75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Donnerstag, 20. Januar 2022, Nr. 16
Die junge Welt wird von 2602 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 29.12.2021, Seite 16 / Sport
Skispringen

Geflogen wird nicht

Wieder ohne Zuschauer vor Ort und weiter ohne Springerinnen: In Oberstdorf beginnt die Vierschanzentournee
Von Gabriel Kuhn
imago1008826795h.jpg
Dem Sieger der neuerlichen Geistervierschanzentournee winkt ein Rekordpreisgeld von fast 100.000 Euro (Audi-Arena in Oberstdorf)

Am Mittwoch findet in der südlichsten Gemeinde Deutschlands, Oberstdorf, das Auftaktspringen der 70. Vierschanzentournee statt. Zuschauer wird es in Oberstdorf, wie schon im vorigen Jahr, keine geben. Auch nicht beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und bei den Springen der österreichischen Tourneehälfte am 4. Januar in Innsbruck und am 6. Ja­nuar in Bischofshofen. Obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz in Österreich mit der in Bayern zu vergleichen ist und im Bundesland Tirol sogar noch höher liegt, warteten die österreichischen Behörden mit ihrer Entscheidung bis kurz vor knapp. Der Skitourismus wird als lebenswichtig erachtet, jede Werbung zählt. Einen Tag vor Weihnachten dann musste man sich angesichts der Ausbreitung von Omikron eingestehen, dass an gefüllte Skisprungstadien nicht zu denken ist.

Nachdem nun niemand als Corona­verharmloser dastehen wollte, legte der österreichische Skiverband direkt nach. Noch am selben Tag entließ er den Kotrainer des Damensprungteams, Romed Moroder, weil dieser eine Covid-Impfung verweigert. Auf die Vierschanzentournee hat das freilich keinen Einfluss. Die Damen dürfen nicht mitspringen, obwohl sie dies immer vehementer fordern. Ausgerechnet die Oberstdorferin Katharina Althaus steht dabei an vorderster Front.

Der letzte deutsche Tourneegesamtsieg (des heutigen TV-Experten Sven Hannawald) liegt 20 Jahre zurück – eine kleine Ewigkeit. Karl Geiger, auch er aus Oberstdorf, belegte vor zwei Jahren Rang drei, 2020/21 Rang zwei. Ist der Sieg heuer der nächste logische Schritt? Geiger führt immerhin nach neun von 27 Weltcupwettbewerben die Gesamtwertung recht komfortabel an. Fünfmal stand er bisher auf dem Podest, zwei Springen gewann er.

Als schärfster Konkurrent wird der Weltcupzweite und dreifache Saisonsieger Ryoyu Kobayashi aus Japan gehandelt. Aus dem eigenen Lager droht Geiger am ehesten Gefahr von Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf. Zweimal sprang der Tourneezweite von 2018/19 in dieser Saison im Weltcup aufs Podest. Zuletzt zeigte er sich jedoch völlig außer Form. Bei der Generalprobe für die Tournee, dem Weltcupspringen in Engelberg in der Schweiz, reichte es nur für die Ränge 27 und 35.

Das starke norwegische Team wird von Halvor Egner Granerud angeführt, dem Weltcupgesamtsieger des Vorjahres. Bei den Slowenen ist Anze Lanisek der Überraschungsmann der Saison. Als Weltcupvierter steht er so gut da wie noch nie. Stefan Kraft, im Jahr 2015 der letzte österreichische Sieger der Tournee, ist immer noch die größte Hoffnung der »Adler«. Der polnische Vorjahressieger Kamil Stoch zeigte sein Können in diesem Jahr im Weltcup bisher nur limitiert.

Neben Geiger und Eisenbichler besteht das deutsche Aufgebot aus Pius Paschke (WSV Kiefersfelden), Constantin Schmid (WSV Oberaudorf), Andreas Wellinger (SC Ruhpolding), dem 33jährigen Routinier Severin Freund (WSV-DJK Rastbüchl) sowie Stephan Leyhe (SC Willingen). ­Leyhe ist als Hesse der einzige Nichtbayer im Team. In Garmisch-Partenkirchen werden auch Athleten aus der zweiten Reihe als sogenannte nationale Gruppe eine Chance bekommen. In Oberstdorf macht der österreichische Cheftrainer des DSV-Teams, Stefan Horngacher, von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch. Das erlaubt ihm, bei einem späteren Weltcupspringen in Deutschland noch einmal eine »nationale Gruppe« aufzubieten. In Frage kommen dafür die Springen in Titisee-­Neustadt und Willingen im Januar sowie das Skifliegen in Oberstdorf Mitte März.

Geflogen wird auf der Schattenberg-Schanze in Oberstdorf nicht, doch vielleicht gelingt es einem Teilnehmer, den Schanzenrekord von 143,5 Metern zu überbieten. Dieser wurde vom Norweger Sigurd Pettersen 2003 aufgestellt – auch das eine Weile her. Ein neuer Rekord könnte gar den Weg zum Tourneegesamtsieg ebnen. Dieser zahlt sich finanziell besonders aus. Erstmals sind für den Sieg beinahe 100.000 Euro Preisgeld ausgeschrieben.

Zeitung für Internationale Solidarität

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die zeit ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern tun.

Um dieses Jubiläum entsprechend zu würdigen, hat die junge Welt die 75er-Aktion gestartet. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Mehr aus: Sport