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Aus: Ausgabe vom 14.09.2021, Seite 6 / Ausland
Erinnern heißt kämpfen

Hoffnungsvolles Gedenken

48. Jahrestag des Putsches in Chile. Moment für Veränderungen günstig
Von Frederic Schnatterer
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Antifaschistisches Erinnern an die Opfer der Militärdiktatur auf dem Friedhof in Santiago (11.9.2021)

Die Erinnerung an »den anderen 11. September« wird wachgehalten. Am Sonnabend vor 48 Jahren wurde Chiles sozialistischer Präsident Salvador Allende weggeputscht. Allende starb, in der folgenden Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973–1990) wurden Tausende Linke, Gewerkschafter und Andersdenkende ermordet. Rund 30.000 Menschen wurden vom faschistischen Regime gefoltert, noch heute gelten mehr als 1.000 Chileninnen und Chilenen als »verschwunden«.

Während die Gedenkveranstaltungen im vergangenen Jahr wegen der Coronapandemie nur klein ausgefallen waren, zogen am Sonnabend wieder Tausende in einer Demonstration von der Plaza Los Héroes im Zentrum der Hauptstadt Santiago zum Friedhof, auf dem der Sozialist begraben liegt. Wie lokale Medien berichteten, griffen Einsatzkräfte den Aufzug mit Tränengas und Wasserwerfern an, mindestens sechs Personen wurden festgenommen. Zuvor hatten Abgeordnete vor allem der KP Chiles (PCCh) und der Sozialisten (PS) – beide Teil von Allendes Wahlkoalition »Unidad Popular« – Blumen am Regierungssitz La Moneda abgelegt.

»Schmerzhaft« sei dieser 11. September, erklärte Lorena Pizarro, Vorsitzende der »Vereinigung der verschwundenen Festgenommenen« gegenüber AFP – auch weil die Menschenrechte wieder einmal verletzt würden. Allerdings sei der 48. Jahrestag des Putsches auch von Hoffnung geprägt – eine unter den Teilnehmenden der Gedenkveranstaltungen weitverbreitete Meinung. Auch die Vorsitzende der Kommunistischen Jugend, Daniela Serrano, machte darauf aufmerksam, dass »das Erbe der Unidad Popular« nicht »tot« sei: Das politische Projekt sei »unvollendet geblieben«.

Der Moment, das zu ändern, scheint derzeit so günstig wie lange nicht mehr. Seit Juli tagt in Chile die von linken Kräften dominierte verfassunggebende Versammlung, die eine neue Konstitution für das Land ausformulieren soll. Sie soll das noch aus der Militärdiktatur stammende Grundgesetz ablösen.

Der Putsch vom 11. September 1973, der der von der Unidad Popular vorangetriebenen Demokratisierung ein jähes Ende bereitete, wurde von den USA und deren Geheimdienst CIA aktiv unterstützt. Pünktlich zum Jahrestag kam am Sonnabend außerdem durch zuvor unter Verschluss gehaltene Dokumente ans Licht, dass auch der australische Geheimdienst, Australian Secret Intelligence Service, aktiv an der Destabilisierung der chilenischen Linksregierung beteiligt gewesen war und ein eigenes Büro in Santiago unterhalten hatte. Dieses wurde wenige Monate vor dem Staatsstreich jedoch wieder geschlossen.

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