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Aus: Ausgabe vom 02.08.2022, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Arbeitskämpfe international

Streik für Lohnplus

Südkorea: Ausstand Beschäftigter von Subunternehmen beim Schiffbauer Daewoo endet mit geringem Abschluss beim Entgelt
Von Martin Weiser, Seoul
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Tankerbesetzung: Entschlossene und kampfbereite Beschäftigte. Unter dem Strich bleibt aber eine Teilniederlage (Geoje, 19.7.2022)

Nach 51 Tagen Streik einigten sich am 22. Juli der südkoreanische Werftbetreiber Daewoo Shipbuilding and Marine Engineering (DSME) mit 120 Angestellten von fast zwei Dutzend Subunternehmen auf eine relativ moderate Lohnerhöhung von 4,5 Prozent und mehrere kleine Bonuszahlungen im Jahr.

Damit endete auch die Besetzung eines Tankers in der Hauptwerft, in dem sich der Vizevorstand der Gewerkschaft in einen selbstgeschweißten Käfig gesperrt hatte. Die ursprünglichen Forderungen nach 30 Prozent höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und einer Einstellungsgarantie für Arbeiter aus pleite gegangenen Subunternehmen wurden vom Unternehmen rigoros abgelehnt. Der Schiffbauer war zu keinerlei Kompromiss bereit, und die letztlich erreichte Lohnerhöhung unterscheidet sich kaum von denen, die anderen Subunternehmern schon zugesagt worden waren. Die Zusage einer Taskforce zu den Gehältern bei den Subunternehmen und einer bevorzugten Einstellung ihrer Angestellten im Konkursfall blieb gleichfalls sehr unverbindlich.

Der Streik hatte laut Konzern einen Verlust von umgerechnet einer knappen halben Milliarde Euro zur Folge, trotzdem ließen sich die Bosse nicht auf einen wirtschaftlich viel günstigeren Kompromiss während des Arbeitskampfes ein.

Das mag an der Unterstützung des Staates gelegen haben, der die Besetzung der Werft für illegal erklärte und mit einer gewaltsamen Räumung drohte. Zusätzlich entschied ein Gericht am 22. Juli, dass die Gewerkschafter für jeden weiteren Tag Besetzung mehr als 2.200 Euro zu zahlen hätten. Dadurch blieb den Streikenden nur, den geordneten Rückzug anzutreten und den nie­drigen Lohnvorschlag der Unternehmer anzunehmen. Das Unternehmen will auch nicht ausschließen, die Teilnehmer an dem Streik noch privat zu verklagen.

Trotz der kleinen Anzahl an Streikenden offenbarte sich in dem Fall ein größeres Problem der südkoreanischen Wirtschaft: die immer größer werdende Kluft zwischen Angestellten der großen Konzerne auf der einen und ihrer Subunternehmen und Zulieferer auf der anderen Seite. Laut der südkoreanischen Tageszeitung Hankyoreh verdienen viele bei Daewoos Subunternehmen nur wenig mehr als den Mindestlohn, stellen aber die Mehrheit der Arbeiter in den Werften.

Von der steigenden Inflation der vergangenen Monate sind gerade diese Arbeiter besonders betroffen. Wobei es nicht überrascht, dass die meisten von ihnen lieber stillhalten, um nicht das eigene Unternehmen zu gefährden oder direkt selbst gefeuert zu werden. Die Festangestellten bei Daewoo hingegen treibt eher die Angst um, dass der Streik die wirtschaftlichen Probleme des Konzerns noch verschärft und eine eigene Lohnerhöhung gefährdet. Der größte Eigner, die staatliche Korea Development Bank, hat bereits gedroht, man werde nicht noch mehr Geld ins Unternehmen stecken.

Die ursprüngliche Forderung nach dreißig Prozent mehr Lohn mag in einer solchen Situation fast absurd erscheinen. Aber die Gewerkschaft hatte damit nur gefordert, jene Kürzungen rückgängig zu machen, mit denen sich das Unternehmen seit 2016 durch die Branchenkrise gerettet hatte. Damals waren die Bestellungen neuer Schiffe bei allen drei großen Schiffbauern in Südkorea eingebrochen, und Daewoo war bereits seit der Wirtschaftskrise 1998 das Sorgenkind des Trios. Daewoo hatte Subunternehmen bis 2019 sogar gezwungen, unter Kostenniveau zu arbeiten, und war von einem Gericht zu einer vergleichsweise geringen Geldstrafe verurteilt worden.

Dementsprechend irritiert müssen die Gewerkschafter gewesen sein, als es kürzlich aus Konzernkreisen hieß, Daewoo habe jetzt bereits auf Jahre ­hinaus volle Auftragsbücher – aber bei den Löhnen soll sich nichts groß ändern. Gerade weil der Haupteigner des Unternehmens eine staatliche Bank ist und der Staat Milliarden in den Konzern gesteckt hat, bekommt das Ganze auch einen Beigeschmack. Lohnerhöhungen mögen den Arbeitern und dem Betriebsfrieden guttun, das Unternehmen ganz oder in Teilen mit Gewinn zu verkaufen wird aber schwieriger.

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