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Aus: Ausgabe vom 30.11.2021, Seite 7 / Ausland
#UnblockCuba

Tragikomisch wie Guaidó

»Strategische Allianz«: Von westlichen Medien hofierter kubanischer Systemgegner auf Tour in Spanien
Von Volker Hermsdorf
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Unterstützer der kubanischen Regierung singen und protestieren vor dem Wohnort des Contras Yunior García Aguilera in Havanna (14.11.2021)

Der kubanische Systemgegner Yunior García Aguilera hat in Spanien eine »strategische Allianz« der oppositionellen Kräfte in Kuba, Venezuela und Nicaragua angekündigt. Ein solches »Bündnis« von Aktivisten, die »mit der gleichen Diktatur konfrontiert sind«, könne dazu beitragen, »die Realität in Kuba zu verändern«, erklärte er in einer am Sonnabend von der Nachrichtenagentur Europa Press veröffentlichten Meldung. Nach Zusammenkünften mit Vertretern der spanischen faschistischen Partei Vox und der postfranquistischen Volkspartei (PP) hatte der am 18. November in Madrid gelandete Mitbegründer der Contra-Plattform »Archipiélago« Ende vergangener Woche auch den vor gut einem Jahr vor der venezolanischen Justiz nach Spanien geflohenen rechten Oppositionspolitiker Leopoldo López getroffen.

Durch die Verbindung mit López, der für zahlreiche Todesopfer bei Straßensperren, sogenannten Guarimbas, von 2014 in Venezuela verantwortlich sei, könne man »das Stück«, das Garcia »in Kuba inszenieren wollte, besser verstehen«, kommentierte das kubanische Onlineportal Cubadebate am Sonntag. López war 2015 wegen Anstachelung zur Gewalt zu knapp 14 Jahren Haft verurteilt worden. Nachdem er aus dem Hausarrest geflohen war und sich im April 2019 an einem gescheiterten Putschversuch beteiligt hatte, verschwand er im Oktober vergangenen Jahres mit Unterstützung der spanischen Botschaft in einer Nacht-und-Nebel-Aktion illegal aus dem Land. Seitdem setzen er und sein Vater Leopoldo López Gil, ein EU-Abgeordneter der PP, sich für verschärfte EU-Sanktionen gegen Venezuela ein.

Auch Garcías Ausreise wurde von spanischen Diplomaten organisiert. Der zuvor unbekannte Dramaturg war in den vergangenen Wochen als »Hauptinitiator neuer Massenproteste« in Kuba zunehmend in westlichen Medien präsent. Als die für den 15. November angekündigten »landesweiten Demonstrationen« mangels Beteiligung nicht stattfanden, setzte García sich einen Tag später nach Spanien ab, um – wie er sagte – »neue Kräfte zu sammeln«. Fotos, die dokumentieren, wie der angeblich verfolgte Systemgegner ungehindert mit einem großen Rollenkoffer durch den Terminal 3 des Flughafens »José Martí« von Havanna spaziert, widerlegten Falschmeldungen, García stünde unter »Hausarrest«.

Nach seiner Ankunft in Madrid wurde der neue Star der Dissidentenszene unter anderem von Politikern von Vox und PP begrüßt. Beide Parteien hatten sich im September und zuvor bereits im Juli mit Vorstößen im EU-Parlament für den Abbruch des Dialogs zwischen Brüssel und Kuba stark gemacht und Sanktionen gegen die sozialistische Inselrepublik gefordert. Entsprechende Anträge waren unter anderem von López Gil formuliert worden.

Am Sonnabend wies auch US-Außenminister Antony Blinken einen Dialog mit der kubanischen Regierung kategorisch zurück. »Bei jeder Gelegenheit hat das Regime die Chance zum Dialog vertan und sich auf eine bankrotte Ideologie und ein gescheitertes Wirtschaftssystem versteift, das die Grundbedürfnisse der Kubaner nicht erfüllen kann«, zitierte der staatliche US-Propagandakanal Radio und TV Martí eine Erklärung Blinkens.

Ähnlich wie Juan Guaidó, der sich mit Unterstützung Washingtons selbst zum Übergangspräsidenten von Venezuela ernannt hatte, droht García zu einer tragikomischen Schachfigur der US-Strategen zu werden. Und wie Guaidó verkennt er seine Rolle. In Kuba habe er sich gefühlt »wie ein Jude in Nazideutschland«, erklärte er in einem Interview der spanischen Tageszeitung El Mundo am 18. November. Trotzdem werde er dorthin zurückkehren, um seine »Mission zu erfüllen«, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Reuters am selben Tag. Der spanischen Onlinezeitung The Objective verriet García am Sonnabend, es gehe ihm »nicht darum, in die Geschichte einzugehen, eine Straße oder eine Marmorstatue in einem Park zu bekommen, sondern die Dinge zu verändern«.

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