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Aus: Ausgabe vom 02.08.2022, Seite 12 / Thema
Kunstgeschichte

»Man lebt nicht, damit am Ende Gras darüber wächst«

Selbstbehauptung in widersprüchlicher Zeit. Gedanken zum 100. Geburtstag des sorbischen Malers Jan Buck
Von Peter Michel
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Jan Buck: Meine Mutter, 1973, Öl auf Leinwand, 95 x 80 cm

»Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.« (Jean Jaurès)

Vor acht Jahren, im Oktober 2014, erreichten uns Nachrichten über Angriffe rechtsextremer Dumpfköpfe nicht nur auf Flüchtlinge, sondern auch auf Sorben, die ihre Sprache und Bräuche pflegen. Die Polizei fasste sieben junge Männer, die in Bautzen Jugendliche aus dem Sorbischen Gymnasium als »Sorbenschweine« beschimpft, bedroht und verfolgt hatten und die auch bei Nazidemonstrationen und bei Pegida gesehen worden waren. Ein Haftbefehl kam nicht zustande. Ähnliche Vorfälle gab es auch in sorbisch besiedelten Dörfern. Das erinnerte erschreckend an Schilderungen Jurij Brezans (1916–2006) in seinem Buch »Der Gymnasiast« aus der Zeit der Weimarer Republik und der beginnenden faschistischen Herrschaft.

Vor allem mit seinen »Krabat«-Büchern von 1976 und 1993 bewies dieser Schriftsteller, dass die Überlieferungen der Sorben weit mehr enthalten als Folklore. Er erkannte ihre bedeutenden philosophischen, assoziativen Kräfte und stellte vor dem Hintergrund der Menschheitsgeschichte das Sorbische im Spiegel besonderer Ereignisse bis in unsere Gegenwart dar. Für ihn stand auch in den Jahren nach der »Wende« die große humanistische Hoffnung auf eine »Menschenwelt« im Mittelpunkt, die die »Wolfswelt« überwindet. Dieser Zukunftsglaube ist nicht Realität geworden. Brezan gehörte zu den Schriftstellern, die die sorbische Literatur aus provinzieller Enge herausführten und zum Teil der Weltliteratur werden ließen.

Bodenständig und weltoffen

Das ist bei Jan Buck ebenso. Er hatte einmal gesagt, bei jedem Motiv, das er male, fühle er sorbisch, doch zugleich fand er mit seinem Werk den Weg in die europäische Moderne. Literatur und bildende Kunst haben bei aller Vergleichbarkeit der geistigen Substanz ganz unterschiedliche Wirkungsweisen. Ein Stück Literatur wirkt sukzessiv, aus dem Nacheinander ergibt sich das Ganze in seinem Verwobensein. Bildende Kunst wirkt sofort ganzheitlich. Aber es gibt Wesensverwandtschaften, die Jurij Brezan und Jan Buck miteinander verbinden: eine Ethik des Einfachen, Klaren, Überschaubaren, eine Mischung aus Bodenständigem und Weltoffenheit. Traditionsbewusstsein nährt bei beiden nicht Nostal­gie, sondern hilft, Gegenwart und Zukunft zu begreifen, zu erkennen, dass das Bewahren von Menschlichkeit in Vergangenem und Gegenwärtigem gerade heute wichtiger ist als alle markt- und gewaltpolitisch gesteuerte Hektik, die so viel Humanes in Frage stellt und in manchem – wie Jurij Brezan schrieb – die »Angst nicht vor dem Tod, sondern vor dem Umsonstgelebthaben« schürt. Gerade für Jan Buck gilt Brezans Gedanke: »Man lebt nicht, damit am Ende Gras darüber wächst.«

