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Aus: Ausgabe vom 24.05.2022, Seite 5 / Inland
Ölembargo

Investoren in den Startlöchern

Mehrere Angebote für Übernahme von PCK-Raffinerie in Schwedt. Wirtschaftsministerium zurückhaltend
Von Bernd Müller
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Mit dem drohenden Gasembargo wächst die Sorge um die rund 1.200 Arbeitsplätze in der PCK-Raffinerie in Schwedt (Oder)

Die Diskussion um ein Embargo gegen russisches Erdöl geht weiter, und mit ihr wächst auch die Sorge um die rund 1.200 Arbeitsplätze in der PCK-Raffinerie in Schwedt (Oder). Mit einer Aktion rief die Fraktion von Die Linke im Brandenburger Landtag am Montag nach finanziellen Hilfen von Bund und Land: Es müsse eine Garantie für Beschäftigung, Lohn und Gehalt geben.

Am Sonnabend hatten die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) konferiert und sich über die aktuelle Lage der Energieversorgung ausgetauscht. Dabei ging es auch um die PCK-Raffinerie. Doch konkrete Ergebnisse der Unterredung wurden nicht bekannt. Man kommentiere »vertrauliche Gespräche« grundsätzlich nicht, hieß es lapidar aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Nur eines dürfte zum jetzigen Zeitpunkt klar sein: Einfache Lösungen gibt es nicht – aber ohne eine Enteignung des Mehrheitseigners Rosneft dürfte es überhaupt keine Lösung geben.

Wie das Handelsblatt am Montag berichtete, stehen allerdings schon neue Investoren in den Startlöchern. Einer ist der Energiekonzern Alcmene. Im vergangenen Jahr wollte das Unternehmen schon einen Anteil von 37,5 Prozent an der Raffinerie übernehmen, der damals noch zu Shell gehörte; aber Rosneft hatte von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht.

»Wir stehen bereit, die Raffinerie PCK Schwedt komplett zu übernehmen«, sagte nun Raul Riefler, der die Geschäfte von Alcmene führt, gegenüber dem Handelsblatt. Man könne umgehend damit beginnen, eine langfristige Lösung für den Fortbestand der Raffinerie zu finden, hieß es demnach weiter. Statt die Anlagen weiterhin per Pipeline zu versorgen, setzt Alcmene auf den Transport auf der Schiene. Die Unternehmensgruppe verfüge »vermutlich als einzige über die technischen Ressourcen, innerhalb weniger Monate Ladevorrichtungen nach Schwedt zu verlegen, durch die eine in Kriegs- und Sanktionszeiten gegebenenfalls erforderliche Auslastung der PCK allein über den Bahnverkehr ermöglicht werden könnte«.

Doch im Bundeswirtschaftsministerium zeigte man sich von diesem Ansinnen bislang wenig begeistert. Ein Grund dürfte laut Bericht sein, dass Alcmene weithin unbekannt ist – und eine nicht ganz durchsichtige Firmenstruktur aufweist. Alcmene gehört zur Liwathon-Gruppe, die neben einem Firmensitz in Estland noch einen in Irland aufweist und einen weiteren auf Guernsey, einer Insel im Ärmelkanal.

Mit Verbio zeigt aber auch ein deutscher Produzent von Biokraftstoffen Interesse. »Wir könnten am Raffineriestandort Schwedt demonstrieren, wie sich die Transformation von fossilen zu erneuerbaren Energien gestalten lässt«, sagte Verbio-Vorstandschef Claus Sauter dem Handelsblatt.

Die Biokraftstoffe von Verbio werden zum großen Teil nicht aus Getreide oder Raps hergestellt, sondern aus Pflanzenresten, zum Beispiel aus Stroh. Bei diesen Biokraftstoffen spricht man von der »zweiten Generation«. Und sie sollen künftig in einem der zwei Produktionsstränge der PCK-Raffinerie erzeugt werden, während im anderen Produktionsstrang zeitweilig noch fossile Kraftstoffe raffiniert werden können.

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  • Leserbrief von Dirk Schulz (25. Mai 2022 um 12:31 Uhr)
    Per Schiene das PCK beliefern? Hat man eigentlich im Blick, dass derzeit und die nächsten Jahre die Strecke von Angermünde nach Stettin wegen des Ausbaus nur eingeschränkt befahrbar ist?

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