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Aus: Ausgabe vom 24.11.2021, Seite 10 / Feuilleton

Draehn, Wüste, Michaelis, Freihof, Goyke

Von Jegor Jublimov
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Schon als Kind kreativ: Sänger Dirk Michaelis, der am 26. November 60 wird

Das war ein Arbeiter, wie ihn die DDR brauchen konnte! Der Rostocker Heinz Draehn war Automechaniker, dann Hafenarbeiter, und er baute eine Kabarettgruppe auf, die 1954 in der hauptstädtischen »Distel« auftrat. Hier blieb er bis zum Renteneintritt ein vielseitiger Darsteller: junger Pionier oder vertrottelter Opa, Militarist, Zirkusdompteur, Parteisekretär. Letzteres war er auch im wahren Leben in der »Distel«, auch BGL-Vorsitzender. Weil er sich da nicht immer richtig entschied, hat er sich – anders als andere – später bei Kollegen entschuldigt. Seine bekannteste Kinorolle spielte er 1959/60 in »Maibowle« und »Silvesterpunsch« als Brigadier in einem fortschrittlichen Chemiewerk. Große Popularität erlangte er, als ihm Autor Hans Krause zahlreiche gereimte Monologe als »Kuddeldaddeldu« im Ringelnatz-Stil schrieb. Viele davon gab er in der langlebigen Sendereihe »Klock 8, achtern Strom« aus dem Ostseestudio Rostock zum besten. Er starb 2010 kurz vor seinem 89., am Sonntag ist sein 100. Geburtstag.

Ebenfalls ein Arbeiter, den es in die Medien zog, ist Werner Wüste. Sein Vater wurde von den Nazis verfolgt, und nach dem Krieg arbeitete Sohn Werner im Schlepperwerk Brandenburg, ehe er den Dienst bei der deutschen Grenzpolizei antrat und 1956 bis 1961 an der Babelsberger Filmhochschule Regie studierte. Praktischerweise ging es 1958 in seinem ersten Film »Alarm« um die Einsatzbereitschaft der Grenzpolizei. Weil Wüste neben vielen anderen Aufgaben auch als Chefredakteur bei der Defa-Wochenschau »Der Augenzeuge« arbeitete und bald einen Betriebsteil des Dokumentarfilmstudios leitete, hat er erst gegen Ende seiner Laufbahn wieder eigene Filme gedreht. Am Montag ist er 90 geworden.

Im Februar 1961 müssen sich wohl viele kreative Paare besonders lieb gehabt haben – jedenfalls wurden neun Monate danach Kinder geboren, die erfolgreiche Künstler wurden. Einer davon ist der Sänger Dirk Michaelis. Er wuchs als Stiefsohn des Namensgebers des Gerd-Michaelis-Chors in einem musikalischen Elternhaus auf. Schon als Kind erfand er die Melodie des Stückes, das heute überall mitgesungen werden kann: »Als ich fortging«. Den Text schrieb ihm viel später Gisela Steineckert, als Michaelis bereits als Musiker und Sänger der Gruppe Karussell ein Liebling (nicht nur) des jungen Publikums wurde. Mittlerweile verfolgt er andere Projekte, für die er auch selbst textet. Am Freitag hat er Geburtstag, er wird 60.

Wer Matthias Freihof noch mal 59jährig treffen will, sollte diesen Mittwoch ins Berliner Kino »Toni« gehen, tags drauf ist sein Geburtstag. Er stellt seinen berühmtesten Film »Coming out« vor, in dem er 1989 einen jungen Lehrer spielte, der sich seiner Homosexualität bewusst wird. Freihof war damals schon ein beliebter Schauspieler, 1986 für seine Mitwirkung im Film »Ernst Thälmann« mit dem Kunstpreis der FDJ ausgezeichnet. Mit kabarettistischen Programmen mischte er mit Freunden den Jugendtreff im Palast der Republik auf. Er ist nicht nur ein vortrefflicher Serienschauspieler (»Siska«, 1998–2003), sondern beherrscht auch die Chansons von Jacques Brel meisterhaft.

Wie Freihof macht der Autor Frank Goyke kein Hehl daraus, dass er gleichgeschlechtlich liebt, oft mit Schmerzen und Verzicht. Das hat er in einigen seiner Bücher bekannt, aber auch die Liebe als Kraft findet sich bei ihm (»Felix, mon amour«, 1996). Sein Hauptgebiet war immer der Krimi, und gerade im historischen Ambiente ist ihm viel Spannendes gelungen. Inzwischen erkundet der gebürtige Rostocker seine Berliner Wahlheimat literarisch, zuletzt »Berlin am Wasser«: Spreeluft für den seit diesem Mittwoch 60jährigen.

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