Im Verband Bildender Künstler der DDR gab es einen kleinen, sektionsübergreifenden Arbeitskreis Sorbischer Bildender Künstler, der bereits 1948 ins Leben gerufen worden war und dessen letzte Vorsitzende die Gebrauchsgrafikerin, Illustratorin und Buchgestalterin Eva-Ursula Lange aus Bautzen war. Der Gemeinschaftssinn, die familiäre Atmosphäre, die ich dort erlebte, waren beeindruckend; beides hatte auch der Selbstbehauptung der Künstler gedient. Dieser Arbeitskreis existiert nicht mehr. Heute gibt es den 1990 gegründeten Sorbischen Künstlerbund, dem mehr als hundert Schriftsteller, Komponisten, Schauspieler, Tänzer, Musiker und Maler angehören, der sorbische Kultur und Kunst pflegt und Ausstellungen organisiert. Auch die von der Bundesregierung und den Bundesländern Brandenburg und Sachsen 1991 gegründete »Stiftung für das sorbische Volk« fördert sorbische Kultur-, Kunst- und Heimatpflege. Heute wird manchmal übersehen, dass schon 1945 die von den Nazis 1937 liquidierte Domowina¹ wiedergegründet worden war. Bereits in der DDR arbeitete das Institut für sorbische Volksforschung bei der Akademie der Wissenschaften, ebenso ein Sorbisches Institut an der Universität Leipzig. Der Domowina-Verlag wurde 1958 geschaffen; es gab eine sorbische Redaktion bei Radio DDR; 1963 gründete sich das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen und schon seit 1956 wird der staatliche Cisinski-Preis verliehen. In der DDR waren die Angehörigen der westslawischen nationalen Minderheit nach den Verfolgungen und Verboten der Nazizeit endlich gleichberechtigte Bürger. In der Vergangenheit waren sie fast ausschließlich ein Volk feudal abhängiger Bauern gewesen, dessen Sprachen – das Obersorbische in der Oberlausitz und das Niedersorbische um Cottbus – verachtet wurden. Nun konnten sie ihr Selbstbewusstsein und ihren Stolz wieder zeigen. Und sorbische Kultur ist nach wie vor lebendig, nicht nur in zahlreichen Liedern, Sagen, Sprichwörtern und Märchen, in regional unterschiedlichen Trachten und Bräuchen, sondern auch im Wirken professioneller Künstler. In den vorbildlich restaurierten Museen Bautzens – im Sorbischen Museum in der alten Ortenburg und im Museum Bautzen am Kornmarkt – wird vieles von diesem Erbe bewahrt. Dort kann man Werke von Mercin Nowak-Njechornski (Martin Nowak-Neumann) sehen, der stilbildend wirkte, von Conrad Felixmüller, der zeitweise Vorsitzender des Arbeitskreises Sorbischer Bildender Künstler war, von Carl Lohse, Horst Slosar (Horst Schlosser), der bei Otto Dix studiert hatte, von Jan Hansky (Johannes Hansky) und anderen.

Erfüllte Vita

Für mich ist die Wieder- und Neubegegnung mit Werken Jan Bucks stets ein besonderes Erlebnis. In den 1970er Jahren hatte ich ihn zum ersten Mal besucht, weil mich die Frage bewegte, ob es für die sorbische bildende Kunst besondere Merkmale gibt. Jan Buck lebte damals in Bautzen in einer repräsentativen Gründerzeitwohnung. Sein bescheidenes Atelier bestand in einer von hohen Fenstern umgebenen Wohnzimmerecke, in der seine Frau ihm – immer auf Sauberkeit und Ordnung bedacht – das Malen gestattete; der Parkettfußboden war mit einem alten Teppich geschützt, der mit Ölfarben bekleckert war. Zuletzt begegnete ich Jan Buck im Sommer 2005 anlässlich der Eröffnung einer Walter-Womacka-Ausstellung im Vattenfall-Gebäude in Cottbus. Es war ein freudiges Wiedersehen nach vielen Jahren, doch es war ihm anzumerken, dass es ihm gesundheitlich nicht gut ging. Seine Frau war inzwischen verstorben, und er war bereits 1996 an den Ort seiner Geburt, in das Dorf Nebelschütz bei Kamenz, zurückgekehrt. Vier Jahre zuvor hatte der Sorbische Künstlerbund eine beeindruckende Publikation über Jan Buck anlässlich seines 70. Geburtstages herausgegeben. Eine neuerliche Begegnung war nicht mehr möglich; sein Gesundheitszustand ließ das nicht zu. Aber die Erinnerung an seine Bilder blieb immer lebendig.

