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Aus: Ausgabe vom 15.10.2021, Seite 1 / Inland
Kampf um Freiräume

Widerstand in »Roter Zone«

Berlin: Räumung des »Köpi«-Wagenplatzes für Freitag vormittag geplant. Weiträumige Absperrungen
Von Annuschka Eckhardt
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Das Gebiet um den »Köpi«-Wagenplatz wurde von der Polizei weitläufig abgesperrt und zur »roten Zone« erklärt (Berlin, 8.10.2021)

Linke Freiräume verschwinden in der Hauptstadt. Am Donnerstag hat die Berliner Polizei das Gelände um den von Räumung bedrohten Wagenplatz des linken Wohn- und Kulturprojekts »Köpi« weiträumig abgesperrt und eine sogenannte Rote Zone errichtet. Die auf Betreiben des Eigentümers geplante Räumung des Geländes an der Köpenicker Straße, die mit einem enormen Polizeiaufgebot durchgeführt und abgesichert werden soll, ist für Freitag vormittag angekündigt. Ab Freitag morgen um fünf Uhr dürfen nur noch Anwohnerinnen und Anwohner die »Rote Zone« betreten, die eigentliche Räumung ist für zehn Uhr angedacht. Wie die Anwälte der Bewohnerinnen und Bewohner des Wagenplatzes »Köpi« am Mittwoch in einer Pressemitteilung schrieben, wurde der Eilantrag auf einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung vom Berliner Kammergericht abgelehnt. »Wir halten diese Entscheidung für juristisch fehlerhaft, sehen aber aufgrund der Kürze der Zeit keine Möglichkeit mehr, weitere Rechtsmittel zu ergreifen«, heißt es seitens der Anwaltskanzlei. Es drohe nun die Beseitigung eines der letzten verbliebenen »unregulierten soziokulturellen Freiräume in Berlin«. Mehrere Bewohnerinnen und Bewohner des seit 1990 besetzten und seit 1991 legalisierten Wohnprojektes seien nun von Obdachlosigkeit bedroht.

Weiterhin umstritten ist die Rolle der Gewerkschaft Verdi im Zusammenhang mit der Räumung. In den Büros der Bundeszentrale sollen sich seit Freitag vergangener Woche Polizeibeamte zur Observation des Wagenplatzes aufgehalten haben, wie mehrere linke Initiativen beim Kurznachrichtendienst Twitter behauptet hatten. Die Pressestelle des Bundesvorstandes bestritt diese Vorwürfe und teilte auf jW-Anfrage am Donnerstag mit, dass das Gewerkschaftshaus am Freitag, dem 15. Oktober 2021, geschlossen werde. »Ein Zutritt ist nicht möglich, das schließt auch Polizeikräfte und Journalisten mit ein.«

Bewohner und Unterstützer der »Köpi« kündigten Widerstand gegen die Räumung an. Geplant sind außerdem zahlreiche Solidaritätsaktionen im Umkreis der »Roten Zone«. Auch in der Nacht zu Freitag sind mehrere Demonstrationen angemeldet.

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