land die von der Regierung gesetzten Entwicklungsziele gefährde. Auch Nigeria ist aufgrund des Wachstums in der Bierbranche weit von einer »Win-Win-Situation« entfernt. Einer 2021 im Journal of Substance Use veröffentlichten Studie zufolge sind in dem westafrikanischen Land 14,6 Prozent der befragten Hochschulstudenten aufgrund ihres Trinkverhaltens hochgradig suchtgefährdet oder bereits alkoholkrank. Und in Südafrika schließlich ist Trunkenheit am Steuer laut einer 2020 veröffentlichten Gemeinschaftsstudie der Straßenverkehrsbehörde RTMC, des Medizinischen Forschungsrats SAMRC und der Fernuniversität Unisa für 27,1 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle verantwortlich. Der gesamtwirtschaftliche Schaden allein durch Fahren unter Alkoholeinfluss beläuft sich demnach jährlich auf 18,2 Milliarden Rand (1,1 Milliarden Euro). Laut der Initiative »Arrive Alive« (»Lebendig ankommen«) weisen gar 50 Prozent der Verkehrstoten im Land an der Südspitze Afrikas mehr als 0,5 Promille auf – was kein Widerspruch zur vorherigen Studie sein muss, denn die am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmer sind Fußgänger.

Welch enorme Bürde der exzessive Alkoholkonsum auf das Gesundheitswesen des Landes hat, zeigte sich während des Coronalockdowns. Um eine Überlastung der Krankenhäuser während der Pandemiewellen zu vermeiden, untersagte Südafrikas Regierung mehrere Male für einige Wochen den Verkauf alkoholischer Getränke – und sorgte so selbst in der Silvesternacht 2020 für nahezu leere Notaufnahmen. Inzwischen ist der schockierende »Normalzustand« wiederhergestellt. Der hat auch viel mit durch Alkoholkonsum begünstigter Gewaltkriminalität zu tun, unter der vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten in den Townships leiden. Dieses Phänomen – Folge unter anderem jahrhundertelanger Entrechtung, gewaltsamer Unterdrückung und generationsübergreifender Verarmung – allein dem Alkoholmissbrauch zuzuschreiben, wäre eine unzulässig vereinfachte Interpretation. Es ist vor diesem Hintergrund jedoch um so perfider, dass die Brauereikonzerne für die Taverns und Shebeens in den Armenvierteln extra Dreiviertelliterflaschen auf den Markt gebracht haben, während in den Bars und Restaurants der wohlhabenderen Gesellschaft fast ausschließlich 0,33- und 0,5-Liter-Flaschen oder Gezapftes in eben jenen Mengen auf Tisch und Tresen kommen. Vielleicht mag der Präsident beim nächsten »Höflichkeitsbesuch« der Brauereikonzernchefs mal nachfragen, welches »Engagement« mit dieser Maßnahme verfolgt wird.

Christian Selz schrieb an dieser Stelle zuletzt am 15. Dezember 2021 über die Gründung des bewaffneten Arms des ANC 1961.

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