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Aus: Ausgabe vom 05.11.2021, Seite 8 / Ansichten

Kindermörder des Tages: US-Drohnenkommando

Von Arnold Schölzel
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US-amerikanische Drohne vom Typ »MQ-9« in Kandahar (Afghanistan)

Am 29. August tötete eine von einem US-Stützpunkt in Katar aus gelenkte Kampfdrohne in Kabul zehn Menschen aus zwei Familien, darunter sieben Kinder. Tagelang behauptete das US-Militär, es habe ein IS-Fahrzeug, das Sprengstoff transportierte, getroffen. Mitte September bezeichnete es angesichts der Tatsachen den Angriff als »Fehler« und »Unfall«, leitete aber eine interne Untersuchung ein. Am Mittwoch (Ortszeit) gab deren Leiter, Luftwaffengeneral Sami Said, in Washington auf einer Pressekonferenz im Pentagon einige Details des insgesamt als geheim eingestuften Ermittlungsberichts preis. Seine Bewertung der ­Attacke – »Fehler«, »keine Verletzung von Gesetz oder Kriegsrecht«, »kein Fehlverhalten« etc. – schmückte er mit Wortgirlanden wie »zuwenig Zeit«, »unmittelbare Gefahr« und »nachlassende Aufmerksamkeit« – es wirkte wie aus dem »Wörterbuch des Unmenschen« zitiert.

Der Generalleutnant räumte unter anderem zwei Sachverhalte ein, die den Vorfall als das charakterisieren, was Joystick-Operationen aus einer Entfernung von Tausenden Kilometern sind: mordgeile Hightech-Barbarei. Die brachte Friedensnobelpreisträger Barack Obama einst zur Entfaltung. Zum einen offenbarte Said nun, dass auf den Echtzeitbildern, die der Kommandozentrale in Katar damals übermittelt wurden, zwei Minuten vor Auslösen der Rakete ein Kind zu sehen war. Das habe dort niemand wahrgenommen. Zum anderen: Das getroffene Auto war zuvor acht Stunden lang von US-Geheimdiensten kreuz und quer auf seiner Fahrt durch Kabul verfolgt worden. Bei der Explosion war es in einem Wohngebiet geparkt, drei Kilometer vom Flughafen, dessen US-Besatzung angeblich unmittelbar bedroht war, entfernt.

Konsequenzen soll der »Fehler« nicht haben. Said sprach ein paar »Empfehlungen« aus. In Zukunft soll aufmerksamer umgebracht werden. Im Pentagon geht’s voran.

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin ( 6. November 2021 um 09:12 Uhr)
    Nobelpreislegitimierte »mordgeile Hightech-Barbarei« – geht denn so etwas »unter Freunden« westlicher Werte? Na klar, überhaupt kein Problem! Wird doch unser aller »Freiheit« auch am Hindukusch schon seit Jahrzehnten tapfer verteidigt; woraus sich im Umkehrschluss ableiten lässt, wie gefährlich afghanische Zivilisten und besonders Kinder für unsere »freiheitlich demokratische Grundordnung« sein müssen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen ( 5. November 2021 um 13:46 Uhr)
    Ein wesentlicher Grund, warum man da wohl drauf verzichtet hat, lieber fünfmal zu prüfen, bevor man eine Bombe in ein Wohngebiet wirft, war natürlich auch, dass kurz nach dem Anschlag am Flughafen, bei dem 13 US-Amerikaner*innen ihr Leben verloren haben, Biden, bzw. seine Regierung arg unter Druck standen, Härte zu zeigen und zurückzuschlagen. Und was sind schon ein paar tote Kinder mehr oder weniger auf dem Leichenberg des Imperiums.

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