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Aus: Ausgabe vom 27.04.2022, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Welternährung

Lücke für Reisexporteure

Krieg in der Ukraine lässt Weizenpreise explodieren. Thailand korrigiert Ausfuhrziele für Reis nach oben
Von Thomas Berger, Manila
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Wenig Ertrag pro Fläche: Reisbauer in Thailand

Der Krieg in der Ukraine, einem der wichtigsten Weizenexporteure, hat den Weltmarktpreis für das Getreide in die Höhe schießen lassen. Das lässt die Nachfrage nach dem alternativen Grundnahrungsmittel Reis steigen. Davon hofft das mehr als 7.000 Kilometer vom Kriegsgebiet entfernte Thailand profitieren zu können. Die Zeichen stehen günstig. In den ersten zwei Monaten des Jahres hat das südostasiatische Königreich 1,1 Millionen Tonnen Reis exportieren können – 28 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie der Branchenverband Thai Rice Exporters Association (TREA) am 15. April in Bangkok bei der Präsentation seiner jüngsten Erhebung mitteilte. Für das Gesamtjahr wurde die Zielmarke bei den Ausfuhren deutlich nach oben korrigiert, von sieben auf nunmehr acht Millionen Tonnen.

Thailand gehört neben Indien und Vietnam zu den drei großen Exporteuren des Nahrungsmittels. Die Produktionsmengen sind von vielen Faktoren abhängig. Extremwetterereignisse können kurzfristig zu starken Ernteeinbrüchen führen, dazu kommen längerfristige Auswirkungen der Erderwärmung. Für den Preis der Ware am hart umkämpften Weltmarkt ist darüber hinaus der Ertrag pro Hektar maßgeblich.

Lange führte Thailand die Rangliste der Exportnationen an, noch 2018 musste sich das Königreich mit 11,21 Millionen Tonnen nur knapp hinter dem neuen Spitzenreiter Indien (11,79) mit Platz zwei begnügen. Von Augenhöhe kann inzwischen nicht mehr die Rede sein. Zwar gingen auch in Indien im Folgejahr die Reisexporte auf 9,81 Millionen Tonnen zurück, in Thailand aber brachen sie gleich um ein Drittel auf nur noch 7,56 Millionen Tonnen ein. Und während die indischen Ausfuhren 2020 und 2021 mit 14,56 und rund 20 Millionen Tonnen (vorläufige Hochrechnung) neue Spitzenwerte erklommen, lagen die thailändischen Exporte bei 5,71 und 6,1 Millionen Tonnen. Das entsprach annähernd der Gesamtproduktion, die zum größeren Teil im Inland verbraucht wird. 2020 liefen insgesamt 17,66 Millionen Tonnen durch thailändische Reismühlen – etwa drei Millionen Tonnen weniger als 2018. Während 2019 und 2020 Dürren zu Ernteausfällen führten, gab es im vergangenen Jahr erhebliche Schäden durch Überflutungen.

Als »Reiskammer der Nation« gelten in Thailand die nördliche Zentralregion und Teile des armen Nordostens (Isarn). In den zentralen Distrikten sind die Bedingungen ganzjährig sehr gut, in den nordöstlichen hingegen wird Reis vor allem in der Regenzeit, also während des Monsuns, angebaut. Im Schnitt werden dabei deutlich geringere Mengen von den Feldern geholt als bei den großen Weltmarktkonkurrenten – die Erträge pro Rai (landesübliche Maßeinheit, 0,16 Hektar) liegen in Indien und Vietnam um ein Viertel bis 40 Prozent höher. Bei vergleichbaren Sorten haben die thailändischen Reisbauern und Exporteure damit Schwierigkeiten, auf dem Weltmarkt finanziell konkurrenzfähig zu sein. Da sich die Unterschiede in den vergangenen Jahren herausgebildet haben, strebt Thailand zunächst mal nicht die Rückkehr an die Weltspitze an. Schritt für Schritt sollen verlorene Marktanteile zurückgewonnen werden.

Nun wird also Weizen für viele arme Nationen zunehmend unbezahlbar. Zur Gewährleistung der Ernährungssicherheit, sprich: der Abwendung von Hungersnöten, könnten ärmere Nationen auf Reisimporte setzen. Das spielt den Akteuren in Thailand in die Hände. Die allgemeine wirtschaftliche Erholung lässt sie zusätzlich neue Hoffnung schöpfen. In den vergangenen beiden Jahren sorgte die Coronakrise für erhebliche Belastungen bei Produktion und Export. Bestimmte Restriktionen führten zu einem Mangel an Arbeitskräften, ferner zu Engpässen bei Containern und zu höheren Transportkosten. Auch mit solchen Schwierigkeiten kam die Branche in Indien und Vietnam zum Teil besser zurecht.

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