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Aus: Ausgabe vom 05.05.2022, Seite 4 / Inland
Mafiamethoden im Freistaat

Bild schießt CSU-General ab

Rücktritt von CSU-Generalsekretär Stephan Mayer nach Bericht über Bedrohung von Journalisten
Von Nick Brauns
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Stephan Mayer während einer Konferenz der Mitgliedsverbände des Deutschen Olympischen Sportbunds (Düsseldorf, 14.11.2021)

Nach lediglich rund zwei Monaten im Amt hat der Generalsekretär der bayerischen CSU, Stephan Mayer, am Dienstag abend seinen Rücktritt erklärt. Der 48jährige nannte dafür »gesundheitliche Gründe«, führte aber auch an, er habe sich in »nicht angemessener Wortwahl« gegenüber einem Journalisten geäußert. Zuerst hatte Bild München am Montag abend von Drohungen Mayers gegenüber einem festangestellten Redakteur des Burda-Verlages berichtet. Laut einem dem Blatt vorliegenden Schreiben der Anwälte des Journalisten Manfred Otzelberger habe Mayer diesem telefonisch gedroht: »Ich werde Sie vernichten. Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens.« Zudem habe Mayer gefordert: »Ich verlange 200.000 Euro Schmerzensgeld, die müssen Sie mir noch heute überweisen.« Es sei wie in einem Mafiafilm gewesen, so Otzelberger am Dienstag gegenüber dem Magazin Bunte. Auf eine Nachfrage der Deutschen Presseagentur erklärte der Jurist Mayer: »Ich bestreite die konkreten Vorwürfe mit Nichtwissen. Für den Fall, dass dies zutrifft, erachte ich die Wortwahl rückwirkend als unangemessen«. Der Politiker kündigte seinerseits rechtliche Schritte gegen Burda wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung an.

Hintergrund ist ein auf diffusen Quellen wie »Bekannte und Weggefährten« beruhender Bericht des Magazins Bunte, wonach der in der Öffentlichkeit als kinderlos auftretende Mayer einen nichtehelichen achtjährigen Sohn habe, dessen Unterhalt durch Mayers Vater gezahlt werde. Im tiefkatholischen Milieu von Mayers Heimatwahlkreis, dem Marienwallfahrtsort Altötting, können sich solche vermeintlichen Enthüllungen aus Mayers Privatleben durchaus als politisch existenzgefährdend für den bekennenden Katholiken erweisen.

So hatte der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder den innenpolitischen Hardliner, der von 2018 bis 2021 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium war, bei dessen Wahl zum Generalsekretär mit den Worten »ländlicher Raum, konservativ, katholisch« vorgestellt. Damit verbunden war die Hoffnung Söders, an die AfD oder die Freien Wähler verlorene konservative Stammwähler aus dem ländlichen Gebiet zurückzugewinnen. Der CSU-Chef sprach am Mittwoch morgen von einer »menschlichen Tragödie«. Die im Telefonat Mayers mit dem Journalisten »wohl gefallenen Worte sind in keinster Weise zu akzeptieren, sind völlig unangemessen und ein indiskutabler Stil.« Eine Entscheidung über Mayers Nachfolger als Generalsekretär solle »zeitnah« fallen, so Söder.

Dass ausgerechnet das Springer-Blatt Bild einen CSU-Generalsekretär zum Abschuss freigegeben hatte, wirft Fragen auf. Hintergrund könnte sein, dass Mayer zuletzt bezüglich der von den Atlantikern der Springerpresse vehement geforderten und vor einer Woche vom Bundestag beschlossenen Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine zumindest für Unionsverhältnisse als Bremser aufgetreten war. So hatte der Politiker am Sonnabend in einer Presseerklärung gefordert, weitere Waffenlieferungen »sachgerecht« abzuwägen. Denn über aller Solidarität mit den Ukrainern müsse eins stehen: »Wir müssen alles unternehmen, um nicht aktive Kriegspartei zu werden. Es ist keinem gedient – auch nicht der Ukraine – wenn Deutschland aktiv in den Krieg mit einbezogen wird.«

Als einer der ersten möglichen Namen für die Mayer-Nachfolge als Generalsekretär sei der von Florian Hahn gefallen, meldete BR24 am Mittwoch. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag gilt als Befürworter der Lieferung schwerer Waffen an Kiew ohne Wenn und Aber.

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