75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Wednesday, 10. August 2022, Nr. 184
Die junge Welt wird von 2651 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 08.06.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Milliardendeal

Musk droht mit Rückzug

Multimilliardär könnte Twitter-Übernahme platzen lassen. Streit um Angaben zu Fake-Accounts
Von Bernd Müller
Twitter_73968806.jpg
Ein Grund für den möglichen Rückzieher: Bei Musk könnte das Geld knapp sein

Zwischen Multimilliardär Elon Musk und dem Kurznachrichtendienst Twitter entspinnt sich zunehmend ein Konflikt. Zuerst wollte Musk rund 44 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen ausgeben. Nun versucht er sich einen Weg offenzuhalten, um das Geschäft doch noch absagen zu können.

Vordergründig geht es bei dem Streit um die Anzahl von Spam- und Fake-Accounts. Twitter selbst schätzt, dass sie weniger als fünf Prozent der täglich aktiven Nutzer ausmachen. Doch das bezweifelt Musk und behauptet, ihre Zahl sei etwa fünfmal so hoch.

Dieser Streit könnte allerdings nur die Fassade sein, hinter der ein anderes Problem verborgen liegt: Bei Musk könnte das Geld knapp sein. Die Übernahme wollte er mit Krediten vollziehen, die er unter anderem mit Tesla-Aktien absicherte. Allerdings ist deren Kurs zuletzt wieder deutlich gefallen, was bedeutet: Will Musk das Geschäft weiterhin durchziehen, muss er mehr Sicherheiten für die Kredite beibringen.

Der Streit um die Zahl der Spam-Accounts könnte Musk nun die Möglichkeit verschaffen, von dem Geschäft zurückzutreten. Am Montag erklärte er, dass Twitters Versäumnis, ihm Daten über die sogenannten Bots zur Verfügung zu stellen, einen wesentlichen Verstoß gegen die Fusionsvereinbarung darstelle. Und der sei groß genug, um die Vereinbarung zu kündigen.

Doch es gebe gar keine spezifische Klausel, die Twitter dazu verpflichten würde, das zu tun, was Musk verlangt, hieß es am Dienstag auf forbes.com. Damit verstoße Twitter auch nicht gegen die Vereinbarung, wenn es die Herausgabe der Daten verweigere, wird in dem Bericht George Geis zitiert, Professor für Gesellschaftsrecht an der Universität von Virginia. Außerdem habe Musk bei Vertragsschluss auf sein Recht auf eine sogenannte Due-Diligence-Prüfung verzichtet.

Zudem hatte er auch vor Unterzeichnung der Fusionsvereinbarung mehrfach über das »Botproblem« auf Twitter geschrieben und betont, dass dessen Lösung einer der Gründe für den Kauf des Unternehmens sei. Deshalb habe Twitter sogar die Pflicht, Musk zur Übernahme zu zwingen, erklärte der US-Ökonom Mark Spiegel gegenüber dem Handelsblatt (Montag). Und entsprechend hatte auch das Management am Montag gegenüber dem Wall Street Journal erklärt, es sei weiterhin entschlossen, die Übernahme zu den vereinbarten Konditionen durchzusetzen.

Dennoch werden Musk gute Chancen bescheinigt, ohne große Blessuren aus dem Geschäft herauszukommen. Beide Seiten hätten eine Strafe von jeweils einer Milliarde US-Dollar vereinbart, sollte eine Seite das Geschäft aufkündigen. Im Handelsblatt hieß es, Musk könnte eventuell sogar kostenfrei von dem Vertrag zurücktreten – zum Beispiel, wenn deutlich mehr als fünf Prozent der Twitter-Nutzer Spamkonten sind.

Bei forbes.com wird noch darauf hingewiesen, dass Musk auch deshalb gute Chancen für einen Rücktritt vom Vertrag habe, weil sich das Twitter-Management keinen langwierigen Prozess leisten kann. Schon nachdem Musk öffentlich Zweifel an dem Geschäft geäußert hatte, war der Aktienkurs auf unter 40 Euro gesunken. Ein längerer Rechtsstreit könnte den Aktienkurs weiterhin beeinträchtigen und für Unmut bei den Investoren sorgen.

Sommerabo

Die Tageszeitung junge Welt ist 75 Jahre alt und feiert dies mit dem Sommeraktionsabo. Du kannst 75 Ausgaben für 75 Euro lesen und täglich gut recherchierte Analysen zu tagesaktuellen Themen erhalten. Schenke dir, deinen Freundinnen und Freunden, Genossinnen und Genossen oder Verwandten ein Aktionsabo und unterstütze konsequent linken Journalismus.

Mehr aus: Kapital & Arbeit