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Aus: Ausgabe vom 15.12.2021, Seite 2 / Ausland
Ehemalige Besatzungsmacht

Kriegsverbrechen ungesühnt

Pentagon sieht »tragischen Fehler«: Keine Konsequenzen für US-Militärs nach Drohnenangriff mit zehn toten Zivilisten in Afghanistan
Von Emre Şahin
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Tod per Knopfdruck: US-Drohne in Kandahar (23.1.2018)

Die Verantwortlichen für einen US-Drohnenangriff, bei dem Ende August in Kabul zehn Zivilisten getötet wurden, kommen straffrei davon. In einem Untersuchungsbericht der Vereinigten Staaten, den Verteidigungsminister Lloyd Austin bereits gebilligt hat, werden keine disziplinarischen Schritte empfohlen. Das erklärte Ministeriumssprecher John Kirby am Montag (Ortszeit) in Washington, berichtete AFP. Bei dem Angriff am 29. August waren kurz vor dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan drei Männer und sieben Kinder in einem Auto getötet worden. Die US-Streitkräfte hatten Mitte September von einem »tragischen Fehler« gesprochen. Austin entschuldigte sich und ordnete damals die Untersuchung an.

Ursprünglich hatte das US-Militär mitgeteilt, die Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) habe mit dem Fahrzeug einen Sprengstoffanschlag auf den Kabuler Flughafen begehen wollen. In dem Wagen habe sich »eine große Menge Sprengstoff« befunden, dessen Explosion womöglich zu weiteren Opfern geführt habe, so dpa. Anfang November kam die US-Armee bereits nach ersten Untersuchungen zu dem Schluss, der Drohnenangriff habe keinen Verstoß gegen das Kriegsrecht dargestellt. Vielmehr hätten »Ausführungsfehler« in Verbindung mit Problemen bei der Kommunikation zum »bedauerlichen« Tod von Zivilisten geführt.

Auch nach dem US-Abzug und der Machtübernahme der islamistischen Taliban im August ist in Afghanistan kein Ende der Gewalt in Sicht. Die Vereinten Nationen erklärten am Dienstag, glaubwürdige Berichte über mehr als 70 außergerichtliche Tötungen durch Mitglieder der Miliz in dem Land erhalten zu haben. Zwischen August und November habe es den Angaben nach mehr als 100 Morde an ehemaligen Einsatzkräften und anderen mit der früheren Regierung in Verbindung stehenden Personen gegeben, erklärte die Vize-UN-Menschenrechtskommissarin Nada Al-Nashif. Mindestens 72 davon seien von den Taliban verübt worden. »In mehreren Fällen wurden die Leichen öffentlich zur Schau gestellt. Dies hat die Angst in diesem großen Teil der Bevölkerung noch verstärkt«, so Al-Nashif vor dem UN-Menschenrechtsrat.

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