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Aus: Ausgabe vom 13.11.2021, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Wir können das

Von Arnold Schölzel
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In der FAZ eröffnet China-Wirtschaftskorrespondent Hendrik Ankenbrand am Montag eine Aufregerwoche. Der letzte Satz seines Leitartikels auf Seite eins lautet: »China gehört an den Pranger.« Da stellt es Ankenbrand in seinen Texten zwar ständig hin, aber offenbar muss mehr Luft durch sein journalistisches Blasinstrument gejagt werden. Ankenbrand sagt dort regelmäßig Niedergang, Stagnation oder Zusammenbruch der Ökonomie des 1,4-Milliarden-Volkes voraus. Die Arbeit eines FAZ-Korrespondenten macht sich fast von allein.

Anlass für seinen Aufruf ist Chinas Auftritt auf der Klimakonferenz in Glasgow: alles Propaganda, eine »Paradedisziplin der Kommunistischen Partei«. Auf die gründe sich »die Hoffnung, Chinas Führung habe die Gefahr des Klima­wan­dels längst erkannt und werde die Emis­sio­nen auch ohne große Verspre­chen schnel­ler senken«. Beijing habe es »geschafft, der Welt einzu­re­den, dass die Zukunft in China liege und seine Führung im Gegen­satz zum Westen in langen Linien denke«. In Wirklichkeit aber sei deren »Klima­po­li­tik der vergan­ge­nen Jahre keines­wegs Ergebnis einer kohä­ren­ten Stra­te­gie, sondern ein Neben­ef­fekt drän­gen­der Proble­me über die schlech­te Luft hinaus: etwa der Sorge, von Ener­gie­im­por­ten aus dem Ausland abhän­gig zu werden, sowie dem ökono­mi­schen Zwang, das auf Export ausge­richtete Wirtschaftsmodell zu refor­mie­ren, das viel Indus­trie, aber wenig Inno­va­tio­nen hervor­ge­bracht« habe. Liest sich, als hätte Ankenbrand das einem Text zur deutschen Wirtschaftspolitik entnommen.

Am Mittwoch abend stellt sich jedenfalls heraus, dass die USA auf die Klimashow der Chinesen hereinfielen und mit ihnen ein »Rahmenabkommen« für Kooperation in der Klimapolitik schlossen. 30mal hatten sich die Beauftragten beider Länder dafür in den vergangenen Monaten getroffen. Ankenbrand bekam nichts mit und bleibt an seinem »Pranger« sogar im eigenen Blatt sitzen. Denn der außenpolitische Kommentator Klaus-Dieter Frankenberger nennt die Vereinbarung am Freitag in der FAZ »eine gute, ermu­ti­gen­de Nach­richt«.

Wenigstens die Taz bleibt auf Ankenbrand-Linie und schreibt von »Symbolpolitik«. Im Grünen-Blatt weiß man, dass dem Chinesen die Deutschstunde geschlagen hat. Das gibt jedenfalls der ehemalige Kanzlerinnenberater und bis Juni 2021 UN-Botschafter Christoph Heusgen am Donnerstag im Zeit-Interview richtlinienmäßig bekannt: »Viele Staaten können es sich eben nicht erlauben, sich mit China oder auch Russland anzulegen. Wir können das.« »Wir« können nämlich Erfahrung mit beiden Schurkenvölkern vorweisen – von der »Hunnenrede« des Kaisers 1900 und dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 bis zur Drohung mit Atomwaffen 2021.
Da ist Ankenbrand dabei: »Peking ist für Druck empfänglich, weil es sich ange­sichts seiner zuneh­men­den Isola­ti­on eigent­lich nicht leis­ten kann, sein Gesicht auch noch beim Kampf gegen den Klima­wan­del zu verlie­ren.« Am Freitag bestätigt ihm das auf faz.net die politische Korrespondentin der Zeitung in Beijing, Friederike Böge. Sie schreibt zu einem Beschluss des ZK der KP Chinas, in dem u. a. steht, es gehe darum »Chinas Einfluss auf den globalen Diskurs zu stärken«: »Das umfasst Instrumente wie Desinformationskampagnen ebenso wie Bemühungen, Xi Jinpings ›Philosophie‹ in UN-Dokumenten zu verankern. Die ideologische Verhärtung, die sich nicht erst in der neuen Resolution zeigt, dürfte die Selbstisolation Chinas in der Welt beschleunigen.«

So hat am Ende nur einer Woche die FAZ China zwar wegen der perfiden Amis nicht an den Pranger gebracht, aber in die Ecke gedrängt: Beijing ist isoliert, im Grunde von der Welt abgeschnitten. Weil »wir« das können.

»Wir« können nämlich Erfahrung mit beiden Schurkenvölkern vorweisen – von der »Hunnenrede« des Kaisers 1900 und dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 bis zur Drohung mit Atomwaffen 2021.

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