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Aus: Ausgabe vom 19.10.2021, Seite 5 / Inland
Drohender Stellenabbau

VW-Pläne sorgen für Kritik

Konzernumbau: Land Niedersachsen lehnt drohenden Kahlschlag ab
Von Gudrun Giese
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Wandel zur E-Mobilität: VW-Chef Diess will den Konzern umbauen

Beschwichtigung nach der Provokation: Nachdem VW-Chef Herbert Diess in einer Aufsichtsratssitzung Ende September den Abbau von bis zu 30.000 Stellen im Zuge der Autoelektrifizierung ins Gespräch gebracht haben soll, wurden in den zurückliegenden Tagen vor allem verbale Beruhigungspillen zu dem Thema verteilt.

Überraschend für die Aufsichtsratsmitglieder soll der Vortrag von Diess laut verschiedenen Presseberichten gewesen sein. Er hätte etwa thematisiert, wie sich eine anhaltende Lieferkrise bei Mikrochips auswirken und es anhaltend zuviel Leerlauf etwa im VW-Hauptwerk in Wolfsburg geben könnte (siehe jW vom 14.10.). Nach der öffentlichen Aufregung folgte die erste Beruhigung direkt aus der VW-Pressestelle mit der Erklärung: »Ein Abbau von 30.000 Stellen ist kein Thema. Dazu gibt es keine Pläne.« Womit allerdings nicht gesagt war, dass es keine Pläne zu Stellenstreichungen gäbe, nur eben nicht im genannten Umfang. VW-Chef Diess sieht das Unternehmen in zunehmendem Wettbewerb mit dem Elektroautobauer Tesla und will in Richtung Elektrifizierung aufschließen.

Am Montag äußerte sich nun der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im Interview mit der Welt zu den nicht abreißenden Gerüchten über einen Umbau bei Volkswagen, nachdem kürzlich auch über Veränderungen beim Konkurrenten Opel (siehe jW vom 18.10.) berichtet worden war. Weil erklärte, dass ein drastischer Stellenabbau mit dem Land Niedersachsen nicht zu machen sei. Das Bundesland ist Großaktionär bei VW und hat weitreichende Mitbestimmungsrechte. Zu andauernden Um- und Abbaukonzepten innerhalb des Konzerns, die seit vielen Jahren an der Tagesordnung seien, »gibt es umfassende Vereinbarungen zwischen dem Vorstand und dem Betriebsrat«, sagte Weil gegenüber der Welt. »Volkswagen steht unter anderem deshalb relativ gut da, weil man mit den nötigen Umbauprozessen früher begonnen hat als mancher Wettbewerber.« Das gemeinsame Vorgehen habe sich bewährt, er halte daran auch für die Zukunft fest.

Die VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo hatte sich vergangene Woche zu der kursierenden Zahl von 30.000 abzubauenden Stellen geäußert. Eine Vernichtung jedes vierten Arbeitsplatzes in der Volkswagen AG »ist absurd und entbehrt jeder Grundlage«, so Cavallo. Die IG Metall betonte, »vermeintliche Aufsichtsratsinterna« zwar nicht zu kommentieren, befand jedoch die Streichung von 30.000 Arbeitsplätzen für »nicht diskutabel«. Darüber hinaus wäre »das auch ein Frontalangriff auf die Transformation unserer Branche. Volkswagen hat sich erfolgreich aufgemacht, den Wandel fair für alle Seiten zu gestalten.«

VW-Chef Diess informierte sich unterdessen beim Konkurrenten Tesla über Wege zur umfassenden Autoelektrifizierung: Am Sonnabend schrieb das Handelsblatt über einen Auftritt von Tesla-Chef Elon Musk bei einem VW-Führungskräftetreffen am vergangenen Donnerstag im österreichischen Alpbach, zu dem Diess ihn eingeladen hatte. Aus Teilnehmerkreisen sei über die Veranstaltung berichtet worden, Musk habe sich zuversichtlich geäußert, dass Volkswagen den Branchenwandel meistern werde. Auf Diess’ Frage, warum Tesla soviel schneller als VW sei, habe der US-Amerikaner geantwortet: »Es liegt am Führungsstil. Ich bin in erster Linie Ingenieur, und neben dem Auto faszinieren mich Lieferketten, Logistik und Produktionsprozesse.« Der VW-Chef bestätigte am Sonnabend per Twitter Musks Auftritt bei dem Treffen und kündigte gleichzeitig einen Gegenbesuch im gerade entstehenden Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide an. Vielleicht holt Diess sich bei der nächsten Begegnung auch noch den einen oder anderen Tipp beim Tesla-Gründer ab, wie sich Mitbestimmungsrechte und lästige politische Einmischung aushebeln lassen?

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