Jan Buck wurde am 2. August 1922 als Sohn eines sorbischen Fabrikarbeiters geboren. Von 1937 bis 1940 war er Lehrling bei einem Dekorationsmaler. Nach dem II. Weltkrieg studierte er zunächst ein Jahr am Lyzeum für Bildende Kunst in Wroclaw und anschließend an der dortigen Hochschule für Bildende Künste bei den Professoren Emil Krcha und Eugeniusz Geppert. Nach weiteren Studien an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Rudolf Bergander und Fritz Dähn lebte und arbeitete er ab 1953 als freischaffender Maler und Grafiker in Bautzen. Er engagierte sich im Arbeitskreis Sorbischer Bildender Künstler, im Bezirksvorstand Dresden des Verbandes Bildender Künstler der DDR (VBK-DDR) und in der Zentralen Arbeitsgruppe Volksbildung beim Zentralvorstand dieses Verbandes. 20 Jahre lang arbeitete er als Kunsterzieher an der Sorbischen Erweiterten Oberschule (heute Gymnasium) in Bautzen, leitete einen Zeichenzirkel im dortigen Pionierhaus und war Lehrer an einer Außenstelle der Bautzener Abendschule. 1959 wurde er mit dem Cisinski-Preis, 1970 mit dem Literatur- und Kunstpreis der Domowina und 1988 mit der Hans-Grundig-Medaille des VBK-DDR ausgezeichnet. Er war in der DDR ein hochgeachteter, auch unbequemer, eigenwilliger Künstler und blieb es auch nach 1989/90. Es war eine Freude, seine Werke in den Bautzener Museen wiederzufinden und ihn als einen wichtigen Vertreter der sorbischen Gegenwartskunst gewürdigt zu sehen. Auch nach der »Wende« ehrte man ihn und sein Werk mit dem Bautzener Kunstpreis, dem Kunstpreis der Oberlausitz und mit der Bautzener Ehrenbürgerschaft. Und er ist der einzige Sorbe, der mit dem Kunstpreis der Europäischen Union ausgezeichnet wurde (2011).

Realistischer Urgrund

Von sorbischer bildender Kunst – im Sinn eines bildkünstlerischen Stils – zu sprechen, ist schwer möglich. Wenn dennoch Jan Buck gerade als sorbischer Künstler geschätzt wird, so sind damit wohl zuerst seine Bindungen an seine sorbischen Wurzeln, an die sorbische Heimat, seine bildgewordenen Reflexionen über die Veränderungen in der Lausitz vor und nach 1989 gemeint. 1979 nahm er an einem Energie-Pleinair teil und hielt das Baugeschehen in seinen Arbeiten fest. Ihm war bewusst, dass der Braunkohlebergbau 130 sorbisch besiedelte Dörfer und Weiler verschwinden ließ und sein sorbisches Volk auch durch andere Faktoren – durch Assimilation und Abwanderung – zusehends bedrängt wurde. Bis in die Gegenwart konnten die Sorben trotzdem ihre ethnische, sprachliche und kulturelle Eigenart bewahren.

Sorbische Themen und Motive sind in Jan Bucks Schaffen nicht vordergründig. Sein Gesichtskreis ist weiter, seine Erlebniswelt groß. Schon 1986 mahnte er, man dürfe nicht zu stark an den Traditionen kleben; die Kunst müsse offen sein. Sorbisch an seinen Bildern mag vielleicht eine manchmal naiv anmutende Klarheit des Bildaufbaus sein, eine mitunter symmetrische Strenge der Komposition mit eindeutigen Senkrechten und Waagerechten, angeregt – aber sicher mehr unterbewusst – durch dekorative Volkskunsttraditionen, und möglicherweise auch durch eine Farbigkeit, die vermittelte Beziehungen zum Trachtenschmuck aufweist. Doch das ist eine Hypothese. Jan Buck hat sein Wissen darüber mit ins Grab genommen.

