Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Sa. / So., 2. / 3. Juli 2022, Nr. 151
Die junge Welt wird von 2640 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 02.05.2022, Seite 4 / Inland
Rechte Mobilisierung

Reaktionäre »Lebensschützer«

Bündnis protestiert in Leipzig gegen »Fachtagung« von Abtreibungsgegnern
Von Luca von Ludwig, Leipzig
imago0157624459h.jpg
Auch in München demonstrierten am Sonnabend Feministinnen

Jährlich wird von Organisationen der beiden großen Kirchen in Deutschland die »Woche für das Leben« organisiert. Was vergleichsweise harmlos klingt, ruft auch die konservativsten Elemente des organisierten Christentums auf den Plan. So z. B. den »Bundesverband Lebensrecht« (BVL), eine der wichtigsten Vereinigungen von Abtreibungsgegnern in Deutschland. Dieser führte zeitgleich zur Eröffnung der kirchlichen Veranstaltungswoche in Leipzig eine seiner Fachtagungen durch. Das Leipziger »Bündnis für Selbstbestimmung« hatte für Sonnabend zum Gegenprotest aufgerufen; es beteiligten sich etwa 500 Personen.

Die Demonstration startete am Leipziger Südplatz und endete am Gebäude der Alten Handelsbörse, wo die Tagung des BVL stattfinden sollte. Schon vor Eintreffen des Hauptprotestzugs positionierten sich einige Aktive auch vor dem Haupteingang, um das Teilnehmen an der Konferenz zumindest etwas zu erschweren. Diese Gruppe entfernte sich kurz vor Beginn der Tagung, nachdem die Polizei mit gewaltsamer Auflösung der unangemeldeten Nebenversammlung gedroht hatte. Bis auf einige Personalienfeststellungen blieb der Tag aber frei von Konfrontationen.

Im Programm der diesjährigen »Woche für das Leben« tauchte der BVL zwar nicht auf. Dass es nennenswerte inhaltliche Differenzen zwischen den Veranstaltern gibt, darf man allerdings ausschließen – immerhin brüsten sich die Abtreibungsgegner auf ihrer Website mit gleich mehreren Grußwörtern aus der Deutschen Bischofskonferenz, die die Veranstaltungswoche mit ausrichtet. Zudem geht die »Woche für das Leben« selbst auf die kirchliche Ablehnung legaler Schwangerschaftsabbrüche zurück und sollte während der parlamentarischen Debatten zu diesem Thema Anfang der 1990er Jahre eben dazu dienen, solche Positionen zu stärken.

Am bekanntesten dürfte der BVL wohl für die Organisation des jährlichen »Marschs für das Leben« sein, bei dem mit riesigen weißen Holzkreuzen der »ermordeten«, also abgetriebenen, Kinder gedacht werden soll. Es ist der größte regelmäßige Aufzug von Abtreibungsgegnern in der BRD. Beteiligt sind stets auch verschiedene rechte Kräfte aus den Kirchen, dem Adel und Parteien wie Union und AfD. Ein Foto des Marschs von 2014 zeigt die AfD-Funktionärin Beatrix von Storch in den vordersten Reihen, gleich neben der heutigen Vorsitzenden des BVL. Überhaupt ist der Adel von großer Bedeutung für die Organisationen derjenigen, die sich selbst »Lebensschützer« nennen: Aus seinen Reihen rekrutieren sich Gründer, Vorsitzende und Mitglieder diverser Stiftungen und Organisationen, die sich gegen ein Recht auf selbstbestimmte Schwangerschaftsabbrüche einsetzen.

Seitens des »Bündnisses für Selbstbestimmung« zeigte man sich gegenüber jW mit dem Protest insgesamt zufrieden, auch wenn man die Tagung nicht gänzlich habe verhindern können, wie eine Einzelperson aus dem Organisatorenkreis sagte. Die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Die Linke) kündigte über Twitter an, prüfen zu lassen, warum die Stadt ihre Räume überhaupt für derartige Veranstaltungen zu Verfügung stellt.

Drei Wochen kostenlos lesen

Die Tageszeitung junge Welt stört die Herrschenden bei der Verbreitung ihrer Propaganda. Sie bezieht eine aufklärerische Position ohne Besserwisserei und wirkt durch Argumente, Qualität, Unterhaltsamkeit und Biss.

Überprüfen Sie es jetzt und testen die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) kostenlos. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Ähnliche:

  • Wenig los: Einsatzfahrzeug der Bundespolizei am Sonnabend in der...
    21.12.2020

    Wegfahrsperre am Bus

    Geringe Beteiligung auch bei erlaubten »Coronaleugner«-Veranstaltungen am Wochenende
  • Vertraute Umgebung: Kristina Hänel im Treppenhaus des Gießener G...
    13.12.2019

    Frauenrechte nachrangig

    Schwangerschaftsabbrüche: Landgericht Gießen verurteilt Ärztin Kristina Hänel erneut wegen Verstoßes gegen das Werbeverbot

Regio:

Startseite Probeabo