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Aus: Ausgabe vom 03.12.2021, Seite 15 / Feminismus
Trauer in Spanien

Große Worte zum Abschied

Am Sonnabend ist die spanische Schriftstellerin Almudena Grandes gestorben
Von Carmela Negrete
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Trauernde bei der Beerdigung von Almudena Grandes in Madrid

Spaniens Linke trauert. Am Sonnabend verstarb die studierte Historikerin und Schriftstellerin Almudena Grandes im Alter von 61 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Grandes, am 7. Mai 1960 in Madrid geboren, erlangte 1989 mit ihrem Debütroman »Lulú – Die Geschichte einer Frau«, einem Erotikroman, der als Reaktion auf die Prüderie der Franco-Diktatur gelesen werden kann, weltweite Bekanntheit. Auch in anderen ihrer insgesamt 15 Werke setzte sich Grandes, die Dutzende wichtige Preise gewonnen hat, immer wieder mit dem Erbe des spanischen Faschismus auseinander. Hinzu kommt eine Vielzahl an Kolumnen und Meinungsbeiträgen in Zeitungen, im Radio sowie im Fernsehen, in denen sie scharfzüngig politische Ereignisse kommentierte.

Am Sonntag erklärte der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE) und Mitglied der spanischen Koalitionsregierung, Enrique Santiago Romero, Grandes’ »Beitrag zur Geschichte Spaniens« sei »unersetzlich und ohnegleichen« gewesen. Insbesondere in der heutigen Zeit sei das besonders wichtig. »Es gibt wenige Menschen wie Almudena, die soviel geleistet haben für unser Land und seine Geschichte.« Daher sei der Schmerz über den Tod Grandes’ um so größer, »aber glücklicherweise, trotz des großes Verlustes, bleiben uns ihre Werke, die uns weiter begleiten werden und das öffentliche Leben in Spanien weiterhin mit ethischen und sozialen Inhalten füllen werden«.

Auch die Generalsekretärin der Linkspartei Podemos, Ione Belarra, ließ sich einen Besuch der Trauerfeier für Grandes nicht nehmen. Dabei erklärte sie, dankbar zu sein für »ihre Fähigkeit, unsere Gefühle und Vorstellungskraft zu bereichern«. Grandes habe Geschichten von jenen erzählt, »die für das kämpften, für das auch wir heute kämpfen: soziale Gerechtigkeit und Demokratie«. Belarras Vorgänger, der frühere Podemos-Chef Pablo Iglesias, hob in seiner Kolumne bei der Onlinezeitung Ctxt.es hervor, dass Grandes sich »mit einem patriotischen Engagement für den Antifaschismus einsetzte, das in ihrer Schriftstellergeneration selten war, und weitgehend den politisch dominierenden Interpretationen der spanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts widersetzte«.

Grandes bezog zeitlebens Position zu historischen und aktuellen Problemstellungen. Dabei war es ihr auch wichtig, als Feministin wahrgenommen zu werden. Dass Grandes’ Feminismusbegriff allerdings begrenzt blieb, zeigte sich beispielsweise an der von ihr immer wieder wiederholten Aussage, »der Feminismus ist die einzige Revolution gewesen, die bis heute erfolgreich gewesen ist«. Für diesen Erfolg sei entscheidend gewesen, dass es sich um eine »transversale Bewegung« gehandelt habe, der Menschen aus unterschiedlichen Klassen angehörten.

Am Dienstag wurde Grandes auf dem Cementerio Civil in Madrid im Beisein ihres Lebenspartners und Vaters ihrer drei Kinder, Luis García Montero, und des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez sowie Hunderter Trauernder beerdigt. Viele von ihnen hatten Bücher der Schriftstellerin mitgebracht.

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