Verhaltene Grün-, Braun- und Blauabstufungen dominieren im Bildnis seiner Mutter von 1973, eine unendlich scheinende Skala feinster Nuancen eines Farbklanges auf einem Malgrund, der durch pastose Pinselspuren beinahe reliefhaft wirkt. Vielleicht hatten die sensiblen Stillleben des Italieners Giorgio Morandi auf Jan Buck anregend gewirkt – ein Zeichen dafür, dass er sich schon seit seinem Studium in Wroclaw der europäischen klassischen Moderne verbunden fühlte. Der Bildaufbau ist nahezu mathematisch klar: Die Pyramidenform der sitzenden Frau ist in die Mitte gestellt; der Abstand der Figur von den Bildrändern ist fast gleich. Die kaum zu ahnende Linie, die Fußboden und Wand trennt, liegt vermittelnd im Goldenen Schnitt. Dieses Wechselspiel von reicher, kultivierter Farbigkeit und festem, in sich geschlossenem Bildaufbau blieb lange typisch für seine Malerei, auch in stärker abstrahierten Sujets. Und typisch geblieben ist auch ein mit leisen und lauteren Andeutungen operierendes Zusammenklingen von Farbe, Licht und Raum.

In seinem Bild »Osternacht«, das im gleichen Jahr entstand, ist die Pinselführung heftiger, bestimmter. Hier erschließt sich der Bildraum zwar auch aus zentralperspektivischen Elementen; die Regeln der Farbperspektive spielen nicht vordergründig mit. Und doch wird vor allem aus der Farbe heraus die Illusion des Raumes geschaffen. Es liegt etwas Geheimnisvolles, beinahe Mystisches über diesem Bild. Ein Schwingen von Raum und Fläche, Tiefem und Frontalem, Dekorativität und differenzierter Bildhaftigkeit regt in seiner gegensätzlichen Einheit die Phantasie an, ermöglicht ein ästhetisches Erleben, das dazu beiträgt, den Blick zu öffnen für die Schönheit des oft Übersehenen. Auch bei ihm sind die Werke Abbilder und Sinnbilder zugleich. Das gilt in Jan Bucks Schaffen für viele Bildstoffe: von weithin sich lagernden Paysagen – u. a. Tagebaulandschaften, die die Zerstörung intakter Umwelt bewusst machen – über das vom Leben gezeichnete Gesicht eines alten Menschen, über Stillleben, die kleinen Dinge des Alltags bis zur städtischen Architektur.

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Jan Buck: Osternacht in der Lausitz/Jutrowna nóc w Serbach, 1973, Öl auf Leinwand, 80,5 x 84,5 cm

Später wurde sein Malstil schlichter, konturenreicher. Manches war an Cézanne geschult. Dieser große Anreger hatte in der DDR viele Künstler seiner Generation beeindruckt; Buck schloss sich da nicht aus und behielt diese Treue bis zum Ende. In seinem Bild »Smoljan«, das den Blick in einen bulgarischen Ort freigibt, wird das besonders deutlich. Hier bestimmen warme Farben das Zentrum und spiegeln sich auch im davorliegenden Wasser. Zugleich ahnt man die Tendenz zu bewusster Flächigkeit, die in anderen Bildern bis zur Auflösung der Gegenstände, zu reiner Abstraktion führen kann. Immer wieder experimentierte er – auch mit fauvistischen und kubistischen Ausdrucksweisen –, um eine eigene, zeitgemäße Formensprache zu finden. Dabei ist der realistische Urgrund stets spürbar. Diese lebendige Beziehung zum humanistischen Erbe der klassischen Moderne ist ein Wert, der in der Kunst der Gegenwart immer mehr verloren zu gehen droht. Man huldigt heute dem Irrtum, dass das Neueste immer das Bessere sei.

