75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Donnerstag, 9. Dezember 2021, Nr. 287
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 25.10.2021, Seite 7 / Ausland
Russland und Israel

Rückflug verschoben

Demonstrativ freundschaftlich: Treffen Putins und Bennetts in Sotschi
Von Knut Mellenthin
imago0139590611h.jpg
Israels Premier Naftali Bennett und Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag in Sotschi

Das Verhältnis zwischen Russland und Israel wird trotz Interessengegensätzen und Meinungsverschiedenheiten auch nach dem Regierungswechsel in Jerusalem eng und freundschaftlich bleiben. Das ist jedenfalls die Botschaft, die vom Treffen zwischen Präsident Wladimir Putin und Premierminister Naftali Bennett ausgeht, das am Freitag in Sotschi am Schwarzen Meer stattfand.

Es war Bennetts erster Besuch in Russland, seit er am 13. Juni das Amt des Regierungschefs übernommen hat. Mit seinem Vorgänger Benjamin Netanjahu hatte Putin viele Jahre lang demonstrativ vertraute und nahezu freundschaftliche Beziehungen gepflegt. Dass er daran unmittelbar anknüpfen will, machte der russische Präsident schon durch die Länge des ersten Treffens nach außen hin deutlich: Aus zwei Stunden, auf die sich die israelische Seite eingerichtet hatte, wurden fünf. Die ursprüngliche Planung hätte Bennett, der der erste orthodoxe Premierminister in der Geschichte des zionistischen Staates ist, ausreichend Zeit gelassen, um vor Beginn des Schabbats nach Israel zurückzufliegen. So aber verbrachte er den Feiertag noch in Sotschi und reiste erst am Abend ab.

Beim gemeinsamen Presseauftritt vor Beginn ihres Treffens hatte Putin davon gesprochen, dass die beiden Staaten seit der Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen vor fast auf den Tag genau 30 Jahren ein Verhältnis zueinander entwickelt hätten, das »in gewisser Weise einzigartig« sei. Zum einen habe die Sowjetunion bei der Staatsgründung Pate gestanden. Außerdem gebe es in Israel vermutlich die größte russischsprachige Gemeinschaft im Ausland. Und überhaupt: »Wir fühlen eine besondere Wärme gegenüber diesem Volk.«

In seiner Erwiderung konzentrierte sich Bennett deutlich emotional auf »die ungeheuren Anstrengungen, die vom Volk Russlands und der Roten Armee unternommen wurden, um den Sieg über Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg zu erreichen«. »Im Namen unseres Landes und unseres gesamten Volkes« sprach er zum Schluss Putin persönlich als »sehr lieben und wirklichen Freund des Staates Israel und des jüdischen Volkes« an. Dass man über die wirtschaftliche Zusammenarbeit, den Ausbau des Handels sowie die Lage in Syrien und das iranische Atomprogramm diskutieren wolle, packte Bennett in nur zwei Sätze.

Tatsächlich geht es bei solchen Staatsbesuchen regelmäßig fast nur um symbolische Botschaften und um das »Klima« zwischen den beteiligten Politikern. Über Inhalte, zumal über brisante, wird in anderen Formaten und unter Hinzuziehung von kompetentem Personal diskutiert. Über das komplizierteste und akuteste Problem, die Beziehungen zum Iran, drang bisher nichts von dem zwischen Bennett und dem Gastgeber Gesprochenen nach außen.

Es ist ohnehin offensichtlich, dass israelische Kriegshandlungen entweder kurz bevorstehen oder dass Bennetts Regierung diese Drohung gezielt als Bluff einsetzt. Am Montag vor einer Woche war bekanntgeworden, dass das Kabinett Haushaltsmittel in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar für die Vorbereitung von Militärschlägen gegen Iran bereitgestellt hat. Am Dienstag sagte Finanzminister Avigdor Lieberman gegenüber der Nachrichten-Website Walla: »Eine Konfrontation mit dem Iran ist nur eine Frage der Zeit, und keiner Menge Zeit.« Am Donnerstag meldeten israelische Medien, dass die Streitkräfte das Üben von Angriffen auf iranische Atomanlagen wieder aufgenommen hätten. Putin, der den Konflikt irgendwie »diplomatisch lösen« will, steht ein schwieriger Spagat bevor.

Zeitung gegen Profite mit der Gesundheit

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Ähnliche:

  • Naftali Bennett steht kurz vor seinem ersten Besuch in Russland ...
    18.10.2021

    Schwierige Balance

    Israels Premier Bennett reist nach Sotschi und trifft Russlands Staatschef Putin
  • Syriens Präsident Baschar Al-Assad (r.) und Irans Außenminister ...
    23.04.2020

    Treffen vor dem Ramadan

    Irans Außenminister und Präsident Syriens beraten Situation in Coronakrise. USA provozieren
  • Ein Soldat der syrischen Armee steht auf einem Dach in der Stadt...
    26.02.2020

    Regime-Change gescheitert

    Die syrische Armee ist auf dem Vormarsch. Die Partner im Krieg gegen Damaskus sind zerstritten

Mehr aus: Ausland