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Aus: Ausgabe vom 13.11.2021, Seite 8 / Ausland
Lage in Mali

»Über unsere Staatsführung entscheidet das malische Volk«

Westafrikanisches Land von Krisen gebeutelt. Hoffnung auf Zusammenarbeit mit Russland. Ein Gespräch mit Choguel Maïga
Interview: Andrei Doultsev
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Besuch in Moskau: Der malische Außenminister Abdoulaye Diop neben seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow (11.11.2021)

Die Lage in Mali ist von Krieg und Krisen gekennzeichnet. Westliche Truppen sind im Rahmen einer UN-Mission in dem westafrikanischen Land stationiert, darunter auch die Bundeswehr. Nach wochenlangen Massenprotesten kam es im August 2020 zu einem Militärputsch. Seitdem ist eine Übergangsregierung an der Macht. Was bedeutet der Kampf des malischen Volks um seine Souveränität?

Der Staat hat die Kontrolle über den Norden unseres Landes verloren. Terroristen von überall her haben sich dort festgesetzt. Heute gibt es zwei aktive terroristische Gruppen: Im Norden ist es Al-Qaida, im Osten der »Islamische Staat«. Die Besetzung kostet uns täglich Menschenleben und zwingt viele zur Flucht. Die Frage der Handlungsfähigkeit des Staates in seinem gesamten Hoheitsgebiet ist heute ein brennendes Thema.

Was ist die Hauptaufgabe Ihrer Regierung?

Die besteht darin, die aktuelle Sicherheitskrise zu überwinden und die Souveränität Malis wiederherzustellen. Wir arbeiten verstärkt an der Ausbildung unserer Militärs und an einer besseren Ausrüstung der Armee und der Sicherheitskräfte, um alle terroristischen Gruppen und separatistischen Bewegungen, alle Feinde Malis aus dem Land zu vertreiben. Sobald diese Mission erfüllt ist, werden wir demokratische Wahlen durchführen, bei denen das malische Volk über seine Zukunft bestimmen und eine neue Regierung wählen wird.

Was ist Ihre Vision der sozialökonomischen Entwicklung Ihres Landes?

Wirtschaftliche und soziale Fragen sind Themen, mit denen sich jede Regierung täglich auseinandersetzen muss. Dabei geht es um die Versorgung der Bevölkerung mit grundlegenden sozialen Dienstleistungen: Gesundheitsversorgung, Schulbildung, Zugang zu Wasser, Verwaltungswesen. Sobald wir die Sicherheit in unserem Land wiederhergestellt und Wahlen durchgeführt haben, werden Entscheidungen über die weitere wirtschaftliche und soziale Entwicklung von höchster Priorität sein.

Was erwarten Sie von der Entwicklung internationaler Beziehungen auf wirtschaftlicher Ebene?

Auf wirtschaftlicher Ebene brauchen wir Partner, die Verständnis für unsere Schwierigkeiten aufbringen. Unsere Priorität ist die Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen mit allen Ländern, die Mali freundschaftlich und auf Augenhöhe behandeln werden, die sich nicht in unsere inneren Angelegenheiten einmischen oder die nicht versuchen, nach eigenem Ermessen Personen an unsere Staatsspitze zu setzen. Über unsere Staatsführung entscheidet das malische Volk selbst, und sie soll in dem Dienst seiner Interessen stehen.

Wirtschaftlich gesehen produziert unser Land Baumwolle von hoher Qualität, ist reich an Gold und stellt eine ganze Reihe an landwirtschaftlichen Erzeugnissen her. Industriell ist Mali nicht ausreichend entwickelt. Daher brauchen wir ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum.

Mit welchem Land arbeiten Sie gut zusammen?

Besonders hervorzuheben sind die Beziehungen zwischen dem malischen und dem russischen Volk. Nachdem unser Land 1960 seine Unabhängigkeit erlangt hatte, war die Sowjetunion einer seiner wichtigsten wirtschaftlichen und militärischen Partner. Viele unserer Spitzenfachkräfte haben in der UdSSR studiert, mehr als 80 Prozent der Offiziere unserer Armee wurden dort ausgebildet, mehr als 80 Prozent unserer Militärausrüstung ist sowjetischen oder russischen Ursprungs.

Wir brauchen auch heute die Freundschaft Russlands, denn wir befinden uns in einer Situation, in der wir zunächst die Integrität unseres Territoriums wiederherstellen und den Terrorismus bekämpfen müssen. Ohne Sicherheit können wir nicht von Schulen, Nahrungsmitteln oder Entwicklung sprechen. Wir zählen sehr auf die Russische Föderation, mit der wir ein Kooperationsabkommen abgeschlossen haben, damit wir unsere Armee ausrüsten und ausbilden können.

Choguel Kokalla Maïga ist seit dem 4. Juni 2021 Premierminister von Mali

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