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Aus: Ausgabe vom 13.05.2022, Seite 2 / Inland
Internationalismus

»Zusammen sind wir stärker«

Klimaaktivisten sowie junge Kurdinnen und Kurden planen in Lützerath gemeinsam Internationalistisches Jugendfestival. Ein Gespräch mit »Momo«
Interview: Gitta Düperthal
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Gegen Kapitalismus und Klimakatastrophe: Demonstration in Lützerath (31.10.2021)

In das vom Braunkohletagebau bedrohte Dorf Lützerath laden Sie für den 28. Mai zum Internationalistischen Jugendfestival ein. Die Klimaschutzbewegung plant dort gemeinsam mit der Wiederaufforstungskampagne für Nordsyrien »Make Rojava Green Again« einen »Ort der Begegnung, der revolutionären Perspektiven und des Austausches«, wie es heißt. Worum geht es Ihnen?

Als Teil der linken Klimagerechtigkeitsbewegung wollen wir verdeutlichen: Die ökologische Revolution der kurdischen Freiheitsbewegung in Rojava ist relevant für den Kampf gegen die Klimakrise. Beide Bewegungen streben gemeinsam eine Alternative zum ausbeuterischen, zerstörerischen Kapitalismus an. Es geht um eine ökologische und bedarfsorientierte Landwirtschaft und eine an die natürliche Umgebung angepasste Wirtschaftsweise. Auch deshalb treffen wir uns in Lützerath, dem Dorf im Rheinland, das im Herbst für die Profite des Kohlekonzerns RWE zerstört werden soll. Gerade in diesen Krisenzeiten ist unser Jugendfestival wichtig, um uns kennenzulernen und zu organisieren. »Kämpfe verbinden – Kapitalismus überwinden« ist unser Motto.

Haben Sie sich nicht zu viel vorgenommen, wenn Sie aktuell diesen gemeinsamen Aufbruch planen in Zeiten von Klimakrise, Ukraine-Krieg und türkischen Angriffen auf Kurdistan?

Wann, wenn nicht jetzt? Nachdem Präsident Recep Tayyip Erdogan im Schatten des schrecklichen Krieges in der Ukraine mit dem türkischen Militär am 17. April die Großoffensive gegen das autonome Kurdengebiet im Nordirak begonnen hat. Während der Aufschrei zum Angriffskrieg Russlands in der Ukraine groß ist, wird dazu geschwiegen. Bombardiert durch die türkische Armee wird auch Kobani, die von kurdischen Volksbefreiungseinheiten 2015 vom sogenannten Islamischen Staat befreite Stadt in Nordsyrien. Beim Internationalistischen Jugendfestival werden sich mehrere hundert Menschen in Lützerath miteinander vernetzen, um gemeinsam für eine befreite Gesellschaft zu kämpfen.

Was hat die kurdische Freiheitsbewegung, die sich für ein Rätesystem, Selbstverwaltung und Frauenbefreiung einsetzt, mit der Bewegung der Kohlegegner gemein, die um den Erhalt des Dorfes Lützerath kämpfen?

Wir alle sehen Geschlechterbefreiung, nachhaltige Ökologie, Autonomie und Basisdemokratie als Grundpfeiler einer befreiten Gesellschaft an. Menschen im globalen Süden sind die Hauptleidtragenden der Klimakrise. Was in Lützerath mit dem Abbau der schmutzigen Kohle passiert, wirkt sich überall auf der Welt aus. In den autonomen kurdischen Gebieten werden Werte gelebt, die wir auch vertreten. Wir wollen eine Lebensweise im Einklang mit der Natur wiederentdecken, die unsere Lebensgrundlagen sichert, auch für zukünftige Generationen. Beide Bewegungen können voneinander lernen, wenn wir in den Dialog miteinander treten. Zusammen sind wir stärker.

Ein Hintergrund des geplanten Festivals ist auch, dass aufgrund des PKK-Verbots seit Jahren keine kurdischen Jugendfestivals mehr in der BRD möglich waren.

Wie fordern, das PKK-Verbot aufzuheben. In unserem Nachbarstaat Belgien wurde vom obersten Gerichtshof explizit festgestellt, dass die PKK keine Terrororganisation ist. Deutschland aber hält daran fest. Bei kurdischen Feierlichkeiten kam es stets zur Kriminalisierung. Wir lassen uns dadurch nicht abschrecken. Wir dürfen es auch nicht zulassen, dass die kriegerischen Angriffe seitens der Türkei auf die selbstverwalteten Strukturen in Kurdistan unbeantwortet bleiben.

Was fordern Sie?

Rüstungsexporte in die Türkei müssen sofort gestoppt werden. Kriegsverbrechen der Türkei müssen als solche benannt und sanktioniert werden. Die kurdischen Autonomiegebiete müssen international anerkannt, die Bewegung entkriminalisiert werden. Wir brauchen die Organisierung von links und unten sowie eine entschiedene Haltung gegen jeden Krieg.

»Momo« (Name ist der Redaktion bekannt) ist Klimaaktivist und lebt in Lützerath, einem vom Braunkohletagebau bedrohten Dorf in NRW

luetzerathlebt.info

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