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Aus: Ausgabe vom 13.07.2022, Seite 5 / Inland
Studie

Plötzlich 26 Prozent mehr

Wenn Fachkräftemangel das Geschäft bedroht, sind höhere Ausbildungsvergütungen möglich
Von Susanne Knütter
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Hungerlohn: 585 Euro verdienen Auszubildende im thüringischen Friseurhandwerk im ersten Ausbildungsjahr

Die Lebenshaltungskosten steigen. Die Energiepreise könnten explodieren. Mit 585 bis 1.580 Euro im Monat bleibt man da auf der Strecke. Aber das ist die Spanne, in der sich die tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen in der BRD bewegen. Je nach Branche und Region gibt es erhebliche Unterschiede, wie eine am Dienstag veröffentlichte Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung erneut bestätigte. 585 Euro verdienen demnach Auszubildende im thüringischen Friseurhandwerk im ersten Ausbildungsjahr und in der ostdeutschen Floristik. 1.580 Euro im Monat erhalten Azubis im westdeutschen Bauhauptgewerbe im vierten Lehrjahr.

Da die Ausbildungsvergütungen im Rahmen von Tarifverhandlungen verhandelt werden, hängen sie mit der Verhandlungsposition der jeweiligen Gewerkschaft zusammen. Auch die Stärke und der Stellenwert von Azubis innerhalb der Gewerkschaft könnten eine Rolle dabei spielen, wie schnell ihre Belange in Tarifverhandlungen über Bord geworfen werden. In jedem Fall sind die Arbeitsbedingungen und Löhne aber ein Grund für leer bleibende Ausbildungsplätze, über die Unternehmen so gern klagen.

Wenn das Geschäft in Gefahr gerät, sind bisweilen Lohnsteigerungen von 26 Prozent möglich. So etwa im Bayerischen Gastgewerbe. Hier liegt die Ausbildungsvergütung momentan noch bei 795 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Ab August soll es in einem Schritt 1.000 Euro geben. Ähnliches gilt für die Pflege. Zumindest die öffentlichen Einrichtungen, die unter den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes fallen und Azubis bereits knapp über 1.000 Euro zahlen, hätten dem WSI zufolge auf den Fachkräftemangel reagiert. Hier werde aktuell die höchste Ausbildungsvergütung unter den 20 untersuchten Tarifbereichen gezahlt: im ersten Ausbildungsjahr 1.191 Euro nach dem TVöD bzw. 1.161 Euro nach dem TV-L.

Mehr als 1.000 Euro werden insgesamt in sieben der untersuchten Tarifbereiche gezahlt. Dazu gehören außerdem Versicherungen, die chemische Industrie, Banken, die Metall- und Elektroindustrie, die Deutsche Bahn und die Druckindustrie. Die niedrigsten Ausbildungsvergütungen mit Beträgen von zum Teil deutlich unter 800 Euro im Monat finden sich in der Landwirtschaft, dem Backhandwerk, der Floristik und dem Friseurhandwerk.

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