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Aus: Ausgabe vom 04.08.2022, Seite 15 / Medien
IVW-Zahlen

Tendenz weiter abwärts

Einzelne Erfolge ändern nichts am allgemeinen Trend: Zeitungsverlage verkaufen zwar mehr digitale Ausgaben, Verluste bei Print sind aber höher
Von Gert Hautsch
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E-Paper sollen Auflagenverluste beim Printverkauf ausgleichen, was bislang nicht funktioniert (Neuss, 21.6.2022)

Wunder kommen mitunter vor, nicht selten steckt ein Trick dahinter. Daran könnte man sich erinnert fühlen, liest man die jüngsten Auflagenzahlen für die Tageszeitung Die Welt. Die hat nach Jahren des Niedergangs plötzlich eine steigende Auflage gemeldet. Zeichnet sich für die Presseverlage eine Trendwende ab?

Kürzlich hat die Informationsgemeinschaft zur Ermittlung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) die Verkaufsauflagen im zweiten Quartal 2022 veröffentlicht. Zwischen April und Ende Juni sind demnach in Deutschland pro Tag durchschnittlich 13 Millionen Tageszeitungen verkauft worden, 800.000 Exemplare oder 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon waren 1,4 Millionen verbilligte Bordexemplare und »sonstige Verkäufe«. Zum vollen Preis (Abonnement und Einzelverkauf/EV) sind 11,6 Millionen Tageszeitungen verkauft worden – ein Minus von 7,2 Prozent.

In diesen Zahlen sind die sogenannten E-Papers enthalten – digitale Ausgaben der gedruckten Zeitungen, die billiger als die klassische Variante zu haben sind (auch die Kosten liegen ja niedriger). Sie sind die Hoffnungsträger der Verlage und sollen die Auflagenverluste bei Print ausgleichen. Davon kann allerdings weiterhin keine Rede sein: Die Auflage der E-Papers hat sich zwar im zweiten Quartal 2022 um 250.000 auf 2,1 Millionen Stück erhöht. Aber die Verluste bei der gedruckte Gesamtauflage – ohne E-Papers – waren viermal so hoch (1,05 Millionen). Zudem besteht fast die Hälfte (46 Prozent) der E-Paper-Auflage aus verbilligten Abonnements.

Das sind allerdings Durchschnittszahlen für die gesamte Zeitungsbranche. Bei einzelnen Titeln sieht die Lage anders aus. Zwei Blätter aus dem Hause Holtzbrinck glänzen schon seit längerem mit hohen Wachstumsraten. Die wöchentliche Zeit meldete im zweiten Quartal die neunte Rekordauflage in Folge: 612.912 Exemplare, plus 4,3 Prozent. Und nicht nur das, 88 Prozent waren voll bezahlt. Zu verdanken ist das den E-Papers, die schon fast die Hälfte der Gesamtauflage stellen. Ähnlich beim täglichen Handelsblatt. Hier ist die Gesamtauflage um 5,9 Prozent auf 133.319 gestiegen, davon waren sogar drei Viertel digitale Ausgaben. Selbst die »harte Auflage« (Abo und EV) hat um ein Prozent auf 90.285 zugenommen.

Zum eingangs erwähnten Wunder bei Die Welt aus dem Hause Axel Springer: In der aktuellen IVW-Statistik steht sie nun mit einer verkauften Auflage von 85.300 – 18,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Von einem »bemerkenswerten Comeback« schrieb das Fachportal Meedia. Das Wunder ist allerdings nur ein vermeintliches: Die »harte Auflage« war mit 39.120 nicht nur weniger als halb so groß, sie lag auch acht Prozent unter dem Vorjahrswert. Wie kommt’s? Die »sonstigen Verkäufe« sind binnen Jahresfrist mehr als verdreifacht worden (auf 26.000), und das waren fast ausschließlich stark verbilligte E-Papers.

Recht ähnlich lief es beim zweiten Springer-Blatt Bild: Die Gesamtauflage lag um 3,6 Prozent unter dem Vorjahr, aber mit 1,1 Millionen immerhin noch über der magischen Grenze. Am Kiosk aber wechselten nur noch 929.679 Exem­plare täglich den Besitzer, und das war ein Rückgang um 11,4 Prozent.

Bei den anderen großen überregionalen Tageszeitungen hat es keine Wunder gegeben. Die Auflagenverluste blieben vergleicheweise klein, die E-Paper-Zuwächse konnten die Printverluste nicht ausgleichen. Die Süddeutsche Zeitung (Südwestdeutsche Medienholding) verkaufte 305.479 Exemplare (minus von 1,9 Prozent), davon 99.700 E-Papers. Die »harte Auflage« ist um drei Prozent auf 263.426 gesunken. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verlor 2,2 Prozent auf 197.074, davon 62.000 E-Papers. Über Abos und EV konnte sie 169.896 Exemplare absetzen, minus 5,1 Prozent.

