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Aus: Ausgabe vom 24.05.2022, Seite 6 / Ausland
Aufrüstung

Fest für Repressionsfanatiker

Schweres Geschütz im Angebot: In Katar beginnt die 14. Milipol-Messe
Von Glenn Jäger
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Exportschlager Tod: »Milipol Qatar« am 15. März 2021 in Doha

Unter den Stichworten »Heimatschutz« und »zivile Sicherheit« beginnt an diesem Dienstag im katarischen Doha die 14. »Milipol Qatar« – eine dreitägige Messe samt Konferenzprogramm zum Thema »Sicherheitstechnik«. Die Veranstaltung findet im jährlichen Wechsel mit dem Format »Milipol Paris« statt, an der im vergangenen Jahr mehr als 150 Aussteller aus 17 Ländern teilnahmen. Präsent sind dabei sowohl in Frankreich als auch in der katarischen Hauptstadt Vertreter von Polizei, Gendarmerie, Rüstungsindustrie und Politik – samt illustren Medienpartnern.

Die Agenda reicht von privater Sicherheit, Cyberkriminalität, Abschottung, »organisiertem Verbrechen«, dem Gefängnissektor, dem Öl- und Gasbereich bis hin zur Ausstattung von »Antiterrorspezialkräften«. Die reichlich bebilderte Homepage zeigt feilgebotenes Material von Navigationsgeräten, Spezialhandschuhen, der »ballistischen Sonnenbrille«, Schnellfeuerwaffen, Panzerabwehrraketen sowie gepanzerten Fahrzeugen und Schnellbooten.

Während auf der »Milipol Paris« vor allem westliche Aussteller anwesend sind, kommen in Katar die meisten aus dem Nahen und Mittleren Osten, ergänzt von Konzernen wie Toyota, dem deutschen Unternehmen Rohde & Schwarz, dem Schweizer Konzern Fischer Connectors sowie dem chinesischen Technologieriesen Huawei als Sponsor. Laut Veranstalter sind auch Aussteller aus der Ukraine zugegen, etwa aus der Weizen- und Mühlenbranche. Unterdessen richtet sich der Blick auf Neuerungen, die die USA bereithalten. Unter der Rubrik »Industry News« verweisen die Organisatoren als Topmeldung auf »Roboterhunde« (robot dogs), die man in den Vereinigten Staaten zur »Grenzsicherung« teste.

Ein weiteres Augenmerk der diesjährigen Konferenz ist die Fußballweltmeisterschaft, die Ende des Jahres in dem Golfstaat stattfinden soll. In Kontakt steht die Milipol deshalb mit der ebenfalls in Doha ansässigen Organisation International Centre for Sport Security (ICSS), die unter anderem mit der Abschirmung von Fußballturnieren oder Olympischen Spielen befasst ist. Andrew Cooke, ICSS-Leiter des Bereichs für sicherheitspolitische Operationen, erklärte bereits auf der Milipol 2016, künftig seien bei Großveranstaltungen verstärkt »Crowdtechnologien« zur »Videoanalyse, biometrischen Erfassung und Gesichtserkennung« einzusetzen. So würde es für die Gastländer und Austragungsstätten »zunehmend wichtig«, im Bereich der »Cybersicherheit aufzurüsten«. Sein Verweis auf »intelligence sharing« war zudem eine wenig verklausulierte Aufforderung zu verstärkter geheimdienstlicher Vernetzung.

Wenn im Zusammenhang der Weltmeisterschaft 2022 auf eine Softpowerpolitik des Emirats verwiesen wird, so zeigt sie sich auch auf der »Milipol«. Ohne schweren Flankenschutz glaubt man wohl nicht auszukommen.

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