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Aus: Ausgabe vom 10.12.2021, Seite 16 / Sport
Bobsport

Immer schön locker bleiben

Stand der Dinge im Bobsport
Von Gabriel Kuhn
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Wer will da nicht auch mal runterrutschen? Bei Olympia stürzt sich die Bobelite ins neue »Yanqing National Sliding Center«

Am Wochenende kommt es im Eiskanal von Winterberg in Nordrhein-Westfalen zum ersten von zwei Rennwochenenden im Bobweltcup. Anfang Januar wird die Bobelite hier ein zweites Mal zusammenkommen. Für Bobfahrer ist das nichts Ungewöhnliches. Die Zahl der Kunsteisbahnen ist weltweit nicht groß, man trifft sich immer wieder an den gleichen Orten. Auch in Altenberg in Sachsen gibt es in dieser Saison zwei separate Weltcupveranstaltungen.

Nicht in der Liste der Veranstaltungsorte steht in dieser Saison der Königssee. Die dortige Kunsteisbahn, die älteste Deutschlands, wurde im Juli durch einen von starken Regenfällen ausgelösten Erdrutsch schwer beschädigt. Die bayerische Landesregierung hat den Wiederaufbau versprochen, doch dieser kann Jahre dauern. Die Hänge rund um die Bahn müssen abgesichert werden, und es stehen zahlreiche Prüfungen durch das Umweltamt bevor.

Die für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) im Weltcup an den Start gehenden Athleten ließen sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Seit dem Weltcupauftakt in Innsbruck-Igls Ende November dominieren sie die Rennen. Acht von neun Wettbewerben konnten sie gewinnen. Nur die US-amerikanische Bobikone Kaillie Humphries konnte im Zweierbobwettbewerb der Frauen am vorigen Wochenende in Altenberg die deutsche Konkurrenz bezwingen. Laura Nolte vom BSC Winterberg und ihre Anschieberin Deborah Levi, die die ersten beiden Weltcuprennen gewonnen hatten, landeten auf Platz zwei. Levi kommt, wie viele Anschieber, aus der Leichtathletik. Ihre Aufgabe ist es, den Bob in Fahrt zu bringen. Den Rest erledigen bei bis zu 140 Kilometern pro Stunde die Piloten.

Bei den Männern ist der erfolgreichste Bobpilot aller Zeiten, Francesco Friedrich vom BSC Sachsen Oberbärenburg, auch in diesem Weltcup bislang eine Klasse für sich. Sowohl im Zweierbob als auch im Viererbob konnte er alle Rennen für sich entscheiden. Der 31jährige Sachse ist elffacher Weltmeister und zweifacher Olympiasieger. Altenberg ist seine Heimatbahn.

Mitte der 1970er Jahre liefen die in Altenberg trainierenden DDR-Bobsportler den bundesdeutschen Konkurrenten aus Winterberg und Königssee den Rang ab. Nach dem Anschluss waren mit Rudi Lochner (WSV Königssee) und Christoph Langen (SpVgg Unterhaching) zwei Piloten aus dem Westen die erfolgreichsten deutschen Bobfahrer. Im Viererbob gab es jedoch starke Konkurrenz durch Wolfgang Hoppe vom WSV Oberhof 05 (ehemals ASK Vorwärts Oberhof). Es folgten Jahre der Dominanz durch die für den BSR Rennsteig Oberhof an den Start gehenden André Lange im Zweierbob und Maximilan Arndt im Viererbob. Dann kam die Zeit von Francesco Friedrich.

Bei den Frauen wird im Weltcup nur im Zweierbob gefahren. Dieser steht seit 1994 im Programm. Eine der ersten erfolgreichen Bobpilotinnen war die in Oberhof ausgebildete und später für den WSV Königssee startende Rennrodlerin Susi Erdmann. Erst später kam es auch bei den Frauen zu einer Spezialisierung. Sandra Kiriasis vom RSG Hochsauerland wurde in den 2000er Jahren mehrfache Weltmeisterin. Gegenwärtig ist neben Laura Nolte die für den TuS Eintracht Wiesbaden 1846 startende Kim Kalicki die stärkste Konkurrentin von Kaillie Humphries. Humphries wechselte 2018 nach langen Auseinandersetzungen vom kanadischen zum US-amerikanischen Bobverband.

Der Saisonhöhepunkt der Bobfahrer sind die Olympischen Spiele in Beijing. Außerhalb der Großereignisse kommt dem Bobsport wenig Aufmerksamkeit zu. Im Vergleich mit den Olympischen Spielen verblassen selbst die Weltmeisterschaften.

Für die Spiele 2022 wurde in Yanqing ein brandneuer Eiskanal errichtet, das »Yanqing National Sliding Center«. Offizielle Zahlen gibt es keine, doch der Bau soll mehr als zwei Milliarden Euro gekostet haben. Die als Generalprobe für Olympia gedachten Weltcuprennen im März 2021 mussten aufgrund der Coronapandemie abgesagt werden. Erst Ende Oktober fanden die ersten internationalen Testrennen statt. Friedrich stellte sowohl im Zweierbob als auch im Viererbob der Männer Bahnrekorde auf. Laura Nolte gewann im Zweierbob der Frauen. Bei den Olympischen Spielen steht erstmals auch ein Monobobwettbewerb der Frauen im Programm.

Friedrich zeigte sich von der neuen Bahn sehr angetan. Gegenüber der dpa erklärte er: »Inmitten des Xiaohaituo-Gebirges ist sie sowohl fahrerisch als auch touristisch ein Highlight.« Auch von den zu erwartenden Coronaregeln während der Olympischen Spiele lässt er sich nicht abschrecken: »Es gewinnt eh der, der am entspanntesten ist, der sich auf alle Gegebenheiten einstellen kann und nicht dran rummosert.«

Die Erwartungen für die Spiele sind im Lager der deutschen Bobfahrer hoch. Nach der Katastrophe von Sotschi 2014, wo man mit nicht konkurrenzfähigen Schlitten ohne Medaille blieb, holte man in Pyeongchang dreimal Gold: Friedrich im Zweierbob und Viererbob der Männer, Mariama Jamanka (BRC Thüringen) im Zweierbob der Frauen. Diese Medaillen gilt es gegen die Konkurrenz aus den USA, Kanada und Lettland zu verteidigen.

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