Die guten bzw. vergleichsweise glimpflichen Auflagenzahlen bei überregionalen Zeitungen haben eine Kehrseite: Um so größer müssen die Verluste bei den Regional- und Lokalblättern sein. Das spiegelt sich im Geschehen auf dem Markt wider: Auch im zweiten Quartal 2022 hat eine Lokalzeitung (Die Harke in Nienburg) ihre Selbständigkeit verloren, sie ist von der Hannoveraner Verlagsgruppe Madsack übernommen worden. Es wird nicht die letzte gewesen sein.

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  • Leserbrief von Peter Naumann aus München ( 5. August 2022 um 14:35 Uhr)
    Die Zugriffszahlen auf die Webseite der jW aus dem Ausland interessieren mich auch! Kann die Redaktion die Anzahl der Klicks nicht einmal - oder noch besser regelmäßig - veröffentlichen?! Wie viele lesen die Beiträge der jW in anderen Staaten außerhalb der BRD? Bitte, bitte!
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    Interessant für die Leser und Abonnenten der »jungen Welt« sind in diesem Zusammenhang die Zahlen zur Auflagenentwicklung unserer eigenen überregionalen marxistischen Tageszeitung, d. h. die Zahlen für den Verkauf der gedruckten Printausgabe und die Entwicklung der Onlineabos wochentags und am Wochenende, separat für den deutschsprachigen Raum Deutschland, Österreich und Schweiz. Und noch interessanter sind die Zahlen für die deutschsprachigen Landesteile der Nachbarstaaten: 1.200.000 Personen in Frankreich, v. a. im Elsass und dem nordöstlichen Lothringen (43 Prozent der Elsässer gaben 2012 an, über gute Kenntnisse in Elsässisch zu verfügen) • 74 Prozent der Ab-60-Jährigen • 54 Prozent der 45-bis-59-Jährigen • 24 Prozent der 30-bis-44-Jährigen • 12 Prozent der 18-bis-29-Jährigen • 3 Prozent der 3-bis-17-Jährigen; 78.000 v. a. in Ostbelgien, als Minderheit auch noch im Montzener und Areler Land; 26.000 in Nordschleswig in Dänemark; 474.000 in Luxemburg; 110.000 in den Niederlanden (vor allem im Nordosten); über 30.000 in Liechtenstein; Polen (hauptsächlich in der Woiwodschaft Opole). Hier in Schweden gibt es mindestens über 50.000 Deutschsprachige, besonders in den Großstädten Stockholm, Göteborg und Malmö, in den Universitätsstädten wie hier vor Ort in Lund (fast die Hälfte aller ca. 90.000 Einwohner sind gefühlt Studenten), aber auch in ländlichen Regionen, wie zum Beispiel in Småland, Skåne und Blekinge.
  • Leserbrief von Peter Groß aus Bodenseekreis ( 4. August 2022 um 10:05 Uhr)
    Ein Volk, das auf der Basis von Telefon- oder E-Mail-Umfragen (1.245 Befragte) seine Zukunft gestaltet, hält wohl an dieser Presse fest. Meint jemand, dass Politiker der Regierungsparteien ökologische oder finanzielle Probleme zukünftig meistern? Der »Ringtausch« Richtung Ukraine bedeutet, Bildungsförderung wird wegen Lehrermangel und nicht finanzierbarem Nachmittagsunterricht aufgegeben. Konsumiert werden zweifelhafte Impfstoffe von Herstellern, die wegen Bestechung (in den USA) verurteilt wurden. Um Auflagen stabil zu halten, agieren Lobbyisten, Marketingagenturen, Thinktanks und Regierungsparteien mit Zuwendungen. Beispiel: Lauterbach wünscht sich Lobhudelei und finanziert ganzseitige Vierfarbanzeigen (»Fakten Booster«). Keine regierungstreue Verlautbarungspublikation, bis zum Gemeindeblatt, bleibt verschont. Die Vielfalt ist unbegrenzt und spült Millionen in die Kassen der Verlage, die sich wie das gesamte Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) untertänigst mit wohlgesetzten Wortschöpfungen bedanken. Das Belohnungssystem endet nicht. Anne Will, Lanz, Illner, Presseschau oder Hart und Unfair öffnen ihren Pop-Up-Store wöchentlich für »meinungsbildende« Publikationen. Die da heißen: Die Zeit, Welt, Süddeutsche (auch mal taz) sowie für regierungsnahe, aus Steuermittel finanzierte »Stiftungen«, die selbsternannte Experten beisteuern und so ihre gesammelte Inkomptetenz an ein Millionenpublikum, meist betagter Bundesbürger, ausschütten. Also merke Bundesmichel, solange dein täglicher Obulos hilft, das eigene Grab zu schaufeln ändert sich nichts in der Republik in der jedes regierungstreue Printmedium allein noch die Hoffnung zulässt, mit der Zeitung im kalten Winter etwas Ofen-Wärme zu erzeugen. Die steigende Auflage ist schnell erklärt, Massenaufkäufe oder Abo´s durch regierungsnahe Etablissements, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Wie viele Abo´s etwa gehen an die »Stiftung Wissenschaft und Politik«, an MdB´s, Landes- oder Gemeindepolitker und deren Entourage?

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