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Aus: Ausgabe vom 04.08.2022, Seite 1 / Ausland
Krieg in der Ukraine

Großangriff aus Donezk

Russland scheint im Donbass neue Angriffsrichtung eröffnet zu haben
Von Reinhard Lauterbach
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Zerstörtes Gebäude in Nikolajewka rund 125 Kilometer von Donezk entfernt (2.8.2022)

Russland hat offenbar im Donbass eine neue Front eröffnet. Seit dem Wochenende wird die am nordwestlichen Stadtrand von Donezk gelegene Ortschaft Peski unter heftigen Artilleriebeschuss genommen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij räumte die Intensivierung der Kämpfe am Dienstag abend ein und nannte die Situation eine »Hölle«. Noch drastischer äußerte sich ein ukrainischer Kriegsfreiwilliger, der in der Ortschaft eingesetzt ist. Er postete am Dienstag einen auf beiden Seiten der Front vielzitierten Text, in dem er von praktisch pausenlosem Artilleriebeschuss auf die ukrainischen Stellungen berichtete. Was seit 2015 massiv betoniert worden sei, werde von der russischen Artillerie innerhalb weniger Viertelstunden »plattgemacht«, schrieb er. Ukrainisches Gegenfeuer finde praktisch nicht statt, und wenn, dann sei es unkoordiniert und schwach. Entsprechend hoch seien die ukrainischen Verluste. All das werde von den amtlichen ukrainischen Medien verschwiegen, so der Autor. Diese wie auch der US-Thinktank »Institute for the Study of War« sprachen von »begrenzten russischen Geländegewinnen« und »Angriffsversuchen« der russischen Seite.

Insofern scheint die Äußerung des russischen Verteidigungsministers Sergej Schojgu vom Dienstag, die Offensive im Donbass laufe nach Plan, eher noch untertrieben zu sein. Die Ukraine hat sich auf einen Angriff aus östlicher Richtung eingestellt und alle Truppen in die Linie Bachmut–Siwersk geschoben. Mit dem Angriff auf die stark befestigte unmittelbare Belagerungslinie von Donezk scheint in Kiew niemand gerechnet zu haben.

Sollte Peski fallen, wäre der Weg frei für eine Einkreisung der ukrainischen Truppen in der östlich davon gelegenen Stadt Awdijiwka. Von dort und aus Peski war in der Vergangenheit der Großteil der Artillerieangriffe auf die Millionenstadt Donezk geführt worden. Sollten die ukrainischen Stellungen hier durchbrochen werden, führt aus Peski in westlicher Richtung auch eine Hauptstraße nach Westen in Richtung Dnipro.

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  • Leserbrief von Volker Wirth aus Berlin ( 4. August 2022 um 12:13 Uhr)
    Solch eine Nachricht erwarte ich von der jungen Welt: Sechs Ortschaften der Donezker Volksrepublik, die acht Jahre lang ukrainisch besetzt waren, Berestowoje, Grigorowka, Nowoluganskoje, Pokrowskoje, Semigorje und Strjapowka, konnten soeben endlich befreit und das mit 3,6 Gigawatt größte Wärmekraftwerk Europas in Uglegorsk von den verbündeten Truppen der DVR, der Lugansker Volksrepublik (LVR) und der Russischen Föderation besetzt werden. Damit nähert sich der Zeitpunkt der Umzingelung des stark befestigten Raumes der ukrainischen Streitkräfte bei Awdejewka durch Angriffe auf Artjomowsk (ukrainisch Bachmut), gerichtet auf die Unterbrechung der Nachschublinien für die von Awdejewka aus die Stadt Donezk noch immer durch ungezielten Artilleriebeschuss terrorisierenden Kräfte (dort kamen wieder zwei Zivilisten ums Leben). Aus Iswestija von heute.

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