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Aus: Ausgabe vom 10.09.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Finanzmärkte

Wall Street in China

US-Vermögensverwalter Blackrock sammelt erste Milliarde bei Investoren ein. George Soros fordert US-Sanktionen
Von Simon Zeise
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Blackrock-Chef Laurence Fink setzt auf Kooperation: Er will langfristig Geld in der Volksrepublik verdienen

Blackrock macht gute Geschäfte in China. Der größte Vermögensverwalter der Welt hat für seinen ersten Investmentfonds in der Volksrepublik rund eine Milliarde US-Dollar eingesammelt. Der Finanzriese hatte im Juni als erster globaler Konzern die Genehmigung für ein hundertprozentiges chinesisches Investmentfondsgeschäft erhalten. Und das Geld fließt in Strömen. Am Dienstag teilte Blackrock mit, eine Woche früher als erwartet die Mittelbeschaffung abgeschlossen und mehr als 110.000 Investoren gewonnen zu haben.

Hart getroffen hat die Nachricht Börsenguru George Soros. Er hatte tags zuvor in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal getönt, Blackrocks Engagement in China sei ein »tragischer Fehler«. Insbesondere die jüngst von Präsident Xi Jinping verkündeten Umverteilungsmaßnahmen bedeuteten für ausländische Investoren nichts Gutes. In einem Kommentar in der Financial Times vom 30. August hatte der Milliardär bereits losgepoltert, die chinesische Regierung verstehe nichts von Marktwirtschaft. Das harte Vorgehen gegen die großen Hightechkonzerne im Land habe den Aufschwung »erheblich ausgebremst«. In einem Fonds des US-Riesen Blackrock für sogenannte Schwellenländer (ESG Aware emerging market exchange trade-fund) machten chinesische Unternehmen ein Drittel der Gesamtinvestitionen aus. Soros flucht: Diese Indizes haben effektiv Hunderte von Milliarden Dollar von US-Investoren in chinesische Unternehmen gedrängt, deren Unternehmensführung (Corporate Governance) »nicht den erforderlichen Standards« entspreche.

Nur die Kavallerie kann noch die Profite des Westens retten. »Der US-Kongress sollte einen parteiübergreifenden Gesetzentwurf verabschieden, der ausdrücklich vorschreibt, dass Vermögensverwalter nur in Unternehmen investieren, deren tatsächliche Governance-Strukturen sowohl transparent als auch auf die Interessengruppen abgestimmt sind«, schrieb Soros. Wenn der Kongress diese Maßnahmen erlassen würde, hätte die US-Börsenaufsicht die nötigen Instrumente in der Hand, »um amerikanische Investoren zu schützen, einschließlich derer, die nicht wissen, dass sie chinesische Aktien und chinesische Briefkastenfirmen besitzen«, meint der Multimilliardär. »Das würde auch den Interessen der USA und der breiteren internationalen Gemeinschaft von Demokratien dienen.«

Der marxistische US-Ökonom Michael Hudson spottete über Soros Pläne. Hudson schrieb auf dem Medienportal Counterpunch.org am 2. September: »So will Herr Soros die USA daran hindern, in China zu investieren. Er scheint nicht zu sehen, dass dies auch das Ziel von Präsident Xi ist.« China brauche keine US-Dollar, tatsächlich verfolge Beijing eine Strategie der Dedollarisierung. Soros Absichten zielten auf Vergeltung ab. US-Investoren würden keine Ruhe geben, bis China kapituliere und »die Art von Deregulierung und Steuerentlastung durchsetzt, die Russland nach 1991 durchführte«, so Hudson. Soros warne davor, China werde eine Depression erleiden, weil es seine Wirtschaft nach sozialistischen Zielen ausrichte und sich der Privatisierung nach US-amerikanischem Vorbild widersetze. Was US-Konzerne unter »guter Unternehmensführung« verstehen, hätten sie des öfteren unter Beweis gestellt. Die Monopole hätten ihre Aktienkurse durch Aktienrückkäufe und höhere Dividendenausschüttungen gesteigert, die Produktion wurde ins Ausland verlagert, Gewerkschaften wurden bekämpft und die Wirtschaft von Verbraucher- und Arbeitsschutzgesetzen »befreit«, so Hudson. China habe nein zu diesem Kurs gesagt, daher werde es nicht als »Marktwirtschaft« im Stil von Soros angesehen. Beijing habe die chinesische Gesellschaft nicht marktfähig organisiert und habe verhindert, sich durch Sanktionen und Spekulationsattacken in die finanzielle Abhängigkeit der USA zu begeben, so Hudson.

Blackrock-Chef Laurence Fink sieht es gelassen. In dem Jahresbericht für 2020 wendete er sich in einem Brief an die Aktionäre: »China stellt die zweitgrößte Volkswirtschaft und den zweitgrößten Kapitalmarkt der Welt dar.« Die chinesischen Aktien- und Rentenmärkte befänden sich jedoch nur zu drei Prozent im Besitz ausländischer Investoren. Blackrocks Geschäfte in der Volksrepublik stellten »eine bedeutende Gelegenheit dar, die langfristigen Ziele von Investoren in China und international zu erreichen«.

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