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Aus: Ausgabe vom 05.07.2022, Seite 8 / Ansichten

Wirtschaftsflüchtling des Tages: Ruja Ignatova

Von Simon Zeise
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Alles eine große Show: Büro von »One Coin« in Sofia (12.5.2019)

An den Finanzmärkten platzen Spekulantenträume wie Seifenblasen. Wegen der steigenden Zinsen wird das liebe Geld teurer. Investoren müssen für Aktien und anderen Nippes tiefer in die Tasche greifen. Wie groß die Blase war, merkt man erst, wenn alles zusammenbricht. So wie bei der vermeintlichen Kryptowährung »One Coin«. Deren Schöpferin Ruja Ignatova zog Millionen Investoren weltweit über den Tisch. Das Geschäftsmodell war simpel. Nicht die Digitalwährung, sondern lediglich Werbeprospekte und »Starterpakete« wurden verhökert. Wer zusätzliche Käufer warb, erhielt Provisionen – ein klassisches Schneeballsystem. Alles war eine große Show: Abgehalfterte Popsänger, darunter Tom Jones, wurden zu Auftritten herangekarrt. Ignatova füllte die Londoner Wembley-­Arena. Um vier Milliarden Dollar soll sie ihre Jünger erleichtert haben.

Und es wurde noch besser: Das virtuelle Geld existierte nämlich nie. Die für Kryptos wichtige Verschlüsselungstechnik der Blockchain gab es nicht. Ignatova habe den Preis für den »One Coin« einfach selber festgelegt, lässt das FBI wissen, das die »Kryptoqueen« mittlerweile auf der Liste der zehn weltweit am meisten gesuchten Verbrecher führt. Tatkräftige Unterstützung bekommen die US-Ermittler aus Deutschland: »Aktenzeichen XY … ungelöst« hat Ignatova im Mai eine Sendung gewidmet – schließlich hat die Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung auch deutsche Sparer erleichtert –, und am Montag nahm Bild die frischeste Fährte auf. Dem Springer-Blatt zufolge befinde sich Ignatova auf ihrer Yacht auf offenen Gewässern im Mittelmeer. Durch zahlreiche Schönheitsoperationen sei sie kaum wiederzuerkennen. »Ermittler glauben, sie sei nun blond und schlank, habe eine neue Nase und Kiefer, Wangen und Lippen«, vermutet der Boulevard. »Sie könnte jede sein.«

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