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Aus: Ausgabe vom 11.10.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Rüstungslieferant

Zwischen Jerusalem und Teheran

Aserbaidschan: Beziehungen zu Israel führen zu Konflikten mit dem Iran
Von Knut Mellenthin
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Manöver iranischer Streitkräfte an der aserbaidschanischen Grenze (1. Oktober)

Das Verhältnis zwischen Israel und Aserbaidschan bedarf vordergründig keiner Normalisierung: Diplomatische und vielfältige andere Beziehungen bestehen seit 1992, als Aserbaidschan aus der Selbstauflösung der Sowjetunion als unabhängiger Staat hervorging. Baku deckt mit seinen Lieferungen 40 Prozent des israelischen Erdölbedarfs. Ob es damit an erster Stelle liegt oder an zweiter hinter Russland, wird unterschiedlich dargestellt.

Auf der anderen Seite ist Israel der wichtigste Rüstungslieferant der Republik im Südkaukasus. Im Warensortiment sind bewaffnete Drohnen und Raketen mit einer Reichweite von 400 Kilometern. Das reicht, zusammen mit ein paar Kampfflugzeugen, Artillerie und panzerbrechenden Waffen, die ebenfalls aus Israel importiert werden, für Kriege gegen den Nachbarstaat Armenien, wie im vorigen Jahr. Israelis können visafrei nach Aserbaidschan reisen – ein Privileg, das ihr Land nur noch mit der Türkei teilt. Als der damalige Präsident Benjamin Netanjahu die Landeshauptstadt Baku im Dezember 2016 besuchte, erzählte er, dass die Beziehungen der beiden Länder zueinander »hervorragend« seien und dass zwischen ihnen eine »warme Freundschaft« bestehe. Im selben Jahr behauptete der damalige israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, Aserbaidschans Position im jahrzehntelangen militärischen Konflikt mit Armenien sei »absolut gerechtfertigt«.

Aber normal ist die Situation nicht. Denn Aserbaidschan unterhält auch zu seinem südlichen Nachbarn Iran, von dem ihn eine 700 Kilometer lange Grenze trennt, sehr enge Beziehungen. Das Volumen des Handels ist sogar noch etwas größer als das desjenigen mit Israel, wobei der Iran sehr viel mehr aus- als einführt. Aserbaidschans Bevölkerung ist, wie die Irans, wenn auch in deutlich geringerer Ausprägung, schiitisch, die Geschichte beider Länder ist miteinander verflochten. Zwischen 15 und 25 Prozent der Bevölkerung Irans sind Aseris, sprechen nahezu die gleiche Sprache wie die nördlichen Nachbarn.

Aktuell ist die Stimmung ausgesprochen schlecht. Die iranischen Streitkräfte haben Militärübungen in Grenznähe durchgeführt, die offenbar als politisches Signal gemeint waren. Baku hat sich beschwert. Iran hat mit dem sachlich richtigen Hinweis geantwortet, dass es ein souveränes Recht jeden Staates sei, Manöver auf seinem eigenen Territorium zu veranstalten. Die Frage der aserbaidschanischen Regierung, »Warum gerade jetzt und warum an unserer Grenze?«, beantwortet das noch nicht.

Iran behauptet in diesem Zusammenhang, es gebe eine »israelische Präsenz« auf dem Boden Aserbaidschans, die nicht hinnehmbar sei. Man sei nicht bereit, »geopolitische Veränderungen und Veränderungen der Landkarte« hinzunehmen, erklärte der iranische Außenminister Hossein Amir-Abdollahian in der vergangenen Woche bei einem Besuch in Moskau.

Die Propaganda von Irans Regierung ist eine der schlechtesten der Welt: Sie erläutert ihre Vorwürfe fast niemals, aber noch weniger tritt sie die Beweise für ihre Behauptungen an. Der Anklagepunkt der »israelischen Präsenz« erschließt sich auf Anhieb nicht. Indirekt ist aber zu erkennen, dass Iran von der Rolle israelischer Firmen beim Wiederaufbau Aserbaidschans nach dem Krieg im Vorjahr spricht. Nicht nur Israel, sondern auch Russland und die Türkei würden bei der Vergabe der Aufträge unbegründet vorgezogen, lautet die Anklage aus Teheran. Vermischt wird das aber mit nicht näher erläuterten Vorwürfen, Baku dulde das Operieren von Terroristen in der Nähe der Grenze zum Iran. Aserbaidschan hat dazu bisher nur erklärt, die iranischen Behauptungen seien »substanzlos«. Zumindest in ihrer bisherigen Form stimmt das zweifellos.

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