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Aus: Ausgabe vom 08.09.2021, Seite 6 / Ausland
Gefängnisausbruch in Israel

Auf der Flucht

Israel fahndet nach sechs Palästinensern, die aus Hochsicherheitsgefängnis entkamen
Von Gerrit Hoekman
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Durch diesen Tunnelausgang sollen die inhaftierten Palästinenser aus dem Gefängnis Gilboa entkommen sein (6.9.2021)

Hunderte Straßensperren, verstärkte Grenzüberwachung und Konsultationen hochrangiger Politiker und Militärangehöriger: Der Ausbruch von sechs Palästinensern aus dem israelischen Hochsicherheitsgefängnis Gilboa, der von seiten der israelischen Strafvollzugsbehörde als »großes Versagen der Sicherheits- und Geheimdienste« eingeordnet wird, hielt den zionistischen Staat auch am Dienstag auf Trab. Unter den Geflohenen befindet sich Sakaria Subaidi, der 2019 verhaftet worden war und seither auf ein Urteil wartete. Er ist der frühere Chef der Al-Aksa-Brigaden in Dschenin, dem bewaffneten Arm der Fatah, und spielte eine zen­trale Rolle in der zweiten Intifada. Die fünf anderen sind Mitglieder des »Islamischen Dschihad«, vier davon zu lebenslanger Haft verurteilt, einer in Untersuchungshaft.

»Dies ist eine großartige Heldentat, die das israelische Sicherheitssystem stark erschüttern wird«, erklärte ein Sprecher des »Islamischen Dschihad« laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan. »Der Traum von Freiheit wird von allen Gefangenen geteilt. (…) Diese sechs Helden haben es geschafft, das System zu durchbrechen«, feierte auch Fatah-Sprecher Munir Al-Dscharub am Montag die Flucht.

Israelische Gefängnisse gelten eigentlich als absolut ausbruchsicher. Die Gefangenen gelangten offenbar durch das Abwassersystem in die Nähe der Gefängnismauer. Von dort aus gruben sie laut der Onlinezeitung Times of Israel einen 30 Meter langen Tunnel in die Freiheit. Die fünf Dschihad-Mitglieder lebten in einer Gemeinschaftszelle. Erst am Sonntag war Subaidi auf eigenen Wunsch ebenfalls in die Zelle verlegt worden. Die israelischen Sicherheitskräfte sprechen von einem eklatanten Konstruktionsfehler beim Bau des Gefängnisses. Bereits 2014 hatten acht Gefangene auf gleiche Weise vergeblich versucht, aus Gilboa zu entkommen. Drei von ihnen sollen es nun am Montag beim zweiten Versuch geschafft haben. Dem Ausbruch sei offenbar eine »präzise und detaillierte Planung« vorausgegangen, zitierte Times of Israel am Montag den Minister für öffentliche Sicherheit, Omer Barlev. Vermutlich hätten die Geflohenen Hilfe von außerhalb bekommen.

Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet teilte am Montag mit, dass die Geflohenen mit Hilfe eines Handys, das ins Gefängnis geschmuggelt worden war, mit Helfern draußen kommuniziert hätten. In der Nähe soll ein Fluchtauto gewartet haben. 400 Gefangene in Gilboa sollen vorerst auf andere Gefängnisse verteilt werden, um Platz für eine Sicherheitsprüfung zu schaffen, berichtete Haaretz.

Der Ausbruch, der vermutlich gegen halb zwei nachts stattfand, war erst gegen vier Uhr morgens beim Zählen der Insassen entdeckt worden. Die Armee und Schin Bet leiteten umgehend die Suche ein, bei der Drohnen und Hubschrauber zum Einsatz kamen. Straßensperren wurden errichtet. Die Fahndung wird durch das jüdische Neujahrsfest erschwert, das am Montag abend begonnen hat. Viele Soldaten befinden sich deshalb auf Heimaturlaub.

Gilboa liegt im Norden Israels unweit der Grenze zur Westbank. Bis ins palästinensische Dschenin sind es nur wenige Kilometer, alle Entkommenen stammen aus der Gegend. Am Dienstag sei eine Infanterieeinheit im Morgengrauen in Dschenin eingedrungen und kontrolliere die Bewohner, berichtete Maan. Familienangehörige der Geflohenen sollen zum Verhör abgeholt worden sein.

Zuvor hatte die israelische Luftwaffe am späten Montag abend erneut Ziele in Gaza bombardiert. Angeblich in Reaktion auf brennende Ballons, die von dem Küstenstreifen aus nach Israel geflogen waren. Die Hamas sprach laut Maan hingegen von einem Manöver, mit dem Israel von seinem Versagen beim Ausbruch der sechs Gefangenen in Gilboa ablenken wolle.

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