Das Wendische Museum Cottbus erwarb vier Jahre vor seinem Tod ausgewählte Blätter aus seinen Serien »Devastierte Dörfer«² und »Tagebaulandschaften« aus dem Senftenberger Revier und dem Tagebau Cottbus-Nord sowie Studien, die 1984 als Vorarbeiten für sein Ölgemälde »Heinersbrücker Hochzeitszug« entstanden waren. Sie zeigen einen Hochzeitsbitter, eine Brautjungfer, eine Braut und ein Brautpaar in ihren typischen Trachten. Jan Buck hatte eine Zeitlang in Heinersbrück gelebt, und dort waren diese Aquarelle entstanden. Ich denke, er würde sich heute darüber freuen, wenn er z. B. erleben könnte, wie Schüler des Sorbischen Gymnasiums, an dem er so lange gelehrt hatte, in liebevoll angefertigten Trachten »zampern« gehen, wie auch Nicht-Sorben die sorbischen Sprachen lernen und wie – nicht nur dort – so viel dafür getan wird, dass das Sorbische erhalten und gepflegt wird.

Jan Buck starb am 1. April 2019 in einem Altenheim in Crostwitz. Anlässlich seines 100. Geburtstages bereitet das Sorbische Museum Bautzen, das etwa 80 seiner Ölgemälde, Aquarelle, Temperaarbeiten und Handzeichnungen besitzt, eine Wanderausstellung vor, die drei Jahre lang gezeigt wird. Ab 2. Oktober 2022 wird diese Bilderschau zunächst im Bautzener Sorbischen Museum gezeigt, danach wandert sie ins Wendische Museum Cottbus, in die dortige Galerie Brandenburg, in das Museum der Stadt Wroclaw, in das Landesmuseum Zielona Gora und zuletzt bis zum 1. Mai 2025 in die Kunstsammlung Senftenberg. Damit folgt sie wichtigen Stationen der künstlerischen Arbeit von Jan Buck. Der Sandstein-Verlag Dresden wird eine umfangreiche viersprachige Monographie³ herausgeben. An jedem Ausstellungsort wird ein besonderer Aspekt des Schaffens von Jan Buck beleuchtet werden. Ein opulentes Programm mit Vorträgen, Künstlergesprächen, Führungen, Diskussionen und Symposien ist geplant. All das wird deutlich machen, dass es nicht übertrieben ist, ihn als Wegbereiter einer neuen Ära in der sorbischen bildenden Kunst zu bezeichnen, der mit seinem Lebenswerk den Brückenschlag zur europäischen Moderne vollzog.

Selbstbehauptung

Die Kunsthistorikerin Maria Mirtschin, die sich jahrzehntelang mit Geschichte und Gegenwart sorbischer bildender Kunst beschäftigte, schrieb: »Es gibt bei Jan Buck keinen Widerspruch zwischen den sorbischen Motiven in seiner Malerei, in den Stillleben und Landschaften, den vermeintlich ›heimisch-lausitzischen‹ Motiven und den exotischen aus Mittelasien, Bulgarien, den Dolomiten oder Paris. Es ist eine Malerei des immer neuen Aufbrechens, der Grenz- und Horizontüberschreitungen, der Wiederkehr, der Einkehr bei seinen Wurzeln. Dieses didaktische Vor- und Zurückschreiten ist auch im Alter nicht erlahmt. Es ist der Prozess der Selbstbehauptung in einer widersprüchlichen Zeit. Das Medium dieser Selbstbehauptung war und ist für Jan Buck die Malerei.«⁴

Solange die Misstöne der gegenwärtigen »Wolfswelt« das Zusammenleben unterschiedlicher Nationalitäten in Europa nicht nur stören, sondern bedrohen, mahnt uns auch Jan Bucks Kunst, darauf hinzuwirken, dass wir endlich in einer »Menschenwelt« leben können.

Anmerkungen

1 Domowina (sorb. Heimat): Verbund des sorbischen und wendischen Volkes, Dachverband der sorbischen Vereine

2 Devastieren: zerstören, verwüsten

3 Obersorbisch, niedersorbisch, deutsch und polnisch

4 Maria Mirtschin. In: Jan Buck – Malerei, hg. v. Ernst-Rietschel-Kulturring e. V., Cottbus 2002

Peter Michel schrieb an dieser Stelle zuletzt in der Ausgabe vom 14. April 2022 über den Maler Bernhard Franke.

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