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Aus: Ausgabe vom 25.06.2022, Seite 3 / Schwerpunkt
Gegengewicht zu G7

Des Westens Spaßverderber

BRICS-Gipfel zeigt, dass Russland weltweit keineswegs isoliert ist. Moskaus Handel mit Mitgliedstaaten nimmt zu
Von Jörg Kronauer
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Chinas Präsident Xi Jinping (M.) bei der Onlinesitzung der BRICS-Staaten am Donnerstag

Während die G7 auf ihrem Gipfel in Elmau alles daran­ setzen werden, die Sanktionen gegen Russland anzupassen und Moskau weiter zu isolieren, hat sich in dieser Woche ein starkes Gegengewicht klar herauskristallisiert: das BRICS-Bündnis (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika). Seine Mitglieder hatten sich bisher durchweg geweigert, Moskau fallenzulassen, und an ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland festgehalten. Der BRICS-Gipfel, der am Mittwoch mit einem stark frequentierten BRICS Business Forum eingeleitet wurde und am Donnerstag dann in die eigentlichen Gipfelgespräche mündete, bot Russlands Präsident Wladimir Putin die Chance, vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu demonstrieren, dass er keineswegs der globale Paria ist, als den ihn der Westen so gern sähe. Ganz im Gegenteil: Russlands Bindungen an die anderen BRICS-Staaten, von denen zwei – Indien und Südafrika – in Elmau zu Gast sind, werden intensiver.

So konnte Putin mitteilen, dass Russlands Handel mit den anderen BRICS-Staaten im ersten Quartal 2022 rasant zugenommen hat – um 38 Prozent auf rund 45 Milliarden US-Dollar. Der Anstieg geht nicht zuletzt auf die boomenden russischen Erdöllieferungen an Indien und an China zurück. Es ist also mit einem weiteren raschen Wachstum des russischen BRICS-Handels zu rechnen. Putin teilte zudem mit, dass zur Zeit Verhandlungen geführt werden über den Einstieg indischer Handelsketten in den russischen Markt, einen gesteigerten Import chinesischer Autos, die weitere Umstellung auf chinesische Maschinen, die ohnehin schon vor dem Krieg längst im Gange war, und einiges mehr.

Auf dem BRICS-Gipfel wurde nicht nur über ein Freihandelsbündnis zwischen den Mitgliedstaaten gesprochen, um den Handel innerhalb des Bündnisses weiter zu stärken. Auch über eine Alternative zur Weltleitwährung US-Dollar wurde nachgedacht. Indische Medien zitierten anschließend den ehemaligen indischen Botschafter in Russland, D. B. Venkatesh Varma. Nationale Währungen seien durchaus für den Handel zwischen den BRICS-Staaten geeignet, der nach der Verhängung der westlichen Russland-Sanktionen zunächst ins Stocken gekommen war, weil er stark vom US-Dollar abhing. Glaubt man Varma, dann wird die Umstellung des BRICS-Handels etwa auf Rubel, auf Rupien oder auf Yuan gelingen. Ob daraus jedoch eine wirkliche Alternative zum US-Dollar entstehen kann? Zumindest für die nächste Zeit gab sich Varma skeptisch. Unabhängig davon teilte Putin auf dem Gipfel mit, man arbeite inzwischen daran. All das dürfte in Elmau die Laune trüben.

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