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Aus: Ausgabe vom 15.09.2021, Seite 16 / Sport
Fußball

Heimspiel im Olympiastadion

Vor Union Berlins Start in der Fußball-Conference-League werden Erinnerungen wach
Von Maurice Lötzsch
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Die größere Spielstätte dem erfolgreicheren Verein: Die andere Union in Charlottenburg

In den Katakomben des Stadions An der Alten Försterei werden die Sektkorken geknallt haben, als zum Ende der vergangenen Saison ein beachtlicher siebter Platz auf der Schlusstabelle abzulesen war. Union Berlin spielt im Europapokal, wenn auch nur in der neu geschaffenen Europa Conference League, dem Nachfolger des UI-Cups, oder so ähnlich – die Regularien waren vielen noch nicht klar. Wer an einen Kirmespokal glaubt, der irrt. Mit den Tottenham Hotspurs spielt beispielsweise ein englisches Schwergewicht um den Titel. So auch die in ihren nationalen Ligen zur Crème de la Crème gehörenden Feyenoord Rotterdam, Maccabi Haifa und Slavia Prag mit denen es die Eisernen nun in der Gruppenphase zu tun kriegen. Dass die »Heimspiele« dabei im Olympiastadion und damit der Heimat des Stadtrivalen Hertha BSC am anderen Ende der Stadt ausgetragen werden, ist da nur eine Randnotiz.

Das Olympiastadion ist für die Unioner dennoch ein historischer Ort der Vereinsgeschichte. Hier trat Hertha BSC kurz nach der »Wende« zum Freundschaftsspiel gegen Union an. Auch die erste »Stadtmeisterschaft« im Jahr 2010 gewannen die Unioner im Nazibau in Charlottenburg. Das wohl wichtigste Spiel datiert allerdings auf das Jahr 2001. Im DFB-Pokalfinale gastierte der frischgebackene Meister der Herzen, FC Schalke 04, zum Duell mit den Eisernen. Auch wenn ihm nur Außenseiterchancen im Promillebereich eingeräumt wurden, hielt der Aufsteiger in die 2. Bundesliga gut dagegen, Schalke biss sich am eisernen Abwehrriegel über 50 Minuten die Zähne aus. Dass am Ende die Schalker den goldenen Pokal in die Höhe reckten – geschenkt. Denn ein längst abgeschafftes Schmankerl in den DFB-Regularien räumte dem unterlegenen Finalteilnehmer einen Startplatz im UEFA-Pokal ein, sofern der Sieger bereits qualifiziert war.

Nach Spielen gegen heute abgestürzte Traditionsklubs wie Rot-Weiß Oberhausen oder den SSV Reutlingen hieß es für die Unioner Koffer packen. Die erste Runde war ein Duell mit dem finnischen Vertreter FC Haka Valkeakoski. Die Vorfreude wurde jäh unterbrochen. Die islamistischen Anschläge in New York überschatteten die Vorbereitung, in der Mannschaft kam Unruhe auf. Am nächsten Tag bestieg die Mannschaft ein Flugzeug nach Tampere mit dem unsicheren Gefühl, ob es überhaupt zur Partie kommen würde. Als die Spieler gerade aus dem Flughafen spazierten, kam die Absage. Mit dem Mannschaftsbus ging es auf Rundfahrt durch die finnische Großstadt. Unverrichteter Dinge ging es abends wieder zurück nach Berlin. Ein Gefühl der Ohnmacht, das auch die älteren Stadionbesucher aus dem Jahr 1968 kennen. Nach den Ereignissen in Prag 1968, kommt es zu (sport-)politischen Unruhen. Das erste Europacup-Spiel des FDGB-Pokalsiegers von 1968 wird abgesagt. Die Vorrunde wird neu gelost, Klubs aus dem sozialistischen Lager, die nur gegen ihresgleichen spielen – Union erwischt Dynamo Moskau. Die osteuropäischen Vertreter ziehen daraufhin ihre Mannschaften zurück.

Zurück ins Jahr 2001. Als eine Woche später wieder gespielt wird, sind 300 Unioner beim 1:1 in Valkeakoski dabei. Im Rückspiel im Jahn-Sportpark siegt Union 3:0, das Erreichen der zweiten Runde ist eine große Sensation. Dort wartet Litex Lowetsch. Mit 0:2 Toren nach zwei Spielen ist das Abenteuer Europa vorbei, der Rest ist Geschichte.

Heute steht Union als vermeintlicher Underdog der Gruppe wieder vor einer großen Aufgabe. Die erste Runde – wieder gegen einen finnischen Vertreter – wurde erfolgreich absolviert. In Köpenick beginnt die Anhängerschaft wieder zu träumen, drei Flutlichtspiele im ungeliebten Olympiastadion warten. Es ist angerichtet für Eisern Union.

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