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Aus: Ausgabe vom 25.11.2021, Seite 5 / Inland
Energieökonomie

Gegen Panikmache von Lobbyisten

Studie des Wirtschaftsinstituts DIW: Stromversorgung nach Atomausstieg gewährleistet
Von Jens Walter
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Wird sich weiterdrehen (Stromzähler)

Die Energiepreise sind hoch, der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist im neuen Koalitionsvertrag auf 2030 vorgezogen – da trommeln zuständige Interessenvertreter verstärkt für den Weiterbetrieb der hierzulande sechs verbliebenen Atomkraftwerke. Gingen diese Meiler wie geplant vom Netz – drei zum 31.12.2021, die letzten drei ein Jahr später –, stünde Deutschland sicherlich bald im Dunkeln, wird da geraunt. Eine Studie zur Zerstreuung solcher Befürchtungen wurde am Mittwoch in Berlin vom unternehmernahen Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vorgestellt.

Nach einem planmäßig vollendeten Atomausstieg Ende 2022 gebe es »ausreichende Kapazitäten«, um die Versorgung zu gewährleisten, lautet das Fazit der Untersuchung von Wissenschaftlern um die Energieökonomin Claudia Kemfert (Uni Lüneburg, DIW). Im vergangenen Jahr seien etwa vier Prozent – 20 Terawattstunden – des in Deutschland produzierten Stroms exportiert worden, erläutern die Autoren. Zudem sei die Bundesrepublik in das europäische Stromsystem eingebunden. Unter dem Strich seien vor diesem Hintergrund »keine Beeinträchtigungen der Versorgungssicherheit zu befürchten«.

Die Wissenschaftler um Kemfert plädieren nicht nur für die Beibehaltung des Atomausstiegs, sondern auch dafür, sämtliche Subventionen für Kernenergie endgültig zu streichen und sich auf die Suche nach einem Endlager für die entstandenen hochradioaktiven Abfälle zu konzentrieren. Die Abschaltung der Meiler sei letztlich eine »Notwendigkeit« für einen Erfolg bei der Suche.

Der Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022 folgt einer Entscheidung aus dem Jahr 2011. Zum Ende dieses Jahres sollen die Meiler Brokdorf (PreussenElektra/Vattenfall), Grohnde (PreussenElektra/Stadtwerke Bielefeld) und Gundremmingen C (RWE) vom Netz gehen. Für Ende des kommenden Jahres ist die Stillegung der letzten drei AKW beschlossen: Emsland (RWE), Isar/Ohu 2 (PreussenElektra/Stadtwerke München) und Neckarwestheim 2 (EnBW/Land Baden-Württemberg). Für die Lagerung der Hunderttausende Jahre lang strahlenden Abfälle haben die Konzerne vergleichsweise mickrige Summen hinterlegt, das Restrisiko ist sozialisiert.

Noch werden etwa elf Prozent der Stromversorgung des Landes mittels Kernenergieanlagen bewerkstelligt; dass deren Wegfall Versorgungsengpässe entstehen lasse, halten Kemfert und Kollegen für reine Panikmache: »Nachdem die Abschaltung älterer Kernkraftwerke seit dem Jahr 2011 weitgehend lautlos erfolgte, ist auch für die nächsten beiden Jahre nur mit geringen Auswirkungen auf das Stromsystem zu rechnen.«

Die Autoren halten den beschleunigten Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energieträger für geboten. In den kommenden beiden Jahren sei mit steigenden CO2-Emissionen aus dem Stromsektor zu rechnen, die nur über mehr Solar- und Windenergie kompensiert werden könnten. Die Versorgungssicherheit sei auch mittelfristig nicht gefährdet, sofern das Stromsystem »rasch auf erneuerbare Energieträger in Verbindung mit Speichern und Flexibilitätsoptionen« umgestellt werde. An den technischen Lösungen arbeiten die genannten Energiekonzerne.

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