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Aus: Ausgabe vom 12.10.2021, Seite 1 / Titel
Kartelle und Geldwäsche

Renditejäger auf Wohnungssuche

Immobilienmesse »Expo Real« in München gestartet. »Soziale Brennpunkte« besonders profitabel. Finanzministerium lässt Spekulation zu
Von Simon Zeise
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Das Finanzministerium ist der Türöffner für Spekulanten auf dem Immobilienmarkt

Auf der Immobilienmesse »Expo Real« kommt zusammen, was zusammengehört. Enteignung oder sozialer Wohnungsbau waren nicht die beherrschenden Themen des Branchentreffens, das am Montag in München eröffnet wurde. Das Ticket für die drei Messetage kostet schlappe 700 Euro – Spielgeld für die versammelten Makler, Fondsmanager und Banker.

Die Bande will die Preise weiter steigen sehen. Und das Rennen um die schnellste Rendite wird enger. Weil die Innenstädte bereits abgegrast sind, weichen Spekulanten auf Außenbezirke aus. Wie das Immobilienberatungsunternehmen Pricehubble in einer Übersicht hervorhebt, ist der Kölner Stadtteil Meschenich besonders gewinnbringend. Der »soziale Brennpunkt« im Süden der Domstadt, mit einer Erwerbslosenquote von fast 15 Prozent, verschaffe Investoren im Schnitt für eine 70 Quadratmeter große Wohnung 7,3 Prozent Rendite, berichtete das Handelsblatt am Montag.

Wenn es um saftige Beute geht, jagen Finanzhaie auch mal im Rudel. Nachdem sich die Adler Group in der vergangenen Woche schweren Vorwürfen des Shortsellers Fraser Perring ausgesetzt gesehen hatte, springen dem Konzern Wettbewerber helfend zur Seite. Die Adler-Gruppe musste nach einem kräftigen Kurssturz Federn lassen und braucht frisches Geld. Rund 1,5 Milliarden Euro wollen die Makler durch den Verkauf eines Immobilienportfolios an die Konkurrenten »LEG Immobilien« erzielen. Die verkauften 15.000 Wohneinheiten liegen unter anderem in Wolfsburg, Göttingen und Wilhelmshaven. Das verbleibende Adler-Immobiliengeflecht sei »damit noch stärker auf die starken Top-sieben-Städte in Deutschland konzentriert«, teilte der Konzern am Montag mit. Die Kaufsumme liege über dem zum Halbjahr ausgewiesenen Buchwert. Die Adler-Gruppe wird zudem mit zehn Prozent an dem Immobilienpaket beteiligt bleiben. Mit dem Geld aus dem Verkauf könnten Anleihen und Darlehen zurückgezahlt werden – Freunde stehen in schlechten Zeiten eben zusammen. Auch der Branchenprimus hatte dem schlitternden Immobilienriesen bereits unter die Arme gegriffen. Nach der Ankündigung von Vonovia, eine Beteiligung an der Adler-Gruppe zu prüfen, fing sich der Aktienkurs am Freitag wieder, der sich zuvor im freien Fall befunden hatte.

Einen großen Anteil an den florierenden Geschäften auf dem Immobilienmarkt darf Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) für sich verbuchen. Wie die Wochenzeitung Die Zeit berichtet, steht demnächst dem von Scholz geführten Finanzministerium (BMF) eine Prüfung der »Financial Action Taskforce« (FATF) ins Haus. In dem internationalen Gremium haben sich mehr als 200 Staaten zur Einhaltung von Standards zur Prävention von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Finanzierung von Massenvernichtungswaffen verpflichtet. Der Immobiliensektor in der BRD gilt als besonders anfällig. Das Ergebnis der letzten Prüfung im Jahr 2009 sei so desaströs gewesen, dass Deutschland fast auf der schwarzen Liste jener Staaten gelandet wäre, die ein »Risiko für das internationale Finanzsystem« darstellten. Auf jW-Nachfrage wollte das BMF die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen: Das Ministerium habe »bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung in den letzten Jahren viel unternommen«. Im internationalen Kontext werbe das BMF »im Rahmen der deutschen FATF-Präsidentschaft dafür, ein weltweit verknüpftes Netz von Transparenzregistern aufzubauen«. Ein leitender Beamter sieht das anders. »Kriminelle von überall« investierten ihr Geld in der Bundesrepublik, »weil das so einfach ist«, erklärte er der Zeit.

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